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28. Januar 2020 | 07:00 Uhr
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Streit um Kundengeldabsicherung spaltet die Branche

Während der Vertrieb auf eine hundertprozentige Absicherung der Kundengelder pocht, warnen die großen Veranstalter vor Preissteigerungen für Pauschalreisen, wenn die Versicherung teurer wird. Die unterschiedlichen Interessen von Vertrieb und Veranstaltern traten bei einer Veranstaltung des Travel Industry Clubs deutlich zutage.

Die Politik müsse die Rahmenbedingungen bei der Neuregelung des Insolvenzschutzes so gestalten, dass deren Kosten nicht aus dem Ruder laufen, forderte FTI-Geschäftsführer Ralf Schiller bei einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Pauschalreise vergangene Woche in Frankfurt. Denn der Preis sei für die Wahl dieser Reiseform aus Kundensicht nach wie vor ein entscheidendes Argument.

Schillers Sorge ist aus seiner Sicht durchaus berechtigt. Denn nachdem die auf 110 Millionen gedeckelte Haftung nur zur Rückerstattung von 17,5 Prozent der gezahlten Kundengelder ausreichte, müssen die großen Veranstalter in Zukunft wohl deutlich höhere Summen absichern. Das dürfte die Kosten der Kundengeldabsicherung gegen Insolvenzen deutlich erhöhen.

Das Kostenargument könne nicht dazu dienen, die von der EU geforderte vollständige Absicherung der Kundengelder zu unterlaufen, entgegnete Marija Linnhoff, Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR). Für die Reisebürokunden sei das Vertrauen darin entscheidend, dass ihr Geld sicher sei: „Seit der Airberlin-Pleite fragen viele Kunden: Wo kann ich noch buchen?“, so die VUSR-Chefin. Deshalb müsse die Haftungsgrenze deutlich angehoben werden.

Sicherheit gegen Wirtschaftlichkeit

FTI-Manager Schiller verwies unterdessen darauf, dass die Absicherung der Kundengelder nur einer von vielen Sicherheitsvorteilen der Pauschalreise sei. Mindestens ebenso wichtig sei das Krisenmanagement bei Katastrophen, das die Branche in den vergangenen Jahren im Zuge immer häufigerer Krisen erfolgreich gemeistert habe. Für die Verbraucher spiele als erstes der Urlaubswunsch eine Rolle, dann folge die Summe der Sicherheitsaspekte.

Reisebüro-Lobbyistin Linnhoff zeigte sich von dieser Relativierung unbeeindruckt. Das ohnehin ramponierte Image der Pauschalreise dürfe nicht durch eine Fortsetzung der bestehenden, unzureichenden Kundengeldabsicherung weiter aufs Spiel gesetzt werden, erklärte sie. Wenn Reiseveranstalter zusätzliche Belastungen, die sich daraus ergäben, nicht stemmen könnten, müssten sie sie eben aus dem Markt verabschieden: „Selbst wenn von den 2.300 Veranstaltern hierzulande 1.000 aufgeben, merkt das kein Mensch.“