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19. November 2019 | 07:00 Uhr
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Touristik ist in Sachen Ticketsteuer gespalten

Das geht aus einer Online-Umfrage für Reise vor9 hervor, an der rund 450 Branchenprofis teilnahmen. 30 Prozent finden es gut, die Mehrwertsteuer auf Bahnreisen zu senken und die Differenz durch höhere Flugsteuern auszugleichen. 38 Prozent meinen dagegen, das Geld sollte in die Entwicklung alternativer Treibstoffe investiert werden.

CO2

Mit höheren Steuern auf Flugtickets will die Bundesregierung mehr Verkehr auf die Schiene bringen

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32 Prozent der befragten erklärten, sie seien gegen zusätzliche Belastungen für den Flugverkehr. Auch aus rund 100 Kommentaren der Umfrageteilnehmer, von denen 46 Prozent im Reisebüro und 24 Prozent für Veranstalter aktiv sind, geht hervor, dass die Auffassungen zu dem Thema innerhalb der Branche weit auseinandergehen.

"Der Luftverkehr finanziert seine Infrastruktur zu 100 Prozent selbst. Eine zusätzliche Steuer ist willkürlich", schreibt ein Teilnehmer, der für eine Fluggesellschaft arbeitet. Höhere Belastungen für Flüge in Deutschland verlagerten den Flugverkehr nur ins Ausland. "Die Abgaben auf Flugtickets müssten noch höher sein, um einen spürbaren Effekt zu erzielen“, stellt dagegen ein Reisebüro-Chef fest. Wenn Bahnreisen billiger würden und Flugreisen teurer, sei das gut für das Klima, meint er.

Widersprüchliche Politik

"Ticketsteuer zu erheben und weiterhin bestimmte Airports zu subventionieren, damit – mit der Begründung der 'Schaffung von Arbeitsplätzen' – Billig-Airlines dort hinfliegen, ist ein Widerspruch in sich. Hier fehlt mir ein schlüssiges Gesamtkonzept in der Verkehrspolitik", merkt ein weiterer Leser an. 

Andere Touristiker stoßen sich an der Systematik der Besteuerung. "Die Ursache für die Klimaschäden durch Luftverkehr ist doch nicht, dass Menschen fliegen. Sondern das Problem ist, dass Flugzeuge CO2 ausstoßen", heißt es in einem Kommentar. "Also sollte es keine Besteuerung pro Passagier geben, sondern eine Besteuerung der Emissionen, zum Beispiel je nach Flugzeugtyp oder nach faktischem Kerosinverbrauch. Das würde Anreize setzen an Airlines und Flugzeughersteller. Eine undifferenzierte Besteuerung pro Passagier besteuert nicht die Ursachen, also ist sie weder fair im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern noch ist sie inhaltlich sinnvoll, denn eine Lenkungswirkung entfällt."

Ruf nach internationalen Lösungen

Immerhin fast die Hälfte der Befragten stimmen der Aussage zu, dass eine höhere Belastung des Luftverkehrs nur dann einen positiven Effekt für das Klima hätte, wenn es zu einer welt- oder zumindest europaweiten Regelung käme. Ähnlich viele Befragte stimmen der Position zu, dass alle Mittel, die aus Abgaben des Flugverkehrs generiert werden, dazu beitragen sollen, das Fliegen umweltfreundlicher zu machen. Jeweils 30 Prozent glauben, höhere Steuern hierzulande verlagerten den Flugverkehr nur ins Ausland, und die Einnahmen würden nur zum Stopfen von Haushaltslöchern genutzt. Zweifel daran, dass es einen menschengemachten Klimawandel überhaupt gibt, äußern sieben Prozent der befragten Touristiker.

Christian Schmicke

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