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20. Juli 2018 | 13:07 Uhr
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URV-Forderung an Reiseveranstalter schlägt hohe Wellen

Anfang Juli kündigte die Union Reiseversicherung (URV) an, Veranstaltern das Inkassounternehmen Noshow Consumer Travel Rights auf den Hals zu schicken, um Zahlungen zum Ausgleich von Schäden einzutreiben. Der Versicherer wirft ihnen vor, unangemessene Stornostaffeln eingeführt zu haben und damit Kunden sowie im Falle der Schadenregulierung auch die Versicherungen zu kräftig zur Kasse gebeten zu haben.

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Grundlage für den ungewöhnlichen Schritt ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 2014, mit dem er die Veranstalter verpflichtete, ihre Stornostaffeln am durchschnittlich entstehenden Schadensvolumen auszurichten. Pauschalierte Stornostaffeln, die bis zu 100 Prozent der Reisekosten reichen, wären demnach rechtswidrig. So interpretiert jedenfalls der Versicherer das Urteil.

Keine Festlegung auf bestimmte Staffeln

Mittlerweile haben die Veranstalter von den Geldeintreibern offenbar tatsächlich Post erhalten. Das geht aus einer Stellungnahme des Mittelstandsverbandes ASR hervor. Der Verband habe den Vorstoß der URV gegen die Stornopauschalen zahlreicher Veranstalter rechtlich überprüft, heißt es darin, und sei "zu einer anderen Betrachtung" gelangt als diese. "Der BGH hat keinesfalls den Veranstaltern insgesamt vorgegeben, dass nur bestimmte Stornosätze zulässig sind – und das wird er auch nicht tun", so ASR-Präsident Jochen Szech. Er habe lediglich gefordert, dass die wirtschaftliche Erfordernis, also die Kosten abzüglich ersparter Aufwendungen in den Stornokosten abzubilden sei. Dies könne aber von Veranstalter zu Veranstalter durchaus sehr unterschiedlich sein. Der BGH, so der ASR-Präsident weiter, habe ausdrücklich offen gelassen, ob der Veranstalter dafür seine Kalkulation offenlegen müsse.

Der Verbandschef bemängelt, dass die URV mit ihrem aktuellen Vorgehen die Veranstalter unter Generalverdacht stelle. "Stornostaffeln sind und bleiben erlaubt; sie müssen natürlich wirtschaftlich begründbar sein. Aber – wie im Falle von ASR-Mitgliedern geschehen – ein Inkassobüro zu beauftragen, wenn noch gar keine Forderung erhoben wurde, ist von Inhalt und Stil her nicht akzeptabel", erläutert Szech die Position der Veranstalter. Zwar habe man "grundsätzlich Verständnis dafür, dass die Versicherer handeln müssen, wenn die Prämieneinnahmen aus den Reiserücktrittsversicherungen die Schadenshöhe nicht ausreichend abdecken". Doch das sei "zuallererst eine interne kaufmännische Aufgabe", so Szech. Die Versicherer sollten "ihre Hausaufgaben machen".

Veranstalter unter Druck

Zugleich erklärt der ASR-Präsident, der selbst den Veranstalter Go East Reisen betreibt, die Veranstalter gerieten in Sachen Stornokosten selbst immer stärker unter Druck. "In den letzten Jahren sind die Forderungen von Airlines und Hotels gerade an mittelständische Veranstalter immer dreister geworden, was Stornos anbetrifft", berichtet er. "Vor allem Spezial-Veranstalter sehen sich oft mit einer Forderung von 100-Prozent-Stornokosten durch ihre ausländischen Partner konfrontiert." Hier solle man gemeinsam ansetzen und nicht den Veranstaltern die Rolle des schwarzen Schafes zuschieben.

Christian Schmicke

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