Viva Cruises erweitert Flotte und startet bald in Italien
Der Düsseldorfer Flussreiseanbieter Viva Cruises wächst bis 2027 auf neun Schiffe, fährt inzwischen elf Monate im Jahr und hält konsequent an stabilen Preisen fest. CEO Andrea Kruse (Foto) erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, warum Rabatte für sie tabu sind.
Viva Cruises
Andrea Kruse leitet seit der Gründung den Flussreiseanbieter Viva Cruises
Wer bei Viva Cruises auf Last-Minute-Schnäppchen hofft, wird enttäuscht. Der einmal kalkulierte Preis bleibt stehen. Egal ob zwei Jahre vor Reisebeginn oder einen Tag vor der Abfahrt. "Das war zu Anfang natürlich sehr, sehr harte Arbeit", räumt CEO Andrea Kruse ein.
Mittlerweile habe sich die Strategie aber ausgezahlt: in Kundenloyalität, in Vertrauen bei Vertriebspartnern und in einer klaren Abgrenzung vom Wettbewerb. Busveranstalter etwa, die teure Kataloge drucken ließen, wüssten, dass ihre Kalkulation nicht durch plötzliche 50-Prozent-Aktionen über den Haufen geworfen werde. Gelegentlich gebe es Add-ons wie ein Ausflugspaket oder eine inkludierte Bahnanreise, aber immer für alle Kanäle gleich.
Der Eigenvertrieb werde generell nicht bevorzugt, betont Kruse ausdrücklich. Trotzdem liegt bei Viva der Direktanteil auf dem deutschen Markt bei knapp unter 40 Prozent. Ein ausgesprochen hoher Wert für dieses Produktsegment. Trotzdem will und kann man auf den stationären Vertrieb nicht verzichten. Für die deutschen Reisebüros bietet Viva Cruises regelmäßig Webinare, mehrere Fam-Trips pro Jahr und vergünstigte Expedientenraten an.
All-Inclusive ganz ohne Sternchentexte so das Versprechen
Produktseitig setzt Kruse auf ein Versprechen, das sich einfach zusammenfassen lässt: Was draufsteht, ist auch drin. Das All-Inclusive-Paket der Reederei umfasst Getränke rund um die Uhr aus einer laut Kruse "immens großen Barkarte". Dazu kommt eine täglich aufgefüllte Minibar. Nicht nur für Suiten-Gäste, sondern auch in der kleinsten Kabinenkategorie. Rituals-Pflegeprodukte und Kaffee- sowie Tee-Zubereitungsmöglichkeiten auf der Kabine gehören ebenfalls zum Standard. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis sieht sie Viva Cruises ihren Anbieter klar vorne: "Was der Gast bei uns zahlt und was er am Ende bekommt, das ist unschlagbar."
Mehr als die Hälfte der Gäste kommt aus dem Ausland
52 Prozent der Gäste sind laut Kruse international, rund 40 Prozent kommen aus Deutschland, der Rest aus der Schweiz und Österreich. Das Ziel für die nächsten Jahre lautet, den internationalen Anteil auf über 60 Prozent zu steigern. Aus unternehmerischer Sicht sei das attraktiv, da in einigen Märkten außerhalb Europas höhere Preise durchgesetzt werden können.
Einen Buchungsrückgang bei US-Gästen wegen der geopolitischen Lage kann Kruse aktuell nicht bestätigen. Die amerikanischen Kunden an Bord seien individuell orientiert und schätzten das Reisen mit europäischen Mitreisenden. Europa biete für viele internationale Gäste nach wie vor ein Gefühl von Sicherheit.
Neun Schiffe bis 2027, Italien kommt als neues Fahrtgebiet dazu
Im Mai stößt das erste Boutique-Schiff zur Flotte, das zweite folgt 2027 und erschließt mit dem Po ein neues Fahrgebiet in Italien. "Ein neuer Meilenstein", sagt Kruse, die seit der Gründung von Viva Cruises an Bord ist. Mit den Neuzugängen wächst die Flotte dann auf neun Schiffe unter der Viva-Marke. Sechs davon fahren bereits elf Monate im Jahr. Dass die übrigen Schiffe kürzer im Einsatz sind, liege vor allem an Schleusensperren in bestimmten Fahrtgebieten wie der Donau.
Sowohl die reguläre Flotte als auch die Boutique-Linie sollen bis 2030 weiter wachsen. Einen Expansionskurs um jeden Preis schließt Kruse aber aus: "Es ist nicht unsere Intention, Massenprodukt zu werden. Es geht nicht darum, dass wir am Ende 20 oder 30 Schiffe haben." Qualität und Guest Experience müssten über dem Preis stehen.
84 Prozent Auslastung im Winter sind für Kruse ein Traumwert
Die Abfahrten im Winter setzen sich langsam durch. Für das Zeitfenster Januar bis März 2026 meldet Kruse eine Gesamtauslastung von 84 Prozent. "Ich glaube, davon träumen einige", sagt sie. Die Preise lägen zwar unter dem Hochsaisonniveau, doch der Winterbetrieb bringe einen eigenständigen Markenwert, Viva Cruises sei in diesen Monaten weitgehend allein auf den Flüssen unterwegs.
Besonders spannend findet Kruse den Effekt auf die Altersstruktur. Das Durchschnittsalter der Viva-Gäste liegt bei 60,5 Jahren, rund zehn Jahre unter dem Branchenschnitt. Über die Kurzreisen im Winter, meist vier Nächte lang, mit Fokus auf Wellness, Citytrips oder Krimi-Kreuzfahrten, erreiche man zunehmend auch Reisende zwischen 40 und 50 Jahren. Diese merkten dann, "dass es eben nicht verstaubt ist", und buchten anschließend oft längere Reisen.
Pascal Brückmann
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