VUSR-Jurist warnt vor Zersplitterung der Touristik
Rechtsanwalt Roosbeh Karimi sieht die politische Interessenvertretung der deutschen Touristik zunehmend zersplittert. Nach dem TUI-Austritt aus dem DRV könne kein Verband mehr beanspruchen, für die gesamte Branche zu sprechen, schreibt er in einem Kommentar. Zugleich kritisiert der für den VUSR aktive Jurist, dass persönliche Konflikte und Debatten über Stil die gemeinsame Sacharbeit behinderten.
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Roosbeh Karimi fordert von Branchenvertretern weniger Stildebatten und mehr inhaltliche Auseinandersetzungen
Mallorca wirbt für Miteinander von Gästen und Einwohnern
Mit der Kampagne "Ich für dich, du für mich" will die Insel Mallorca das gute Miteinander von Gästen und Einheimischen stärken. Die Organisatoren setzen dabei auf Respekt statt Verbote. Veranstalter und Reisebüros können sich anschließen und die Botschaft an ihre Kunden weitergeben. Dabei geht es etwa um Rücksicht im Alltag, den Schutz von Natur und Kultur und die Unterstützung lokaler Anbieter. Reise vor9
Ausgangspunkt für Karimis Kommentar ist der Austritt von Alpha Reisebüro Partner aus dem VUSR, der unter anderem mit Ton und Auftreten des Verbandes und seiner Vorsitzenden Marija Linnhoff begründet wurde. Karimi räumt ein, dass Linnhoff laut, unbequem und mitunter übers Ziel hinaus sei. Die Branche beschäftigt sich nach seiner Ansicht aber zu stark mit Stilfragen und zu wenig mit Ergebnissen.
Der VUSR habe sich in vergleichsweise kurzer Zeit Zugang zu politischen Entscheidern verschafft und werde bei relevanten Themen gehört, schreibt der Jurist. Die fortgesetzte Ausgrenzung des Verbandes durch Teile der Branche halte er deshalb für kontraproduktiv.
"Kein Verband spricht mehr für alle"
Grundsätzlicher sieht Karimi ein Problem bei der politischen Vertretung der Touristik. Der DRV leiste zwar auf vielen Feldern gute Arbeit. Spätestens seit dem Austritt der TUI sei der frühere Anspruch, die Branche in ihrer Breite zu repräsentieren, kaum noch aufrechtzuerhalten.
Gleichzeitig habe der VIR trotz seiner geringeren Größe erheblichen Einfluss auf tourismuspolitische Entscheidungen gewonnen. Karimi bewertet das ausdrücklich als erfolgreiche Interessenvertretung des Verbandes. Kritisch sieht er dagegen, dass sich Teile der klassischen Touristik gegenseitig bekämpften, während internationale Onlineplattformen Marktanteile und politischen Einfluss ausbauten.
Streit um die Pauschalreiserichtlinie
Als Beispiel nennt Karimi die Reform der EU-Pauschalreiserichtlinie. Frühere Positionen von DRV und VIR hätten sich teilweise deutlich von dem später in Brüssel erzielten Ergebnis unterschieden. Der VUSR habe dagegen unter anderem für eine klarere Abgrenzung zwischen Pauschalreise und Einzelleistung sowie eindeutige Verantwortlichkeiten plädiert.
Karimis Schlussfolgerung will über den Einzelfall hinausreichen. Die Branche müsse dort gemeinsame Positionen entwickeln, wo Interessen übereinstimmten, und den Konflikt um unterschiedliche Positionen offen austragen, wo dies nicht der Fall sei. Persönliche Befindlichkeiten dürften Sacharbeit nicht blockieren. Angesichts wachsender internationaler Konkurrenz und zunehmender Regulierung aus Brüssel brauche die deutsche Touristik mehr Kooperation und politische Durchsetzungskraft.
Christian Schmicke