Ist der Handelsvertreterstatus noch zeitgemäß?
Auf der gerade beendeten Best-Jahrestagung präsentierte die Reisebürokooperation eine Umfrage zum Thema Handelsvertreterstatus. Obschon eine große Mehrheit der Mitglieder den aktuellen Status für unverzichtbar hält, wird auch klar: Angst haben die Reisebüros nicht vor mehr Eigenverantwortung. "Das eine tun, das andere nicht lassen", nennt es Aufsichtsratschef Holger Crone (rechts).
Reise vor9/ML
Best-Reisen-Vorstand Frank Winkler (li.) und Aufsichtsratsvorsitzender Holger Crone (re.) während der Jahrestagung auf dem Schiff Vasco da Gama von Nicko Cruises
Der Handelsvertreterstatus bleibt für die meisten Best-Reisen-Büros zentral. In einer Umfrage unter knapp 200 Reisebüro-Unternehmern Anfang September bezeichneten ihn mehr als 80 Prozent als unverzichtbar oder sehr wichtig. Auch in den kommenden fünf Jahren sehen die meisten Befragten das klassische Veranstaltergeschäft als wirtschaftliche Basis. Doch das Geschäft mit Einzelleistungen und Eigenveranstaltungen nimmt seit Jahren zu. Deshalb sieht Best-Vorstand Frank Winkler auch eine Veränderung: "Es gibt im Grunde schon ein hybrides Modell, innerhalb dessen viele Reisebüros arbeiten."
Und genau das macht VUSR-Vorständin Marija Linnhoff Sorgen: "Die Reisebüros heute sind doch gar keine echten Handelsvertreter mehr. Juristisch ist das heikel. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen passen nicht mehr zum Arbeitsmodell vieler Reisebüros." Ihre Kritik: Nicht das hybride Modell ist das Problem, sondern die nicht dazu passende Gesetzeslage. Sie hat Sorge, dass viele kleine, unflexible Büros auf der Strecke bleiben, wenn ein entsprechendes Urteil gegen den Handelsvertreterstatus fallen würde.
Ist das Aida-Urteil der Anfang vom Ende?
Das steht zwar nicht ins Haus, aber das jüngste Urteil im Streit zwischen Aida und Sparkassen-Dienstleister S-Markt & Mehrwert geht genau in diese Richtung. Zur Erinnerung: Im Mai hatte das OLG Düsseldorf entschieden, dass Reisevermittler Teile ihrer Provision als Rabatt, Cashback oder Bonus an Kunden weitergeben dürfen. Aida hatte dies in seinen Agenturverträgen untersagt und S-Markt wegen solcher Rückvergütungen gekündigt. Das OLG erklärte das Verbot für kartellrechtswidrig und die darauf gestützte Kündigung für unwirksam. Denn es stufte S-Markt nicht als vollständig in Aida eingebundenen, sondern als wirtschaftlich eigenständigen Vermittler, als "unechten" Handelsvertreter ein, der Reisen verschiedener Anbieter verkauft.
DRV-Präsident Albin Loidl stellte während der Best-Tagung, die auf der Vasco da Gama von Nicko Cruises stattfand, wie schon in den vergangenen Monaten, klar, dass dem Verband der Handelsvertreterstatus wichtig sei: "Wir halten an dem Handelsvertreterstatus fest." Der wirtschaftliche Druck, unter anderem durch Krisen und große Marktplayer auf die Büros, vor allem die kleineren, nähme massiv zu. Mit einer unternehmerisch ungeschützten Vermittlerposition käme für viele Büros das Aus. "Aber ein Ausbau der hybriden Modelle ist ja durchaus wünschenswert", räumt Loidl ein.
Auch der bei der Tagung anwesende BTW-Generalsekretär Sven Liebert ist für eine klare Regelung, allerdings weder in die eine noch die andere Richtung. Nur eins ist ihm wichtig: "Wir fragen uns, was die Unternehmer an klaren juristischen Vorgaben benötigen, um keinen Nachteil zu haben?"
Wie viel Cashback darf's denn sein?
Würde der Handelsvertreterstatus gekippt, wäre das unternehmerische Risiko für viele Reisebüros, die dann teils in Vor- und Eigenleistung für die Reiseleistungen gehen müssten, groß. Der Trend, dass Reisebüros schließen, würde sich verstärken, ist VUSR-Chefin Linnhoff sicher: "Die unternehmerische Freiheit für die Reisebüros würde zunehmen", kommentiert sie. "Aber durch die Skaleneffekte würden OTAs eine noch viel größere Marktmacht erhalten."
Auch zum Thema Cashback hatte die Zentrale ihre Mitglieder mithilfe des Tools Best-Compass abgefragt. Rabatte und Cashback spielen bei Best-Reisebüros bislang nur eine geringe Rolle. 85 Prozent der befragten Reisebüros werden selten oder nie nach Rabatten gefragt, auch Cashback ist nur vereinzelt Thema. Die Büros setzen stattdessen auf Beratung, Erreichbarkeit und Unterstützung vor und während der Reise, um den Preis zu rechtfertigen. Best-Reisen-Vorstand Frank Winkler sieht daher kein flächendeckendes Problem, wohl aber Unterstützungsbedarf bei Büros mit stärkerem Wettbewerbsdruck.
Magdalena Laßmann