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3. Januar 2026 | 14:22 Uhr
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Was die Touristik 2026 beschäftigen wird

Geopolitische Konflikte werden auch im neuen Jahr die Reisenachfrage beeinflussen; zugleich werden die Preisanstiege der letzten Jahre zu weiteren Nachfrageverlagerungen führen. Spannend bleibt es auch innerhalb der Branche selbst, sowohl personell als auch mit Blick auf die Rahmenbedingungen für die Akteure.

2026

Goldenes Jahr? Nicht jeder blickt so optimistisch auf 2026

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen", lautet ein alter Spruch. In der Tat: Der Blick in die Glaskugel birgt ein hohes Risiko, danebenzuliegen. So hätten Anfang 2025 wohl nur wenige mit dem atemberaubenden Tempo der Rupturen gerechnet, die Donald Trumps erneute US-Präsidentschaft nicht nur auf die USA, sondern auf weite Teile der Welt haben würden. Manches, was zuvor als ausgemachter Blödsinn in die Papiertonne befördert worden wäre, entpuppte sich als bitterer Ernst. Nicht nur Kanada, Mexiko oder Grönland wissen ein Lied davon zu singen. Mit Blick etwa auf die aktuellen Geschehnisse in Venezuela ist es unwahrscheinlich, dass Trump es künftig bei polternden Drohungen bewenden lässt, ohne wirklich aktiv zu werden.

Den Reiseverkehr in die USA haben diese Entwicklungen bereits 2025 belastet – nicht zuletzt aufgrund schärferer Einreisebedingungen und die Entsendung der Nationalgarde und der Truppe des Heimatschutzministeriums, ICE, um in angeblich von hoher Kriminalität belasteten US-Metropolen aufzuräumen. Wie sich Trumps erratische Zollpolitik künftig auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Konfliktregionen Ukraine und Nahost

Doch nicht nur jenseits des Atlantiks, auch in der – aus europäischer Sicht anderen Richtung ist weiterhin einiges los. Der russische Krieg gegen die Ukraine hält unvermindert an, sorgt für Verschiebungen von Flugrouten und verstärkte Sicherheitssorgen unter den osteuropäischen Nachbarn. Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht, obwohl sich Europäer, Ukraine und die USA immer wieder zu verständigen versuchen – nur leider, ohne die Rechnung mit dem Aggressor gemacht zu haben.

Immerhin ein bisschen Entspannung in zuletzt mit der, wenn auch brüchigen und unvollständigen Waffenruhe in den Gaza-Konflikt gekommen, wenngleich auch dieser unter den aktuellen Vorzeichen noch meilenweit vom Ansatz einer Lösung entfernt. Ob sich die Region nicht erneut zum Pulverfass entwickelt, ist auch angesichts der wachsenden Spannungen in und um den Iran keineswegs ausgemacht.

Politische Weichenstellungen in Deutschland

Da ist es geradezu beschaulich, sich um das tourismuspolitische Alltagsgeschehen hierzulande zu kümmern. Politisch hat die aktuelle Bundesregierung der Branche mit der Rücknahme der Erhöhung der Steuer auf Flugtickets und der Senkung des Mehrwertsteuersatzes zuletzt einige Zugeständnisse gemacht und auch bei der viel diskutierten Novelle der Pauschalreiserichtlinie sieht es so aus, als hätten sich die schlimmsten Branchenbefürchtungen in puncto Regulierung nicht bewahrheitet. Zudem dürfte in nicht allzu ferner Zukunft eine erneute Senkung der Beiträge zum Reisesicherungsfonds DRSF in Aussicht stehen – wenn es nicht gleich zu einer Neubewertung der Sicherheitsleistungen kommt. Das verschafft Veranstaltern Spielräume, die sie gut gebrauchen können.

Denn für die Reiseindustrie stehen von den Veranstaltern über den Vertrieb bis zur Hotellerie kräftige Investitionen an – vor allem in die Nutzung künstlicher Intelligenz. Keine Tagung, kein Kongress verging in den vergangenen Monaten, ohne dass das Thema im Mittelpunkt gestanden hätte, und klar ist: Es geht nicht mehr weg. Spannend bleibt die Frage, welche Akteure künftig die Nase vorn haben.

Bewegung bei den Konzernen

Auch in den Unternehmen selbst ist einiges geboten. Marktführer TUI treibt die Entwicklung vom veranstaltergetriebenen Touristikunternehmen zum "globalen Freizeitkonzern" voran, der die Kraft seiner Marke neben Pauschalreisen, Kreuzfahrten, Hotelübernachtungen zunehmend für Events, Ausflüge und anderes nutzen will. Beispiele sind etwa Kooperationen mit dem Autohersteller Smart und dem Textilunternehmen Hummel.

Die Dertour Group ist eifrig mit der Umsetzung der Übernahme der Schweizer Hotelplan Group und deren technischer, personeller und markentechnischer Integration beschäftigt. Bei der jüngsten Personalrochade wurden mit dem IT-Spezialisten Boris Raoul und dem Vertriebsexperten Georg Welbers – letzterer von Alltours kommend – zwei neue Gesichter vorgestellt, während vom Veranstalter Ingo Burmester als deren CEO zur gruppeneigenen Hotellerie geschickt wurde und Mark Tantz künftig vorwiegend beratend und für Belange des Konzerns im DRV zuständig sein soll.

Ob und in welchem Umfang in der künftigen Dertour-Organisation alle heutigen Marken Bestand haben und wie es dann um die personelle Aufstellung bestellt ist, dürfte nicht nur in der Schweiz interessiert beobachtet werden.

Auch Nummer drei und vier in Aktion

Der bevorstehende Wechsel des Noch-Vertriebsgeschäftsführer Welbers von Alltours bringt auch für den Düsseldorfer Veranstalter personelle Veränderungen mit sich. Firmenchef Willi Verhuven holt bekanntlich Dennis Schrahe als Hauptgeschäftsführer für Alltours Flugreisen, Byebye und die Reisecenter-Alltours-Kette ins Unternehmen. Schrahe kennt das Unternehmen vor dem Start in seine anspruchsvolle Aufgabe bereits aus der Vergangenheit. Zwischen 2001 und 2005 verantwortete er dort das Revenue Management.

Bei Schauinsland kündigte sich Ende November eine faustdicke Überraschung an, denn der Veranstalter stellt die Führungsstruktur grundlegend um. Erst im Juli 2024 war Steffen Kassner (links) von seinem Vater Gerald Kassner (rechts) in die Geschäftsführung berufen worden. Nun wechseln beide 2026 in einen neu zu gründenden Beirat. Mit Markus Förster und Detlef Schroer werden zwei langjährige Manager sofort in die Geschäftsführung berufen, in diesem Jahr soll zudem ein externer CEO kommen.

Bleibt Last-Minute der Rettungsanker?

Was die Erwartungen der großen Akteure an den Geschäftsverlauf dieses Jahres betrifft, so schwanken sie wohl zwischen Hoffen und Bangen. Denn die Sommersaison 2025 war nur auf Kosten ausgedehnter Last-Minute-Angebote zu retten, nachdem sich mit dem Auslaufen der Last-Minute-Phase ein kräftiger Nachfragerückgang eingestellt hatte. In diesem Jahr, so hoffen sie von TUI bis Alltours, soll es anders laufen. Aufwendig gefahrene Frühbucherkampagnen sollen den Last-Minute-Boom des vergangenen Jahres überflüssig machen.

Abzuwarten bleibt auch, wie sich in diesem Jahr die Nachfrage nach den wichtigsten Reisezielen verteilt. Drehen die türkischen Hoteliers weiter an der Preisschraube? Verteilt sich dann ein noch größerer Teil der Kundschaft auf als preisgünstig geltende Ziele wie Ägypten, Tunesien und Bulgarien? Und nicht zuletzt: Wie positionieren sich Portugal, Griechenland und Spanien? Gerade bei den Iberern wuchsen zuletzt die Befürchtungen, dass sich das beständig steigende Preisniveau zusammen mit einer tourismusskeptischen Einstellung der Bevölkerung in wichtigen spanischen Destinationen irgendwann negativ auswirken könnte.

Christian Schmicke

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