Tägliche News für die Travel Industry

20. Januar 2020 | 07:00 Uhr
Teilen
Mailen

Wie Anex Tour in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben will

Seit gut einem Jahr im Amt, will Murat Kızılsaç (Foto) den deutschen Ableger von Anex Tour in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen führen und hat dafür die Einkaufspolitik des Unternehmens gestrafft. Auch die Zukäufe Öger und Bucher sollen ihre Rentabilität schnell unter Beweis stellen.

Kızılsaç Murat
Anzeige
Disney

Themenwoche DISNEY in Counter vor9

Walt Disney World feiert 50. Geburtstag. Es wurde viel umgebaut, es gibt neue Attraktionen – für alle Disney-Fans ist Orlando schon deshalb ein Traumziel. Was Reisebüros darüber wissen müssen, erfahren Sie hier. Jetzt beim Gewinnspiel mitmachen und Goodies gewinnen! Eine Themenwoche in Counter vor9 rückt auch Ihre Destination in den Mittelpunkt.

Murat Kızılsaç ist viel unterwegs. Der 1971 in Istanbul geborene Chef von Anex Tour Europe und Orex Travel –  darunter versteht das Unternehmen sämtliche Quellmärkte westlich von Russland und der Ukraine – verbringt drei Tage der Woche in Düsseldorf und mindestens zwei weitere in der Niederlassung in Prag. Und natürlich lebt er daneben noch in seiner Heimatstadt am Bosporus. Während Anex Tour in Deutschland aktiv ist, firmiert die Gruppe in Tschechien, Slowenien, Polen und Ungarn unter der Marke Orex Travel.

Kızılsaç war Ende 2018 nach Deutschland geschickt worden, um das Veranstaltergeschäft in Ordnung zu bringen, wie er selbst sagt, nachdem sein Vorgänger Hakan Bakar im Geschäftsjahr 2017/18 mit rund 200.000 Kunden und rund 98 Millionen Euro Umsatz einen Verlust in Höhe von 34 Millionen Euro eingefahren hatte. Im kürzlich veröffentlichten Jahresabschluss heißt es dazu, eine "fehlerhafte Einkaufspolitik" und die "zum Teil bewusst vorgesehene aggressive Preispolitik, die den Bekanntheitsgrad unserer Gesellschaft erhöhen sollte", habe dazu geführt, dass Anex Tour "Produkte billiger als geplant verkaufen" musste, um das Kapazitätsrisiko zu reduzieren. Zudem erwies sich der Plan als falsch, die hauseigene Azur Air mit ihrem großen Fluggerät und nur zwei Maschinen auch hierzulande einzusetzen.

Neue Einkaufspolitik

Doch das sei Schnee von gestern, sagt Kızılsaç im Gespräch mit Reise vor9. Im Geschäftsjahr 2018/9 habe Anex Tour den Einkauf von Hotel- und Flugkapazitäten optimiert und dabei zugunsten der Marge bewusst auf Marktanteile verzichtet. Am Ende stehe immer noch ein kleiner Verlust in den Büchern, aber in diesem Jahr werde das Unternehmen auch im deutschen Markt schwarze Zahlen schreiben. Marge gehe dabei vor Marktanteilen, betont Kızılsaç: "Wir verkaufen nichts, womit wir kein Geld verdienen."

Dazu sollen auch die Zukäufe Öger Tours und Bucher Reisen beitragen. Die 84 Mitarbeiter an den Standorten in Meerbusch und Hamburg haben ihr Comeback in Rekordzeit umgesetzt und sind seit der vergangenen Woche wieder buchbar. Technische Basis ist das Bucher-Reservierungssystem Phönix, das auch Öger Tours anstelle des vor der Cook-Pleite verwendeten Neckermann-Systems Nurvis nutzt. Ende des Jahres werde man dann entscheiden, ob Phönix oder das Anex-System Blank besser performe, so Kızılsaç.

Eigenes Profil für Öger und Bucher

Gestartet sind Öger und Bucher nun notgedrungen im wesentlichen mit dem Produkt von Anex Tour – ein eigenes Produkt auf die Beine zu stellen, sei so schnell nicht machbar, erläutert Kızılsaç. Doch im Verlauf des Jahres soll der Hoteleinkauf stärker differenziert werden. Auch im Vertrieb soll zunächst das bestehende Anex-Agenturnetz die Basis bilden.

Dass Kızılsaç, der nach dem Weggang von Songül Göktas-Rosati auf den erfahrenen Touristiker Dierk Berlinghoff als Leiter von Öger Tours setzt, gemeinsam mit Bucher-Geschäftsführer Michael Gisbertz eine Menge verlorenes Vertrauen bei Hoteliers und Vertriebspartnern zurückerobern muss, ist dem türkischen Touristikprofi klar. Immerhin kann er versichern. "Unsere Zahlungskonditionen und unsere Zahlungsmoral unterscheiden sich deutlich von der von Thomas Cook." Es wird spannend sein, zu beobachten, ob sich die Partner, denen jüngst durch den Fall von Thomas Cook erhebliche Einnahmen entgangen und zum Teil obendrein hohe Kosten entstanden sind, damit zufriedengeben. Hilfreich könnte dabei sein, dass die Umsätze mit Öger und Bucher für die Berechnung der Provision in einen gemeinsamen Topf mit Anex Tour fließen.

Kein fertiges Konzept für Neckermann

Mit Planzahlen für den Start von Öger und Bucher hält sich Kızılsaç noch zurück. Klar sei allerdings, dass beide Standorte erhalten bleiben sollen. Wenig konkret sind indes noch die Pläne mit der Marke Neckermann, für die Anex Tour die Markenrechte erworben hat. "Wir haben noch kein fertiges Konzept in der Schublade", räumt Kızılsaç unumwunden ein. Offenbar war es vor allem die einstmals große Marke zum kleinen Preis, die Anex-Boss Neşet Koçkar zum Kauf bewogen haben, nachdem sein ursprünglicher Plan, bei der Rettung von Thomas Cook ein entscheidendes Wörtchen mitzureden, gescheitert war.

Christian Schmicke

Anzeige Reise vor9