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20. März 2020 | 14:39 Uhr
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Wie die Reisebranche nach der Corona-Krise aussehen könnte

Während die meisten Unternehmen angesichts des nahezu vollständigen Stopps aller Reiseaktivitäten vollauf mit kurzfristigen Maßnahmen beschäftigt sind, denken einige intensiv über die Zeit nach der Krise nach. Eine Rückkehr zur früheren Normalität halten die Experten für unwahrscheinlich.

Corona-Sperrgebiet

Nach der Corona-Krise wird die Reisewirtschaft nicht mehr dieselbe sein

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Der Einbruch ist dramatisch. Nach Zahlen des Flughafenverbandes ADV, die der "Spiegel" zitiert, reisten zwischen dem 9. und 15. März weniger 2,4 Millionen Passagiere über deutsche Flughäfen – in der Vergleichswoche im vergangenen Jahr waren es knapp 4,3 Millionen. In diesen Zahlen enthalten sind, wie wohl auch in den nächsten Tagen, viele Rückkehrer aus dem Ausland. Und es ist klar, dass die Zahl der Reisenden weiter sinken und sich in Richtung Null bewegen wird.

Alistair Pritchard, Tourismusexperte beim weltweit operierenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte, geht davon aus, dass sich der Reiseverkehr zwar erholen, aber nach der Corona-Krise ein anderes Gesicht zeigen wird. Vor allem der Geschäftsreisesektor werde schrumpfen, zitiert ihn das britische Fachportal "Travel Weekly“. Auch für den Fernreisesektor sieht Pritchard Einbußen voraus. Vor besonderen Herausforderungen stehe zudem die Kreuzfahrtbranche, die im Zuge der Corona-Krise besonders in den Mittelpunkt medialer Aufmerksamkeit geraten sei.

Lufthansa wird schrumpfen

Ganz ähnlich wertet ein Praktiker die Zukunftsperspektiven. Denn auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr stellt sich auf einen höheren Anteil von Urlaubern und weniger Geschäftsreisende unter seiner Kundschaft ein. „Das Reiseverhalten wird sich ändern“, zitiert ihn die "Wirtschaftswoche". Manager könnten künftig vermehrt Videokonferenzen statt Flugtickets buchen. Das Privatreisesegment werde dagegen stabiler bleiben, vermutet Spohr. Eine Rückkehr zum "Normalzustand vor der Krise" werde es nicht geben.

Auch Lufthansa werde im Zuge der Krise schrumpfen, kündigt Spohr an. Der Konzern arbeitet derzeit mit drei Szenarien zur Corona-Krise. Das günstigste geht von einer dreimonatigen Krise aus, das pessimistischste von zwölf Monaten. Doch egal, welches Szenario eintreffen werde: "Die Weltwirtschaft wird anders aussehen als heute, und wir werden eine kleinere Lufthansa haben", sagt der CEO.

Neue Flieger überflüssig

Das hat Auswirkungen auf die Flotte. "Wir sollten dieses Jahr alle zwei Wochen ein Flugzeug bekommen, doch wir brauchen keines", erklärte Spohr am Donnerstag. In Summe könnte der Abbau bis zu 70 Maschinen betreffen, mutmaßt die "Wirtschaftswoche". Das werde auch Folgen für die Personalpolitik haben. Denn wenn der Flugbetrieb um ein Zehntel schrumpfe, würden "ein paar Tausend weniger Flugbegleiter und Piloten gebraucht".

Christian Schmicke

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