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8. Februar 2019 | 15:26 Uhr
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Wie Mietwagenbroker Sunny Cars Marktturbulenzen

Das Produkt ist ­– na ja, sagen wir mal, nützlich, aber meist unspektakulär. Auf seine Gestaltung hat der Anbieter, von dem hier die Rede ist, nur begrenzten Einfluss. Schließlich baut er weder Autos, noch kauft oder least er wenigstens selbst welche. Und dennoch könnte Sunny Cars in der Rubrik "Wo in der Touristik noch Geld zu verdienen ist" ziemlich weit vorne liegen.

Zwar spricht Unternehmensgründer Kai Sannwald nicht gerne über Gewinn. Es gebe nur eine eiserne Regel, sagt er: Investitionen müssten ohne die Hilfe von Banken aus dem operativen Cashflow zu stemmen sein. Das dürfte er, wenn man die letzten veröffentlichten Bilanzen zugrunde legt, nach wie vor locker schaffen. Für das Geschäftsjahr 2016/17 veröffentlichte Sunny Cars einen Gewinn von knapp 9,8 Millionen Euro bei Umsatzerlösen in Höhe von 70 Millionen Euro. Und mit den Erträgen ging es im vergangenen Jahr weiter bergauf. Jedenfalls stieg die Zahl der Buchungen von 770.000 auf 833.000, also um gut acht Prozent.

Kräftig investiert

Allerdings, so sagt Sannwald, habe Sunny Cars im vergangenen Jahr auch kräftig investiert ­– sowohl ins Produkt als auch in "innere Werte" wie die Firmenzentrale und die Mitarbeiter. Letztere erhalten seit Mitte vergangenen Jahres neben dem vorher schon garantierten 13. Gehalt und einer Erfolgsbeteiligung auch eine Zusatzkranken- und Unfallversicherung, sowie eine Betriebsrente. Insgesamt koste die intern als "Sunny Care-Package" etikettierte Maßnahme in Sachen "Employer Branding" einen siebenstelligen Betrag, so Geschäftsführer Thorsten Lehmann. Die Investition lohne sich, ist er dennoch sicher. Denn um gute Mitarbeiter an einem Standort mit hohen Lebenshaltungskosten wie München dauerhaft zu binden, bedürfe es eben attraktiver Konditionen.

Für die 2019 sind die Prognosen der Sunny-Cars-Chefs eher verhalten. Das liegt angesichts der Rahmenbedingungen durchaus nahe. Die aktuelle Buchungszurückhaltung, die den Veranstaltern Sorgenfalten in die Stirn treibt, geht eben auch an einem Anbieter von Ferienautos nicht spurlos vorbei. Und so ist Sannwald mit Buchungseingängen auf dem Vorjahresniveau und einem Umsatzplus von 1,5 Prozent für die ersten drei Monate des neuen Geschäftsjahres auch nicht unzufrieden.

Dennoch: Die Verlagerung der Reiseströme weg von traditionell starken Mietwagendestinationen wie Spanien und hin zu Zielen wie der Türkei und Ägypten werde seine Spuren hinterlassen, ist Sannwald sicher. Sich darauf zu verlassen, dass das Geschäft in den schwächelnden Destinationen schon noch anziehen werde, sei riskant.

Teure Qualitätsversprechen

Deshalb will er ungeachtet des schwierigen Marktumfelds weiter Gas geben. Dabei gehe es für Sunny Cars vor allem darum, den Kunden von der Buchung über die Mietwagenübernahme bis hin zur Rückgabe und der Lösung möglicher Probleme alles so leicht wie möglich zu machen, sagt der Sunny-Cars-Chef. Das ist mitunter teuer. Allein das Versprechen, die Selbstbeteiligung bei Fahrzeugschäden zu erstatten, habe 2018 in rund 15.000 Fällen eingelöst werden müssen. Die ihrerseits unter Druck stehenden Autovermieter seien dabei keinesfalls immer kulante Partner.

Eine Abkehr von der Qualitätsstrategie komme gleichwohl nicht in Frage, versichert Sannwald. Und auch die ebenfalls nicht ganz billige Entscheidung, die Kundengelder gegen mögliche Pleiten von Autrovermietern abzusichern, sei richtig. Im laufenden Jahr steht nun einerseits die Einführung einer Vorab-Registrierung zur Erleichterung der Fahrzeug-Übernahme und andererseits die Möglichkeit, Mietwagen-Voucher in mobile Applikationen wie „Apple Wallet“ zu laden, im Mittelpunkt. Ersteres soll demnächst bei jedem zweiten Anbieter aus dem Sunny-Cars-Portfolio möglich sein. Die mobile Lösung werde derzeit auf den Balearen, den Kanaren und in Südafrika getestet, berichtet Lehmann.

Dass 2019 ein anstrengendes Jahr wird, ist den Sunny-Cars-Chefs bei allem Innovationsgeist klar. Angesichts der soliden wirtschaftlichen Basis ihres Geschäftsmodells sind Sannwald und Lehmann gleichwohl sicher, dass ihr Unternehmen auch in einem deutlich rückläufigen Gesamtmarkt, wie es ihn zuletzt im Jahr 2009 im Gefolge der Finanzkrise gab, ohne Schaden bleibt.

Christian Schmicke

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