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18. Dezember 2020 | 15:27 Uhr
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Wie Reiseprofis die Zukunft der Branche sehen

Ein Untergangsszenario sei unwahrscheinlich, aber auch die Wiederherstellung bisheriger Strukturen werde es wohl nicht geben, glaubt die Mehrheit der 600 Branchenvertreter, die der Travel Industry Club nach den Perspektiven für 2025 befragt hat.

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Die Tourismusbranche stehe vor einem Aufbruch, der vor allem durch die derzeitigen Marktteilnehmer getragen werde, heißt es in der Auswertung der Umfrage durch die Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner. Eine "Selbsterneuerung" der Branche gelte als wahrscheinlichstes Szenario. Aber auch die "Revolution", als umfassender Umbruch bestehender Strukturen sowie ein zunehmender Verdrängungswettbewerb durch Online-Plattformen, würden aus Sicht der Branche massiv die Zukunft bestimmen.

Der Glaube an die Veränderung zeige sich bereichsübergreifend, wobei insbesondere Vertreter aus IT- und datenorientierten Unternehmen überdurchschnittlich stark an die Szenarien "Selbsterneuerung" und "Revolution“ glaubten, analysieren die Berater. Reiseveranstalter sähen sich in einem Verdrängungswettbewerb.

Junge Touristiker glauben an Umwälzungen

Vor allem im Vergleich zum oberen Management rechneten jüngere Touristiker eher mit einer "Revolution“ und erwarteten eine strukturelle Neuausrichtung der Branche, so die Analyse. Insgesamt werde deutlich: Sobald möglich, werden die Kunden wieder reisen – auch international. Im Jahr 2025 bestimmten Digitalisierung, Flexibilität und Nachhaltigkeit das Kundenverhalten.

Bestehende Marktteilnehmer – ob in aktuellen oder neuen Unternehmensformen - würden auch weiterhin das Bild prägen, sofern sie es schafften, effiziente digitale Prozesse aufzusetzen, die Produktivität zu steigern und die Sortimente um neue, kundenzentrierte Angebotsformen zu ergänzen, glauben die Branchenexperten. Andernfalls könnten sie im Wettbewerb mit in den Markt drängenden, digitalen Plattform- und innovativen Nischenanbietern nicht bestehen.

Bedeutung solider Kapitalstrukturen wird deutlich

Eine Grundvoraussetzung bilde die Optimierung und zukunftsfähige Ausrichtung von Kapitalstrukturen und Finanzierungsmodellen, heißt es weiter. Geringe Innovationsfähigkeit verbunden mit Kapitalschwäche werde zum Aus für eine Reihe von Unternehmen führen. Aufgrund eines sich verschärfenden Fachkräftemangels gehe es im Wettkampf zwischen bestehenden Akteuren und neuen Playern nicht nur um die Gunst der Kunden, sondern auch um die Gunst qualifizierter Mitarbeiter.

Um die Zukunft der Tourismusbranche auch nach der Krise zu sichern, sei die Unterstützung der Politik, unter anderem in Form von Kompensations- und Fördermaßnahmen sowie in der Überarbeitung von Pauschalreiserichtlinie und Insolvenzabsicherung, gefragt. Deutlich werde jedoch auch, dass derzeit nicht ausschließlich die Politik gefordert sei, um die Krise zu überwinden und die Zukunft der Tourismusbranche zu prägen, glauben die Touristiker. Vielmehr sollte jeder Betrieb die derzeitige Krisensituation und die zur Verfügung stehenden Mittel bestmöglich nutzen, um sich zukunftsfähig aufzustellen und Innovation sowie digitale, effiziente Prozesse voranzutreiben.

Insgesamt konstatiert die TIC-Umfrage im Hinblick auf die Zukunft eine "konstruktive Aufbruchstimmung in der Tourismusbranche“. Nun gelte es, diese Stimmung zu nutzen und sich für Herausforderungen der kommenden Jahre zu rüsten.

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