Wie Riu nach neuen Standorten für Stadthotels sucht
Riu-Chef Luis Riu (Foto) hat in einem Blog seine Strategie für die Suche nach neuen Standorten für die Stadthotelmarke Riu Plaza erläutert. Er suche sie nicht nach einer festen Formel aus, sondern prüfe jedes Projekt einzeln. Nur jede 20. der analysierten Möglichkeiten werde umgesetzt.
Riu Hotels & Resorts
Für Luis Riu ist die Auswahl neuer Hotelstandorte "Handarbeit"
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Riu beschreibt die Expansion der Stadthotelmarke Riu Plaza als Handarbeit. Eine schnelle mathematische Formel gebe es nicht, schreibt der CEO von Riu Hotels & Resorts. Die Gruppe arbeite sich „von Hotel zu Hotel“ vor. Jedes Vorhaben werde genau geprüft, nur rund fünf Prozent der analysierten Möglichkeiten würden am Ende umgesetzt.
Das Beispiel London zeige, wie diese Strategie funktioniere, so Riu. Seit Juli 2023 ist Riu dort mit dem Riu Plaza London Victoria vertreten. Das Haus entstand aus einem ehemaligen Bürogebäude neben der Victoria Station. Riu war überzeugt, dass sich der Aufwand lohnen würde. Die Zahlen hätten dies schnell bestätigt, berichtet er.
Ein Jahr reicht nicht zur Bewertung
Für die Entscheidung über weitere Investitionen wartet Riu nach seiner Aussage zunächst die Entwicklung eines Hotels ab. Es bedürfe mindestens eines vollen Jahres, um Nachfrage und Preise in Haupt- und Nebensaison zu bewerten. Noch besser seien eineinhalb Jahre, weil sich dann auch Trends im Folgejahr erkennen ließen.
Beim Riu Plaza London Victoria fielen die Ergebnisse so aus, dass Riu nach einem zweiten Haus suchte. London sei ein stark nachgefragtes Ziel. Die bestehenden Zahlen hätten es erlaubt, dem ersten Hotel in der Stadt "ein Geschwisterchen" zur Seite zu stellen.
Soho fiel wegen Größe und Umbauaufwands aus
Die Suche blieb dennoch schwierig. Eine erste Gelegenheit in Soho scheiterte an der Größe, so der Riu-Chef. Die geprüften Gebäude hätten zusammen maximal rund 200 Zimmer ergeben. Das wäre für Riu zu klein gewesen. Zudem hätte das Haus wegen Lage und Größe in einer höheren Preisklasse gelegen als das Riu Plaza London Victoria. Damit hätte es nicht zum Geschäftsmodell gepasst und weniger Synergien gebracht.
Eine zweite Option nahe Soho war größer. Das Hotel hatte rund 700 Zimmer und erfüllte damit grundsätzlich die Anforderungen an Lage und Kapazität. Riu habe dennoch Abstand genommen, berichtet der Firmenchef. Der notwendige Umbau wäre zu komplex geworden, vor allem wegen der Aufzüge. Die Arbeiten hätten in die Bausubstanz eingegriffen.
Erst das Hotel The Westminster habe die Anforderungen erfüllt. Das Haus liegt näher an der Themse, umgeben von historischen Gebäuden und in der Nähe der britischen Geheimdienste MI5 und MI6. Die Dekoration greift deshalb das Thema Spionage auf. Das Gebäude wurde 2003 errichtet und 2021 umfassend renoviert, bevor es zur Curio Collection by Hilton kam.
Riu baut das Haus auf sein Modell um
Die Übernahme begann laut Riu unter hohem Zeitdruck. Am 8. Januar 2026 um 0:01 Uhr sei das Hilton-System abgeschaltet worden, anschließend erfolgte die Schlüsselübergabe. Riu habe zuvor keinen Zugriff auf das Hilton-System gehabt, berichtet der Firmenchef. Am Tag vor der Eröffnung wusste das Unternehmen laut Riu weder, wie viele Gäste im Haus waren, noch wie die künftigen Buchungen aussahen.
Rund 20 Fachkräfte aus Betrieb, Bar, Speisesaal, Küche, Vertrieb, Verwaltung, Zahlungseingang und HR übernahmen die Umstellung im laufenden Betrieb. Riu nennt sie das "A-Team des Hotelgewerbes". Der Wechsel sei ohne Beeinträchtigung für die Gäste gelungen.
Ganz fertig ist das Riu Plaza London The Westminster aus Sicht des Unternehmens noch nicht. Das Haus war bisher stark auf Geschäftsreisende ausgerichtet. Riu will es nun an das eigene Gästemodell anpassen. Geplant sind Familienzimmer mit Drei- und Viererbelegung, ein im Preis enthaltenes Frühstücksbuffet und eine Lobby-Bar mit Tages- und Abendservice.
Beherbergung statt Konferenzräumen
Dafür verschwinden die Konferenzräume. In Häusern mit begrenztem Platz sei es effizienter, das Angebot auf Beherbergung zu konzentrieren, schreibt Riu. Auch Parkplätze soll es künftig nicht mehr geben. Stattdessen entstehen Fahrradstellplätze für Gäste und Mitarbeiter. Riu verweist dabei auf die Nachhaltigkeitsziele Londons zur Verringerung von Autoverkehr und Emissionen.
Ob Riu in London ein drittes Hotel plant, lässt Luis Riu offen. Für eine abschließende Bewertung sei es noch zu früh. Die Kundenzufriedenheit sei aber sehr hoch, die Belegung gut. London sei wie New York eine Stadt, "die ständig unter Strom steht".
Christian Schmicke
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