News für die Reiseindustrie

Holidaycheck startet Nachhaltigkeitsranking für Hotels

Seit die EU-Richtlinie Empco pauschale Werbeaussagen wie „umweltfreundlich" oder „nachhaltig" ohne Nachweis verbietet, sucht die Branche nach neuen Wegen der Nachhaltigkeitskommunikation. Das Vermittlungsportal Holidaycheck setzt dabei neuerdings auf ein Instrument, das Fragen aufwirft: ein Hotelranking, das allein auf der subjektiven Wahrnehmung von Urlaubern beruht.

Das Bewertungsportal hat erstmals aus mehr als 113.000 Gästebewertungen ein Nachhaltigkeitsranking für Hotels erstellt und dieses öffentlich kommuniziert. Urlauber konnten seit November 2024 auf einer Skala von eins bis sechs bewerten, wie umweltfreundlich sie eine Unterkunft empfanden, ob regionale Produkte verwendet wurden und wie gut lokale Kultur vermittelt wird.

Doch das Ranking und die Methode werfen erhebliche Fragen auf. Denn was Gäste im Rahmen ihres Aufenthalts wahrnehmen, sind sichtbare Maßnahmen: Mehrwegbecher an Trinkstationen, Verzicht auf Portionsverpackungen, Hinweise zur Handtuchnutzung. Ob ein Hotel hingegen tatsächlich energieeffizient wirtschaftet, konsequent recycelt oder seine Lieferketten nachhaltig gestaltet, entzieht sich dem Urteil eines Urlaubers in aller Regel.

Ein Hotel, das geschickt sichtbare Symbole setzt, könnte im Ranking also perspektivisch besser abschneiden als ein Betrieb, der im Hintergrund substanzielle Investitionen in Klimaschutz tätigt. Holidaycheck selbst räumt ein, dass die Bewertungen „keine unabhängige Überprüfung objektiver Umweltstandards" darstellen. Aber warum dann das Ganze?

Können Gäste die Nachhaltigkeit eines Hotels wirklich bewerten?

Suzann Heinemann, Geschäftsführerin des Zertifizierungsanbieters Greensign, kann dem Ansatz dennoch etwas abgewinnen: „Holidaycheck bewertet die Wahrnehmung von Nachhaltigkeit durch Gäste, was grundsätzlich in Ordnung ist", erklärt sie gegenüber Hotel vor9. Beide Ansätze – Gästebewertung und Zertifizierung – könnten durchaus nebeneinander bestehen, auch wenn sie unterschiedliche Fragen beantworten. „Ein gutes Gästeranking ersetzt aber dennoch keinen belastbaren Nachhaltigkeitsnachweis", stellt Heinemann klar. „Umgekehrt sagt eine Zertifizierung nicht automatisch aus, wie Gäste die Nachhaltigkeitsmaßnahmen eines Hotels erleben."

Trotzdem sind Hoteliers derzeit mit einer paradoxen Situation konfrontiert: Wer nach Empco nicht mehr mit Nachhaltigkeit werben darf, soll nun über Gästebewertungen nachhaltig sichtbar werden. Ohne jedoch, dass die zugrunde liegende Leistung objektiv geprüft wurde. Heinemann regt deshalb an, dass Holidaycheck zusätzlich anerkannte Nachhaltigkeitszertifizierungen auf der Plattform abbilden solle, wie es andere OTAs und Reiseveranstalter bereits tun. Das würde Hoteliers, die in geprüfte Standards investieren, eine nachvollziehbare Sichtbarkeit verschaffen. Auch jenseits des Bauchgefühls ihrer Gäste.

Pascal Brückmann