Kritische Online-Bewertungen verschwinden oft aus dem Netz
Jeder Dritte, der in den vergangenen zwei Jahren eine Online-Bewertung abgegeben hat, erlebte laut einer Holidaycheck-Umfrage mindestens eine Löschung. Besonders häufig habe es kritische Rezensionen getroffen. Zwei Drittel der Betroffenen legten keinen Einspruch ein. Die negativen Folgen reichten bis zum Vertrauensverlust in Anbieter und Plattformen, so das Reiseportal.
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Die Online-Welt arbeitet überall mit Bewertungen, ob auf Reiseseiten, im Shop oder auf Social Media
Holidaycheck als Anwalt der Meinungsfreiheit – diesen Eindruck erweckt die aktuelle Umfrage im Auftrag des Reiseportals. Denn anders als in den Jahren zuvor geht es bei dieser Marktforschung nicht darum, das Problem der Fake-Bewertungen in den Griff zu bekommen. Diesmal geht es den Machern um den Erhalt eines echtes Stimmungsbildes, das Holidaycheck in Gefähr wähnt.
Vor allem Kritik verschwindet aus dem Netz
Rund 30 Prozent der Befragten, die in den vergangenen zwei Jahren selbst eine Online-Bewertung abgegeben haben, berichten von mindestens einer gelöschten Rezension. Bei zwölf Prozent kam dies laut der Umfrage mehrfach vor. Unter den verschwundenen Bewertungen seien 45 Prozent negativ oder überwiegend negativ, weitere 31 Prozent durchschnittlich und nur 16 Prozent positiv oder überwiegend positiv.
Eine wichtige Rolle spielt laut Holidaycheck dabei auch die Frage, ob eine bewertende Person tatsächlich Kunde oder Gast war. Anbieter könnten mit dem Argument jederzeit die Echtheit einer unwillkommenen Rezension bestreiten. Die Hälfte der Deutschen hat nach Erkenntnissen der Umfrage bereits davon gehört, dass Bewertungen auf diesem Weg zur Löschung gebracht werden können.
Das Löschen beschädigt Vertrauen
Die Folgen beschränkten sich nicht auf die einzelne Rezension, heißt es vom Reiseportal. Denn gut 30 Prozent der Betroffenen ärgerten sich über die Löschung, 27 Prozent fühlten sich ihrer Meinungsfreiheit beraubt. Je 26 Prozent gaben an, dem bewerteten Anbieter beziehungsweise der Plattform danach weniger zu vertrauen.
Auch die Bereitschaft, künftig überhaupt noch Bewertungen zu verfassen, leide, glaubt Holidaycheck. Allein das Wissen, dass eine Rezension auf Antrag eines Anbieters gelöscht werden könnte, würde 40 Prozent der Befragten davon abhalten, weiterhin Bewertungen abzugeben. Sogar eine Art vorauseilender Gehorsam könne beobachtet werden, denn 13 Prozent würden Kritik positiver formulieren, um nicht gelöscht zu werden. Fünf Prozent würden sogar ganz darauf verzichten ihre Meinung kundzutun.
65 Prozent der Betroffenen haben gegen keine ihrer Löschungen Einspruch eingelegt. Als häufigster Grund wurde der Aufwand genannt. Und 46 Prozent empfanden das Verfahren als zu umständlich, somit die Hürde zu hoch.
Holidaycheck bricht eine Lanze für die Meinungsfreiheit
Holidaycheck fordert im Rahmen der Ergebnisse künftig "transparente, nachvollziehbare Verfahren", welche Bewertungen warum gelöscht wurden. Kritische Erfahrungen gehörten zu einem glaubwürdigen Gesamtbild, argumentiert das Unternehmen. Zugleich verweist die Plattform darauf, gefälschte und manipulierte Bewertungen weiterhin prüfen und entfernen zu wollen.
Für die Umfrage wurden vom 14. bis 28. Juli in Deutschland insgesamt 1.200 Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren befragt. 730 von ihnen hatten in den beiden Jahren zuvor mindestens eine Online-Bewertung abgegeben.
Sabine Schreiber-Berger