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Reisebüro vermietet Arbeitsplätze an mobile Berater

Torsten Münch (Foto), Inhaber von Wert Reisen in Heidelberg, will freie Ladenfläche an selbstständige Reiseberater vermieten. Für 400 Euro im Monat erhalten sie einen Arbeitsplatz und können dort eigene Kunden empfangen, so die Idee, die der Touristiker von einem Friseur am Platz abgeschaut hat. Münch sieht das Modell als Experiment und Möglichkeit, vorhandene Reisebüroflächen besser zu nutzen.

Torsten Münch ist seit 30 Jahren in der Touristik und hat schon fast alle Seiten der Branche kennengelernt. In seiner Karriere war er neben der Arbeit am Counter auch als Reiseleiter und bei einem Veranstalter sowie in der Unternehmensberatung tätig. Er ist nach eigenen Angaben immer in Bewegung beziehungsweise offen für Neues, erzählt er im Gespräch mit Counter vor9.

Die Idee zum Co-Working-Space für Reiseprofis kam dem 50-jährigen Touristiker beim Blick auf einen großen Friseursalon gegenüber seinem Reisebüro in Heidelberg. Dessen Inhaber hatte freie Stühle an selbstständige Friseure vermietet, die dort auf eigene Rechnung arbeiten. "Der Laden war auf einmal viel voller und da habe ich gedacht: Das kannst du auch machen", erzählt er.

Platz dafür habe sein Ladenlokal Wert Reisen. Er selbst sei meist vor Ort und seine Angestellte in Vollzeit. Künftig könnten zwei selbstständige Reiseberater dort parallel arbeiten, so Münch. Neben Arbeitsplätzen steht ihnen auch eine neu gestaltete Lounge für Kundengespräche zur Verfügung. Der 50-Jährige hält gerade den neutralen Treffpunkt für einen Vorteil. Mobile Berater müssten Kunden weder zu Hause empfangen noch selbst zu ihnen fahren.

400 Euro im Monat ohne lange Bindung

Der Preis liegt bei 400 Euro monatlich und ist laut Münch als All-inclusive-Miete gedacht. Lange Vertragsbindungen will er zunächst nicht verlangen. "Für mich ist das auch ein Experiment", sagt er. Interessenten sollen das Modell ausprobieren können und wieder aussteigen, wenn es für sie nicht funktioniert. Dabei sind zwei Varianten möglich. Mobile Reiseberater können mit ihrem eigenen Laptop und ihren eigenen Buchungssystemen arbeiten. Wer keine eigene technische oder vertriebliche Anbindung hat, könnte auch über die bestehenden Agenturen von Wert Reisen buchen.

Am Preis ändere das nichts, die 400 Euro bleiben fix. Wer über die Agenturen des Büros bucht, soll laut Münch die volle Provision für seine Buchungen erhalten. Für sein Büro Wert Reisen könnten zusätzliche Umsätze zugleich helfen, höhere Provisionsstaffeln oder Zusatzvergütungen zu erreichen.

Wert Reisen Arbeitsplatz Foto Wert Reisen
Wert Reisen Arbeitsplatz Foto Wert Reisen© Wert Reisen

Mehr Leben im Laden und geringere Kosten

Die Vermietung soll nicht nur zusätzliche Einnahmen bringen. Münch erhofft sich auch mehr Frequenz und sichtbare Aktivität im Reisebüro. "Ich finde auch nach außen hin ist es ein super Bild, wenn auf einmal fünf Leute in dem Laden sitzen", sagt er. Zugleich ließen sich vorhandene Flächen besser auslasten.

Gerade für Büros mit hohen Mieten könne das Modell interessant sein. Münch selbst bezeichnet die Kostensenkung allerdings nicht als Hauptmotiv. Ihm gehe es auch darum, selbstständigen Beratern eine professionelle Umgebung für persönliche Kundentermine zu bieten und damit den stationären Vertrieb zu stärken. Vielleicht diene das Modell ja als Idee für Nachahmer, so seine Hoffnung, denn die Branche müsse besser zusammenarbeiten.

Bislang befindet sich das Konzept laut Reisebüroinhaber noch in den Kinderschuhen, denn er habe es bisher nur in einer Reisebürogruppe auf Facebook vorgestellt. Das Feedback zeige ein Grundinteresse, konkrete Nutzer gebe es aber noch nicht. Mehr Werbung, vor allem auf lokaler Ebene, sei in Arbeit. Er gehe die Sache ganz entspannt an und verweist auf sein Credo "alles bewegt sich, alles wandelt sich und das ist gut so."

Sabine Schreiber-Berger