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28. Juli 2026 | 15:14 Uhr
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SAF – Hoffnungsträger oder "Luftschloss"?

Wie nachhaltig sind Sustainable Aviation Fuels (SAF), was können sie bei der Dekarbonisierung des Flugverkehrs leisten und wie weit ist die Branche auf diesem Weg? Damit beschäftigt sich ein Gastbeitrag der Nachhaltigkeitsinitiative Futouris.

Lufthansa SAF

Noch steckt die SAF-Produktion in den Kinderschuhen

SAF sind Flugkraftstoffe, die nicht aus fossilem Erdöl, sondern aus erneuerbaren oder recycelten Rohstoffen hergestellt werden. Die Emissionseinsparungen über den gesamten Lebenszyklus liegen je nach Herstellungsweg zwischen 50 und 95 Prozent.

Man unterscheidet zwei Hauptarten: biobasierte SAF, die aus pflanzlichen oder biogenen Reststoffen hergestellt werden, und synthetische SAF (E-SAF), die mithilfe von Wasserstoff und CO2 erzeugt werden.

Biobasierte Kraftstoffe – heute schon verfügbar

Biobasierte SAF, etwa aus gebrauchten Speiseölen oder tierischen Fetten, sind die einzige Variante, die derzeit in nennenswertem Umfang produziert wird. Sie können als Drop-in-Kraftstoff fossilem Kerosin beigemischt werden. Derzeit ist eine Beimischung bis zu 50 Prozent erlaubt.

Langfristig sind die verfügbaren Rohstoffe jedoch begrenzt. Fortgeschrittene biobasierte Verfahren auf der Basis von Abfällen aus Land- und Forstwirtschaft gelten als nachhaltiger, befinden sich aber noch im Aufbau.

Synthetisches Kerosin – große Wirkung, große Hürden

Synthetisches SAF (E-SAF) gilt als Zukunftstechnologie. Es wird aus Wasserstoff und CO2 hergestellt und kann beim Einsatz erneuerbarer Energie nahezu klimaneutral sein. Zudem entstehen weniger Landnutzungskonflikte, da die Produktion keine zusätzlichen landwirtschaftlichen Flächen erfordert. Der Prozess ist allerdings technisch anspruchsvoll und energieintensiv, weshalb E-SAF heute noch deutlich teurer ist als fossiles Kerosin.

Für einen breiten Markthochlauf sind umfangreiche Investitionen in Produktionskapazitäten und Infrastruktur notwendig – flankiert von politischen Anreizen.

Re-Fuel-EU Aviation: die Richtung ist klar

Die EU hat mit der Re-Fuel-EU-Aviation-Verordnung verbindliche SAF-Quoten festgelegt: Seit 2025 liegt die Beimischung bei zwei Prozent, bis 2030 soll sie auf sechs Prozent, bis 2050 auf 70 Prozent steigen. Für synthetische SAF gelten eigene Quoten von 1,2 Prozent ab 2030 bis 35 Prozent im Jahr 2050. Trotz steigender Produktion deckt SAF derzeit noch weniger als ein Prozent des weltweiten Kerosinbedarfs. Der Markthochlauf muss daher deutlich beschleunigt werden.

Wie sich die Branche einbringen kann, zeigt die seit Dezember 2025 aktive "SAF-Allianz in der Tourismusbranche", in der sich die Futouris-Mitgliedsunternehmen Dertour Group und Chamäleon mit den Airline-Partnern Discover Airlines und Condor zusammengeschlossen haben. Ziel ist es, die Verfügbarkeit und Nutzung von SAF durch gemeinsame Qualitätskriterien, bessere Kundenkommunikation sowie die Förderung von E-SAF und fortschrittlichen Bio-SAF voranzubringen. Ein erster Baustein ist ein "SAF-Praxis-Guide" für Tourismusunternehmen, der diesen Sommer erscheinen soll.

Fazit: Ein Baustein, keine Ausrede

Nachhaltige Flugkraftstoffe sind ein zentraler Hebel für klimafreundlicheren Luftverkehr – aber keine alleinige Lösung für Klimaschutz im Tourismus. Kurzfristig bieten Kraftstoffe aus recyclebaren oder erneuerbaren Rohstoffen eine praktikable Option, langfristig stellen E-SAF auf Basis erneuerbarer Energie und fortschrittliche biobasierte SAF die nachhaltigere Perspektive dar.

Entscheidend ist jedoch, SAF als Teil einer ganzheitlichen Klimastrategie zu sehen, ergänzt durch effizientere Flugzeuge, emissionsärmere Flugverbindungen, nachhaltigere Mobilitätsalternativen wie Bahn und Bus sowie Transparenz für bewusstere Reiseentscheidungen. Hier unterstützen die Tools aus dem Futouris-Projekt „Klimafreundliche Produktgestaltung“. Denn klimafreundliches Reisen beginnt nicht erst am Gate, sondern in der touristischen Produktentwicklung.

Über Futouris: Futouris ist die Nachhaltigkeitsinitiative der deutschsprachigen Tourismusbranche. Die Initiative setzt mit Mitgliedern und Partnern innovative, übertragbare Lösungen um, die Destinationen stärken, Lebensräume bewahren und die Tourismusbranche Schritt für Schritt nachhaltiger und resilienter machen sollen.

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