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10. Januar 2020 | 14:26 Uhr
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Drei von vier Urlaubern fliegen mit schlechtem Gewissen

Das geht aus einer Erhebung der Marktforscher der FUR im Rahmen der „Reiseanalyse“ hervor. Demnach haben 73 Prozent der Flugreisenden ein mehr oder weniger schlechtes Gewissen wegen der Klimabelastung. Die Voraussetzungen für eine stabile Urlaubsnachfrage seien trotzdem gegeben.

Flugzeug im Gewitter

"Flugscham" verbreitet sich offenbar tatsächlich

Die Flugscham sei der Ausdruck eines inneren Konfliktes, nicht dessen Lösung, sagt Professor Martin Lohmann, der zur Eröffnung der Stuttgarter Reisemesse CMT erste Trends für das Reisejahr 2020 vorstellte. Nachhaltigkeit sei in Deutschland und der Welt ein wichtiges Thema geworden, das immer mehr Beachtung finde, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Klimawandels. Der Tourismus stehe hier "nicht automatisch gut da", so Lohmann. Einerseits seien bestimmte Angebote wegen ihrer Emissionen oder den entstehenden sozialen Belastungen fragwürdig; andererseits scheine der Urlaubsbereich implizit als "irgendwie unnötige Sache eingestuft zu werden, die man ja auch einfach lassen könnte".

"Nachhaltige" Ansätze für die Tourismusentwicklung versuchten, negative Auswirkungen auf Natur, Umwelt und Gesellschaft möglichst gering zu halten, so Lohmann. Es gehe dabei in erster Linie um die Angebotsgestaltung – aber natürlich müssten die Kunden diese nachhaltigen Angebote auch haben wollen. Die Ergebnisse der Reiseanalyse zu diesem Thema zeigten, dass ökologische und soziale Nachhaltigkeit im Urlaub vielen Deutschen wichtig seien, erläutert der Marktforscher. Diese Einstellung werde von immer mehr Menschen geteilt.

Ein Faktor von vielen

Allerdings gebe es zahlreiche andere Einflussfaktoren auf die Reiseentscheidung und das Reiseverhalten. Die Mehrheit der Touristen mache eine Urlaubsreise vor allem, um schöne Ferien zu verbringen. Nachhaltigkeit sei dabei eine "zu berücksichtigende Reise-Bedingung", die von vielen Touristen als wichtig angesehen werde, und die von manchen auch bei einer konkreten Reise aktiv ins Kalkül gezogen werde.

Positive Rahmenbedingungen

Insgesamt rechnet Lohmann mit einer stabilen Entwicklung der Nachfrage in diesem Jahr. Die Indikatoren für die touristische Nachfrage zeigten eine "positive Ausgangsposition", sagt er. Bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung seien die Deutschen im Hinblick auf die eigene Situation positiv gestimmt, wenn auch etwas verhaltener als im Vorjahr: 22 Prozent erwarteten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Situation im Laufe des Jahres verbessern werde; ebenfalls 22 Prozent befürchteten eine Verschlechterung. Die restlichen 57 Prozent sähen keine Veränderung, erklärt der Marktforscher.

Bereits vier von fünf Deutschen hätten sich mit dem diesjährigen Urlaub gedanklich beschäftigt. Die Urlaubslust sei mit 57 Prozent leicht gestiegen, auch die Faktoren Zeit (66%) und Geld (62%) würden günstiger als im Vorjahr eingeschätzt. "Insgesamt drücken diese Ergebnisse eine positive Urlaubsstimmung aus, die nachfrageseitig gute Startbedingungen für 2020 signalisiert", bilanziert der Marktforscher.

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