"Wir müssen aufhören, uns gegenseitig zu bekämpfen, während die Probleme immer größer werden", appelliert Linnhoff in ihrer Grundsatzrede bei der Jahrestagung des Verbands unabhängiger selbstständiger Reiseunternehmen an die Branche. Die Trennung zwischen Reisebüros und Veranstaltern, Konzernen und Mittelstand, hält sie angesichts steigender Kosten, Fachkräftemangels und technologischer Veränderungen für überholt. Der VUSR wolle künftig stärker die Interessen der gesamten Tourismusbranche vertreten, kündigt sie an.
Attacke gegen Check 24
Besonders deutlich wird Linnhoff beim Wettbewerb mit Online-Plattformen. Dabei nennt sie Check 24 als dominanten Akteur ausdrücklich. Massive Cashback-Angebote, Preisdruck und die Marktmacht großer Plattformen gefährdeten faire Wettbewerbsbedingungen. Sie fordert, zweifelhafte Rabattmodelle und Werbeaussagen rechtlich überprüfen zu lassen.
Auch die Politik bekommt Kritik zu hören. Linnhoff verlangt weniger Bürokratie und vergleichbare Regeln für Pauschalreisen und touristische Einzelleistungen. Beim Deutschen Reisesicherungsfonds fordert sie mehr Transparenz und Mitsprache der Unternehmen, die ihn finanzieren.
Handelsvertretermodell hinterfragen
Reformbedarf sieht Linnhoff auch beim Handelsvertreterstatus der Reisebüros. Angesichts wirtschaftlicher Abhängigkeiten und unternehmerischer Risiken müsse die Branche ihre Vertriebsstrukturen überprüfen. "Wir dürfen nicht warten, bis Gerichte die Zukunft unserer Vertriebsmodelle für uns gestalten!" Ziel seien Rechtssicherheit und tragfähige Vergütungsmodelle.
Gesprächsbereitschaft gegenüber Verbänden
Deutliche Worte findet Linnhoff für andere Tourismusverbände. Der VUSR habe über Jahre Zusammenarbeit angeboten, sei aber wiederholt zurückgewiesen worden. "Eine ausgestreckte Hand kann man nicht endlos in der Luft halten", sagt sie. Zugleich signalisiert sie eine mögliche Annäherung. Es sei viel Porzellan zerbrochen worden. Wieder auf andere Verbände zuzugehen, wäre für sie der "schwierigste Sprung über den eigenen Schatten".
Zum Ende der Rede wird Linnhoff emotional. Sie räumt ein, angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen selbst Angst zu haben. Dennoch müsse die Branche kämpfen. "Wir sind keine Bittsteller und wir müssen uns auch nicht wie Bittsteller behandeln lassen", erklärt sie.
Christian Schmicke
