Marichal wirft der Politik in einem Meinungsbeitrag für das spanische Fachportal Hosteltur vor, die Debatte über den Tourismus mit Blick auf die Wahlen 2027 wieder zu verschärfen. Themen wie Abgaben, Ökosteuern und eine stärkere wirtschaftliche Diversifizierung rückten erneut in den Vordergrund. Den Tourismus dabei pauschal für die Probleme der Inseln verantwortlich zu machen, hält der Präsident des Hotelverbands für falsch.
Gegen eine Diskussion über Grenzen des touristischen Wachstums habe der Verband nichts einzuwenden, betont Marichal. Ashotel fordere selbst seit längerem Begrenzungen. Entscheidend sei aber, die Ursachen für Wohnungsnot, Verkehrsprobleme und überlastete Infrastruktur richtig zu benennen.
Fehlende Planung über Jahrzehnte
Nach Marichals Darstellung wurde bei Wohnungen, Verkehr, Abwasser und anderer Infrastruktur lange nicht ausreichend berücksichtigt, dass auch die Zahl der Einwohner auf den Kanaren stark wächst. Investitionen seien zu kurzfristig geplant worden und hätten die längerfristige demografische Entwicklung nicht genügend berücksichtigt.
Besonders kritisch sieht der Verbandschef die Entwicklung der Ferienvermietung. Innerhalb eines Jahrzehnts sei deren Kapazität auf mehr als 247.000 Plätze gestiegen. Gleichzeitig seien mehr als 50.000 Plätze in regulierten Beherbergungsbetrieben weggefallen. Marichal führt Probleme auf dem Wohnungsmarkt deshalb vor allem auf fehlende Raumplanung und das unkontrollierte Wachstum der Ferienwohnungen zurück.
Ferienwohnungen im Fokus
Durch die starke Ausbreitung touristisch vermieteter Wohnungen sei der Tourismus zunehmend in klassische Wohngebiete vorgedrungen. Das habe die Mieten erhöht und die frühere Trennung zwischen touristisch und dauerhaft genutzten Gebieten aufgeweicht. Das 2025 verabschiedete Gesetz zur nachhaltigen Regelung touristisch genutzter Wohnungen kommt aus seiner Sicht Jahre zu spät.
Der Ashotel-Chef fordert daher, bei der Diskussion über die Zukunft des Tourismus stärker auf Versäumnisse bei Raumplanung, Wohnungsbau, Abwasserentsorgung und Mobilität zu schauen. Den Tourismus regelmäßig vor Wahlen zum Hauptverursacher struktureller Probleme zu erklären, greife zu kurz.
Christian Schmicke
