Nach einem starken Frühbucherauftakt hatte der Nahost-Konflikt die Nachfrage ab März kräftig gebremst. Im Sommer sorgte dann vor allem das Last-Minute-Geschäft für Auftrieb. Nach dem Buchungsstand von Ende August liegt der Umsatz mit Pauschal- und Bausteinreisen um vier Prozent über dem des Vorjahres, die Zahl der Reisenden liegt um zwei Prozent höher.
Besonders gefragt waren laut der Auswertung der Marktforscher von Travel Data + Analytics die klassischen Mittelmeerziele. Der östliche Mittelmeerraum mit Griechenland, Türkei, Ägypten und Tunesien erzielte zusammen acht Prozent mehr Umsatz und steht für die Hälfte des gesamten Umsatzvolumens. Griechenland legte um zehn Prozent zu, die Türkei um neun Prozent. Die westliche Mittelstrecke wuchs um fünf Prozent, Kreuzfahrten ebenfalls. Fernreisen verloren dagegen 14 Prozent an Marktanteilen.
Kunden buchen später und preissensibler
DRV-Präsident Albin Loidl sieht den Haupturlaub weiter fest in der Konsumpriorität der Bundesbürger verankert. Zugleich buchten viele Kunden später. Das zeige sich auch im stationären Vertrieb, dessen Buchungen ab Ende Mai wieder deutlich anzogen, so Loidl.
Schwächer läuft indes der Start in das neue Touristikjahr. Für den Winter 2026/27 liegt der Umsatz derzeit zwei um Prozent unter dem des Vorjahres, die Zahl der Reisenden sogar um sechs Prozent. Besonders die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA schwächeln nach TDA-Erkenntnissen. Für die Malediven, Thailand und die Dominikanische Republik entwickele sich die Nachfrage dagegen stabiler.
Der Sommer 2027 liegt nach Angaben des DRV dank früher Buchungen, vor allem bei Kreuzfahrten, aktuell um acht Prozent über dem vergleichbaren Vorjahresstand. Verbandschef Loidl warnt allerdings davor, daraus schon einen Trend abzuleiten.
DRV fordert niedrigere Kosten und weniger Bürokratie
Auf dem Hauptstadtkongress verband Loidl die Marktzahlen, wie üblich, mit politischen Forderungen. Deutschland brauche wettbewerbsfähige Standortkosten, eine verlässliche Infrastruktur und weniger Bürokratie, so der DRV-Chef. Für den Luftverkehr seien weiterhin die vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer sowie niedrigere staatliche Gebühren und Abgaben erforderlich.
Auch beim Deutschen Reisesicherungsfonds drängt der Verband, der im übrigen dessen größter Gesellschafter ist, auf weitere Entlastung. Die Senkung des Absicherungsentgelts auf 0,25 Prozent zum 1. November reiche nicht aus, mittelfristig fordert der DRV eine Absenkung auf null.
KI und Ausbildung sollen Zukunft sichern
Die Branche selbst müsse zugleich stärker in Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue Geschäftsmodelle investieren. Gerade kleine und mittlere Unternehmen müssten Zugang zu neuen Technologien erhalten.
Handlungsbedarf sieht der DRV auch bei der Ausbildung. Die Ausbildungsordnung für Tourismuskaufleute ist 15 Jahre alt und soll modernisiert werden. Digitalisierung, KI und verändertes Kundenverhalten hätten die Arbeit grundlegend verändert. Sinkende Ausbildungszahlen gefährdeten zudem Fachklassen und damit Teile der Ausbildungsinfrastruktur.
Beim Klimaschutz fordert Loidl ebenfalls verlässliche Rahmenbedingungen. Notwendig seien mehr nachhaltige Kraftstoffe für Luftverkehr und Kreuzfahrt sowie Planungssicherheit für Investitionen. Klimaziele ließen sich nur erreichen, wenn dafür auch Technologien und Energieträger verfügbar und wirtschaftlich einsetzbar seien.
