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8. Februar 2019 | 16:20 Uhr
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Airbnb kündigt Aktivitäten im Transportbereich an

Fred Reid ist in der Luftfahrtindustrie ein bekanntes Gesicht. In den 90er Jahren arbeitete der US-Amerikaner für Lufthansa und brachte es dort bis zum Bereichschef. Dann wechselte er in die Vereinigten Staaten, wurde President von Delta Air Lines und entwickelte schließlich die Fluggesellschaft des umtriebigen Richard Branson in den USA, Virgin America. Er arbeitete später in der Führungsetage von Flexjet, einer unabhängigen operative Einheit von Bombardier, dem weltweit größten Hersteller von Geschäftsreiseflugzeugen. Zuletzt war er für den US-Flugzeughersteller Kitty Hawk aktiv, der mit der Entwicklung elektrischer Lufttaxis ohne Piloten beschäftigt ist.

Viel Pathos, wenig Inhalt

Dieser Mann soll nun bei der Sharing-Plattform Airbnb als Global Head of Transportation "neue Geschäftsfelder" entwickeln, kündigt das Unternehmen an. Was darunter genau zu verstehen ist, bleibt in einer wortreichen Mitteilung des Unternehmens allerdings nebulös. Einigermaßen deutlich wird Airbnb-Gründer Brian Chesky allenfalls im Hinblick darauf, was Reid nicht leisten soll: "Ich bin nicht daran interessiert, eine eigene Fluggesellschaft aufzubauen oder einfach einen weiteren Ort im Internet zu schaffen, wo man ein Flugticket kaufen kann. Aber es gibt ein enormes Potenzial, das Reiseerlebnis für jeden zu verbessern", sagt er.

Der Rest ist weitgehend Pathos. So schwadroniert Chesky von den goldenen Zeiten der Fliegerei: "Es gab eine Zeit, in der das Fliegen ein magisches Erlebnis an sich war, aber im Laufe der Jahre ist das Reisen von A nach B zu einer Erfahrung geworden, die wir erdulden, ohne sie zu genießen. Wir finden, dass sich das ändern muss." Und auch Reids Definition seiner Aufgabe bleibt unpräzise. "Ob in der Luft oder am Boden: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Produkte zu entwickeln und Partnerschaften mit anderen Unternehmen zu schließen, die das Reisen erleichtern und sogar zum Vergnügen machen. Diese Möglichkeiten umzusetzen, wird Jahre dauern und ein ständiges Experimentieren erfordern, und ich fühle mich wirklich geehrt, die Gelegenheit zu haben, mit dem Team von Airbnb diese große Herausforderung anzugehen", kündigt er an.

Vom Konkurrenten zum Partner

Reid und sein Team sollten "die Airbnb-Plattform nutzen und mit anderen Unternehmen der Reise- und Tourismusbranche zusammenarbeiten, um Millionen von Menschen auf der ganzen Welt bessere Reiseerlebnisse zu ermöglichen und ein wirtschaftliches Potenzial für diese Partner zu schaffen", heißt es noch in der Mitteilung. Entschieden sei aber noch gar nichts. "Wir werden eine breite Palette von Ideen und Partnerschaften erkunden, die das Reiseerlebnis verbessern können, haben aber noch nicht festgelegt, wie diese genau aussehen werden," so Chesky.

Was das Unterkunftsportal, das seit dem vergangenen Jahr auch Ausflüge und Events vermittelt, genau plant, bleibt also unklar. Denkbar ist, dass die Ankündigung ein Schachzug im Zuge des für den Sommer geplanten Börsengangs von Airbnb ist. Dass es sich um einen reinen Marketing-Gag handelt, ist allerdings unwahrscheinlich, und vermutlich hätte Reid einen solchen Werbejob nicht nötig. Es bleibt also eine breite Palette an Spekulationsmöglichkeiten – von der unwahrscheinlichen Variante, dass Airbnb seinen Traffic für ein weiteres Flugportal nutzen will bis hin zur Rolle eines Partners beim Vertrieb von Airport-Lounge-Zugängen, Airport-Parkplätzen, oder Fast-Track-Zugängen oder für den Transport zum und vom Airport. Unterschätzen sollte man die Aktivitäten des aktuell auf rund 31 Milliarden US-Dollar taxierten ehemaligen Start-ups jedenfalls nicht.

Christian Schmicke

 

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