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9. Oktober 2020 | 13:33 Uhr
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Ansteckungsgefahr im Flieger geringer als im Konferenzraum?

60 Prozent der Fluggäste hielten die Kabinenluft in Flugzeugen für gefährlich, räumte David Powell, Gesundheitsexperte des Luftfahrtverbands IATA bei einer Online-Pressekonferenz mit den Flugzeugbauern Airbus, Boeing und Embraer ein. Dabei gebe es weltweit lediglich 44 nachgewiesene Fälle von Corona-Infektionen während eines Fluges.

Flugzeug Passagierin mit Maske Foto iStock Sam Thomas

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Das Ausmaß der Verzweiflung in der Luftfahrtindustrie lässt sich schon am öffentlichen Schulterschluss der drei Flugzeugbauer erkennen, die ansonsten in scharfer Konkurrenz zueinander stehen. Dabei hatten sie, abgesehen von der geringen Zahl nachgewiesener Infektionszahlen, wenig Neues zu berichten.

"Alle zwei bis drei Minuten wird die Kabinenluft erneuert", erklärte Airbus-Ingenieur Bruno Fargeon und wiederholte damit ein Mantra, das die Fluggesellschaften seit der Wiederaufnahme des Betriebs hinausposaunen. Mit 50 Millionen Messpunkten habe Airbus die Luftströmung in einer Kabine simuliert. Die Simulation habe ergeben, dass es tatsächlich so etwas wie einen "Vorhang" frischer Luft gebe, der die Passagiere schütze.

Dan Freeman von Boeing sagte, der Flugzeugbauer habe Tests auf dem Boden und in der Luft durchgeführt, bei denen die Leute geatmet und gehustet hätten. Selbst wenn ein direkter Sitznachbar huste, während man gerade einatme, passiere nichts. Wegen des Luftstroms sei die Zahl der Partikel geringer, als wenn man in einem geschlossenen Raum zwei Meter von der hustenden Person entfernt wäre, so Freeman. Die Ansteckungsgefahr an Bord sei geringer als etwa die in Konferenzräumen. 

Risiko "geringer als das, vom Blitz getroffen zu werden"

IATA-Medizinexperte Powell unterstrich, angesichts einer Zahl von 1,2 Milliarden Fluggästen, die selbst in diesem Jahr befördert worden seien entsprächen 44 nachgewiesene Infektionen einer pro 27 Millionen Passagieren. Und selbst wenn man von einer Dunkelziffer von 90 Prozent ausgehe, liege das Infektionsrisiko nur bei eins zu 2,7 Millionen. Das Risiko sei also geringer als das, vom Blitz getroffen zu werden.

Statements, nach denen die Luft in Flugzeugkabinen so sauber sei wie die in einem Operationssaal, hatten in den vergangenen Monaten mehrfach die Runde gemacht – und waren auch von Lufthansa-Chef Carsten Spohr angewandt worden, um das Misstrauen der Passagiere zu überwinden. Die stören sich vielfach an der Vorstellung, dass sämtliche Abstandsregeln, zu denen sie im Alltag aufgefordert werden, an Bord von Flugzeugen auf einmal überflüssig sein sollen.

Intensives Gedränge, das bisweilen beim Ein- und Aussteigen zu erleben ist, ist auch nicht dazu angetan, diese Befürchtung zu entkräften. Und dass Flugzeugbauer erklären, sie selbst hätten in Tests ihre Produkte für gut befunden, mag auch nicht jeden überzeugen.

Gleichwohl scheint die Angst der Kunden noch das geringere Hindernis auf dem Weg zu einer Erholung der Luftfahrt zu sein. Angesichts der welt-, europa- und deutschlandweit steigenden Infektionszahlen ist es bis zu einer globalen Politik offener Grenzen noch ein weiter Weg.

Christian Schmicke

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