Tägliche News für die Travel Industry

16. März 2026 | 13:29 Uhr
Teilen
Mailen

Bahnvorstand fordert Neustart für den Fernverkehr

Michael Peterson (Foto), Vorstand für Personenfernverkehr der Deutschen Bahn, kündigt im Interview mit der Süddeutschen Zeitung einen Neustart für den Fernverkehr an – mit schlankeren Strukturen, mehr Verantwortung vor Ort und einem wirtschaftlicheren Betrieb bis 2030.

Peterson Michael

Der Fernverkehr der Bahn steht unter Druck – das ist keine neue Nachricht. Mehr als die Hälfte der Züge kommt derzeit nicht pünktlich an, Baustellen und ein stark ausgelastetes Netz bremsen den Betrieb. "Das Netz ist so veraltet, es gibt so viele Baustellen und es ist so voll, dass derzeit 80 bis 90 Prozent der Verspätungen auf die Infrastruktur zurückzuführen sind", sagte Peterson der Süddeutschen Zeitung (Abo). Weniger als zehn Prozent der Ursachen lägen direkt im Fernverkehr.

Infrastruktur als größtes Problem

Die Bahn kämpft derzeit mit einer wachsenden Zahl an Baustellen. In diesem Jahr seien rund 28.000 Baustellen geplant – etwa 2.000 mehr als im Jahr zuvor. Die Folgen reichten bis in den täglichen Betrieb hinein, so der Vorstand. Komme ein Zug etwa wegen einer kurzfristigen Baustelle verspätet in die Werkstatt, bleibe weniger Zeit für Wartung und Vorbereitung. Auch verspätetes Personal sei häufig eine indirekte Folge von Infrastrukturproblemen.

Um den Betrieb zu stabilisieren, baue die Bahn zusätzlich Personal auf. Außerdem seien die Einsatzpläne angepasst worden, sagt Peterson. Bei besonders störanfälligen Verbindungen plane die Bahn nun längere Pufferzeiten ein.

Teure Entschädigungen

Ganz lösen lasse sich das Problem damit allerdings nicht. "Auch mit immer mehr Personal lässt sich das Problem nicht abschließend lösen", sagt Peterson. Entscheidend bleibe der Zustand der Infrastruktur.

Auch finanziell belasten die Verspätungen den Konzern. 2025 zahlte die Bahn 156,1 Millionen Euro Entschädigungen an Fahrgäste – das entspricht einer Verdreifachung gegenüber 2019 – bedeutet aber auch einen Rückgang von knapp 41 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Deutschlandticket drückt Auslastung

Bei der Auslastung der Fernzüge gibt es ebenfalls Probleme. Besonders auf Strecken, auf denen IC-Züge parallel zu Regionalzügen fahren, liege sie teilweise unter 30 Prozent, sagt Peterson. Als Grund nennt er das Deutschlandticket. Es habe dem Fernverkehr rund 15 Millionen Fahrgäste entzogen. Insgesamt habe die durchschnittliche Auslastung der Fernzüge 2025 bei 48 Prozent gelegen – vor Corona seien es noch 56 Prozent gewesen.

Kommentieren und folgen Sie Reise vor9 auf Linkedin

Newsletter kostenlos bestellen

Ja, ich möchte den Newsletter täglich lesen. Ich erhalte ihn kostenfrei und kann der Bestellung jederzeit formlos widersprechen. Meine E-Mail-Adresse wird ausschließlich zum Versand des Newsletters und zur Erfolgsmessung genutzt und nicht an Dritte weitergegeben. Damit bin ich einverstanden und akzeptiere die Datenschutzerklärung.

Anzeige