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18. März 2019 | 17:20 Uhr
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Bewertungsverkäufer schießt gegen Holidaycheck zurück

Das Bewertungsportal Holidaycheck hatte kürzlich gegen das Unternehmen Five Star Marketing, das positive Bewertungen verkauft, Klage eingereicht. Dieses fühlt sich zu Unrecht als "Sündenbock" gebrandmarkt und wirft Holidaycheck vor, das Portal wolle damit "von der eigenen Inkompetenz ablenken“.

Hotelbewertung

Mit etwas Geld kann man positiven Bewertungen auf die Sprünge helfen, verspricht Five Star Marketing 

"Sterne für Ihr Unternehmen“ heißt der Slogan, mit dem der "Partner für qualitatives Review- und Ratingmanagement", der im Impressum Belize als Firmensitz angibt, seine Leistungen bewirbt. Positive Amazon-Bewertungen gibt’s demnach für 22,95 Euro zu kaufen, Google- und Facebook-Bewertungen kosten 12,95 Euro. Für Holidaycheck-Bewertungen wirbt das Portal auf seiner Website nicht mehr.

Das hierzulande wichtigste Hotelbewertungsportal hatte Five Star Marketing kürzlich verklagt, um gegen Fake-Bewertungen vorzugehen. Das wollen die käuflichen Bewertungsoptimierer offenbar nicht auf sich sitzen lassen. In einer Stellungnahme, die Reise vor9 vorliegt, schreibt das Unternehmen: "Bei Bewertungen im Internet besteht seit jeher das grundsätzliche Problem von Manipulationen. Unternehmer bitten Freunde und Bekannte, das eigene Unternehmen positiv zu bewerten. Konkurrenten veröffentlichen gezielt negative Bewertungen über Ihre Mitbewerber. Hotelgäste erpressen Hoteliers mit der Veröffentlichung von negativen Rezensionen. Diese Liste lässt sich endlos weiterführen."

"Portale können gefälschte Bewertungen nicht von echten unterscheiden"

Portalbetreiber wie Holidaycheck seien "in den meisten Fällen nicht in der Lage, diese gefälschten Bewertungen von echten Bewertungen zu unterscheiden", argumentiert Five Star weiter, ohne zu erläutern, warum dies die eigene Praxis rechtfertigen sollte. Zudem gebe es für die auf Holidaycheck gelisteten Unternehmen "kaum eine Möglichkeit, gegen diese rufschädigenden Veröffentlichungen vorzugehen", heißt es weiter. Eine Löschung und die Entscheidung darüber, was echt sei und was nicht, liege ausschließlich im Ermessen von Holidaycheck. Das sei "natürlich extrem frustrierend, insbesondere unter Berücksichtigung, dass viele Hotels aufgrund der Reichweite von Holidaycheck auf eine Präsenz auf dem Portal angewiesen sind".

Indem das Portal Five Star Marketing zum "Sündenbock“ stempele, wolle Holidaycheck "von der eigenen Inkompetenz ablenken", heißt es in dem Statement. Doch das Unternehmen sei "mit Sicherheit nicht der Kern dieses Problems". Im Gegenteil - alle Rezensenten in unserem Netzwerk sind reale Personen, die echte Bewertungen veröffentlichen die von uns in keiner Weise vorgegeben oder beeinflusst werden. Dass Five Star Marketing "Fake-Bewertungen" verfassen lasse, sei "eine Unterstellung von Holidaycheck, die sich jeder Grundlage entzieht".

"Erpresserische Maßnahmen"

Am Ende legt der Bewertungsoptimierer noch eine Schippe drauf. Die Vorwürfe von Holidaycheck bewegten sich "am Rande der Verleumdung", heißt es. Dieses Verhalten passe "zu dem aggressiven Vorgehen gegen die eigenen Kunden, die mit erpresserischen Maßnahmen dazu gedrängt" würden, Holidaycheck zu "unterstützen".

Christian Schmicke