CEO verordnet Avis Budget neuen Kurs
Nach einer Phase rückläufiger Umsätze will Avis Budget neu durchstarten. Der neue CEO Brian Choi (Foto) will auf Servicequalität statt Preiskampf setzen. Im dritten Quartal erzielte der Konzern erstmals seit zwei Jahren wieder ein leichtes Wachstum: Der Umsatz stieg auf drei Milliarden Euro und das Nettoergebnis auf 310 Millionen Euro. Auch international legte das Geschäft zu.
Avis Budget
Brian Choi will stärker auf Service setzen, um Preiskämpfe zu vermeiden
Nach zwei Jahren mit sinkenden Umsätzen vollzieht die Avis Budget Group einen deutlichen Kurswechsel. Seit Juli leiten CEO Brian Choi und CFO Daniel Cuhna den Autovermieter, der unter den Marken Avis, Budget und Zipcar weltweit in rund 180 Ländern aktiv ist. Das neue Management will den Konzern mit einem klaren Fokus auf Kundenzufriedenheit und operative Qualität neu positionieren.
"Eines der Kernziele dieses Führungsteams ist ein harter Reset beim Kundenerlebnis", sagte Choi. Während der Pandemie habe sich das Unternehmen zu stark auf das reine Überleben konzentriert. "Der Slogan 'We try harder' liegt in unserer DNA. Jetzt ist es Zeit, zu diesem Grundsatz zurückzukehren."
Service statt Preiskampf
Avis Budget will sich stärker über Verlässlichkeit und Differenzierung im Markt profilieren. „Wenn Firmenkunden einen Mietpartner wählen, sollen sie wissen, dass Avis höhere Fahrzeugstandards anlegt als sie selbst“, erklärte Choi. Für Privatreisende soll Budget künftig ein Garant für reibungslose Abläufe sein.
Er kritisierte die mangelnde Segmentierung der Branche: Premium-Marken bedienten Geschäftsreisende und Value-Marken Urlaubsreisende, doch echte Unterschiede gebe es kaum. "Das ist anders als bei Airlines oder Hotels, wo Segmentierung strategisch genutzt wird." Avis Budget wolle aus diesem "Nullsummenspiel um Marktanteile" aussteigen und sich wieder als Dienstleistungsunternehmen mit Qualitätsanspruch positionieren.
Neues Premiumprodukt und Wachstum im Ausland
Ein Beispiel für den neuen Ansatz ist der Concierge-Service Avis First, der im Sommer zunächst in den USA und mittlerweile auch in Europa eingeführt wurde. Der Service wird laut Choi stark nachgefragt: "Wir haben unser Angebot von zwölf auf 36 Standorte ausgeweitet. Unsere Kunden sehen den Mehrwert und sind bereit, dafür zu zahlen." Mit Tagesraten von über 100 US-Dollar, umgerechnet gut 86 Euro, zeige das Produkt, dass sich Servicequalität auch wirtschaftlich lohnen könne.
Regional entwickelte sich das Geschäft unterschiedlich: In Amerika stieg das operative Ergebnis auf 344 Millionen Euro - im Vorjahr waren es 332 Millionen – was laut CFO vor allem auf niedrigere Flottenkosten zurückzuführen ist. Im internationalen Geschäft kletterte das Ebitda auf 164 Millionen Euro; im Vorjahr waren es 120 Millionen Euro. Hier werde die Entwicklung gestützt durch höhere Durchschnittserlöse und günstigere Flottenkosten.
Christian Schmicke