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20. Januar 2022 | 18:57 Uhr
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Die Freizeithotellerie beweist ihre Widerstandsfähigkeit

Dass die Ferienhotellerie in Deutschland und weiten Teilen Europas besser durch die Pandemie gekommen ist als ihr städtisches Pendant, ist bekannt. Auch in nächster Zeit hätten Ferienhotels die besseren Karten, sagen Experten. Damit ziehen sie das Interesse von Investoren auf sich.

Ferienhotel

Ferienhotels stehen bei Investoren hoch im Kurs

"Die Renditen in der Stadthotellerie sinken“, weiß Martin Schaffer, Partner des Beratungsunternehmens MROP Hotels. Die Freizeithotellerie habe dagegen auch in der Corona-Pandemie ihre Widerstandsfähigkeit bewiesen. Ob Auslastung, Tagesrate oder Erlös: in allen wichtigen Kenngrößen schlage die Resort-Hotellerie die Stadthotels mit Abstand. Björn Kombächer, Leiter Investor Relations bei Engel & Völkers Asset Management, schätzt die Renditen in der Hotelbranche in städtischen Gebieten zwischen drei und sechs Prozent, in alpinen oder meeresnahen Gegenden bewege sie sich dagegen zwischen vier und zehn Prozent – je nach Lage.

Schnelle Erholung beweist Resilienz

In der Coronakrise habe sich gezeigt, dass die Ferienhotellerie sehr krisenresilient sei, so die Hotellerie-Experten. Besonders begehrt seien Reiseziele in der Nähe von großen Städten, die leicht mit dem Auto zu erreichen sind und über umfassende Freizeit- und Sportangebote verfügen. Natur habe einen größeren Stellenwert erhalten; beschleunigt worden sei dieser Trend durch die Pandemie. Der Rückzug ins Private setze sich im Urlaub fort, was auch die starke Nachfrage nach Ferienwohnungen und -häusern erkläre.

Gute Lage macht Krisengewinner aus

Produkte mit direkter Verbindung zur Natur und zu außergewöhnlichen Kulissen, vielfältigem und außergewöhnlichen Freizeitangebot, Naherholungsgebiete um die Metropolen, aber auch "totgesagte Produkte mit guter Lage", also Unterkünfte mit Investitionsstau, aber exzellenten natürlichen Ressourcen seien die Corona-Gewinner, sagt Schaffer

Eine Herausforderung sei derzeit der Trend zu sehr kurzfristigen Buchungen. "Die Menschen wollen am liebsten heute buchen und morgen kommen", sagt Kombächer. Zuverlässige Wetter-Apps hätten diesen Trend noch verstärkt. Zudem müsse sich die Branche mit klimabedingten Entwicklungen auseinandersetzen. So müssten Hotels im alpinen Bereich ihre Abhängigkeit vom Skifahren reduzieren, um langfristig zu bestehen. Eine weitere Aufgabe liege in der Digitalisierung, ergänzt Schaffer.

Ziel internationaler Investoren

Insgesamt rechnen die Experten damit, dass international tätige Investoren in nächster Zeit ein noch stärkeres Auge auf die Ferienhotellerie werfen als bisher. Bis 2019 sei der Investmentmarkt für Hotelinvestitionen auf ein Rekordvolumen gewachsen; 2020 habe Deutschland innerhalb Europas nach Großbritannien das zweitgrößte Investitionsvolumen auf sich gezogen. Nach einer Delle in den Jahren 2020 und 2021 werde sich diese Tendenz fortsetzen. Auch für die Stadthotellerie sehen die Experten einen Lichtblick; allerdings werde eine Rückkehr zu alter Stärke wohl bis 2024 dauern, vermuten sie.

Christian Schmicke

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