Expedias Traum von der App für alles
Der Fahrdienstleister Uber bietet künftig auch Hotels von Expedia an, im Gegenzug integriert die Reiseplattform die Mobilitäts-App. Auf einer Konferenz in Las Vegas schwärmten Expedia-CEO Ariane Gorin (Foto) und Uber-Chef Dara Khosrowshahi von dem "great deal", der für die Zukunft des Reisens stehe.
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Expedia-Chefin Ariane Gorin baut die Zusammenarbeit mit Uber und anderen B2B-Partnern aus
Für US-Kunden von Uber sind weltweit 700.000 Hotels im Angebot. Später sollen Ferienwohnungen der Expedia-Tochter Vrbo hinzukommen. Experten erwarten eine Stärkung von Expedia im Markt. Zunächst ist das Angebot nur in den USA freigeschaltet. Wird es auch nach Europa kommen? "Die Absicht ist, die Kooperation international auszurollen, aber ich habe keine Timeline", sagte Gorin im Interview am Rande der jährlichen Partner-Konferenz Explore 26 mit rund 2.000 Teilnehmern in Las Vegas.
Zeitersparnis als Schlüsselfaktor
Die Kooperation mit Uber wurde sicher dadurch erleichtert, dass CEO Khosrowshahi früher selbst an der Spitze von Expedia stand. Für Khosrowshahi ist sie ein logischer Schritt. "Uber ist die erste App, die die Menschen am Flughafen öffnen. Wir haben über 100 Millionen Trips von Airports."
Aber er hat mehr im Sinn: "Uber entwickelt sich zu einer App für alles – sie hilft den Menschen, sich fortzubewegen, Dinge zu besorgen und nun auch zu reisen, und das alles an einem Ort", sagte er kürzlich und führte sogar einen "philantropischen" Ansatz ins Feld. "Wir alle erleben gerade eine Zeit echter kognitiver Überlastung: zu viele Apps, zu viele Entscheidungen, zu viel Lärm. Letztendlich ist es unsere Aufgabe, den Menschen dabei zu helfen, ihre Zeit zurückzugewinnen, damit sie weniger Zeit mit der Organisation ihres Alltags verbringen und mehr Zeit dafür haben, ihr Leben tatsächlich zu leben."
Wettbewerb verschärft sich konzernübergreifend
Die Kooperation passt in eine Zeit, in der Airbnb-Chef Brian Chesky einen Strategiewechsel ankündigte und mehr Hotels auf seine Plattform holen will. Schon lange haben Booking und Expedia ihr Angebot um "alternative Unterkünfte" erweitert, den Hauptmarkt von Airbnb. Wer gewinnt den Wettlauf?
Das Ziel von Expedia-Chefin Gorin ist es nach eigenem Bekunden, ein "nahtloses Reiseerlebnis" zu schaffen. Dazu holt sie Partner ins Boot, die mit künstlicher Intelligenz verknüpft werden und abgestimmte Leistungen in Bereichen wie Unterkunft, Flug, Auto, Aktivitäten und mehr anbieten. Kundem sollen bei all ihren Bedürfnissen begleitet werden, zum Beispiel auch mit einem Concierge-Service am Flughafen, der neuesten Kooperation mit dem Dienstleister Clear.
Stärkeres B2B-Engagement
Dies ist Teil der B2B-Strategie von Expedia, die auf ein besonders starkes Wachstum zielt. Laut Alfonso Paredes, President B2B und Chief Commercial Officer, betreut die Expedia Group B2B bereits 75.000 Partner aus verschiedenen Branchen und 200.000 Reiseberater. Die Plattform verarbeitet täglich in der Kommunikation der Systeme 21 Milliarden API-Aufrufe,
Weniger technisch drückt es Gorin aus: "Anlässlich unseres 30-jährigen Jubiläums konzentrieren wir uns darauf, unseren intelligenten, vertrauenswürdigen globalen Marktplatz weiterzuentwickeln, der die Komplexität des Reisens übernimmt, damit sich Reisende und Partner auf das Wesentliche konzentrieren können: unvergessliche Erlebnisse."
Auf der Konferenz in Las Vegas zeigten sich die Granden – von Expedia-Chairman Barry Diller und Gründer Rich Barton bis Khosrowshahi und Gorin – entschlossen, eine "Technologieführerschaft" aggressiv auszubauen. Ob Khosrowshahi eine Empfehlung für seine Nachfolgerin Ariane Gorin habe, wurde er auf dem Podium gefragt. Seine Antwort: "You have to run." Die Veränderung sei eine Konstante und Expedia dürfe angesichts des Erfolgs nicht der Gefahr erliegen, zu defensiv zu werden.
Rolf Westermann
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