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22. März 2021 | 12:53 Uhr
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Ferienhaus-Lobby wirft Politik Kungelei vor

Der Verband der Eigentümer von Ferienwohnungen und Ferienhäusern wirft der Bundesregierung "geheime Deals mit der Tourismusindustrie" vor. Hintergrund sind Berichte, nach denen eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Bundesministerien, Ländern und künftig auch Passagiere aus Risikogebieten ohne Quarantänepflicht einreisen lassen will.

Ferienhaus

Ferienhausvermieter im Inland fühlen sich gegenüber Tourismuskonzernen benachteiligt

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Je länger der Pandemie-Jojo mit seiner endlos wirkenden Abfolge von Einschränkungen und Lockerungen andauert, desto brenzliger wird die Situation für zahlreiche touristische Akteure. Damit wächst auch das gegenseitige Misstrauen innerhalb einer Branche, die sich ohnehin nie durch die ausgeprägte Fähigkeit, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, auszeichnete.

Am Wochenende meldete sich in einer rein inhaltlich ganz anderen Angelegenheit der Verband der Eigentümer von Ferienwohnungen und Ferienhäusern zu Wort. Unter Berufung auf einen Artikel der "Welt" erklärte er, dass sich seit Mitte Dezember 2020 „mehrfach pro Woche Lobbyisten der Flug- und Tourismuskonzerne“ mit Ministerialbeamten getroffen hätten und dabei Regelungen für touristische Auslandsreisen in großem Stil vorbereitet worden seien. Über entsprechende Pläne einer Arbeitsgruppe hatte Reise vor9 berichtet.

Vorzugsbehandlung für den Auslandstourismus?

"Von einer solche Vorzugsbehandlung kann die inländische Beherbergungs- und Gastronomiebranche nur träumen. Hier gilt seit Monaten ein knallharter Lockdown", kritisiert der Lobbyerband der Ferienhausbesitzer. "Der Deutschlandtourismus wird auf unabsehbare Zeit stillgelegt und die Bundesregierung hat nichts Besseres zu tun, als mit TUI, Lufthansa und den anderen Konzernen Sonderregeln auszukungeln", so Daniel Rousta, Präsident des Fewo-Verbandes. 

"Es wäre schön, wenn die Tourismusbranche in dieser Krise geschlossen auftreten könnte. Aber Solidarität ist kein One-Way-Ticket! Es kann nicht sein, dass die Konzerne mit ihren Lobbyabteilungen den Ministerien ihre Wünsche ins Gesetzblatt diktieren, während die einheimischen Hotels, Restaurants, Bars und Ferienunterkünfte seit Monaten nicht gehört werden", legte Rousta nach. Sein Verband fordere "die sofortige Offenlegung aller Gesprächsprotokolle, um prüfen zu können, inwieweit die Erkenntnisse und Ergebnisse auf Tourismus und Gastronomie im Inland übertragbar sind".

Abgekartetes Spiel?

Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der am Wochenende zu einem Verzicht auf Auslandsreisen aufgerufen hatte, wirft der Verband vor, "Krokodilstränen zu vergießen". Als zuständiger Minister habe Scholz es "seit einem Jahr versäumt, die Finanzhilfen so auszugestalten, dass die mit einem Beherbergungsverbot belegten Vermieter von Ferienwohnungen und Ferienhäusern sie überhaupt beantragen können". Jetzt öffne die von ihm mitgeführte Regierung den Auslandstourismus und drei Tage später stelle Scholz sich hin und prangere "die Reisenden an".

Christian Schmicke

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