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5. November 2020 | 15:43 Uhr
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Große Reisebüros schlagen Alarm und fordern mehr Hilfen

Die Kappungsgrenze von derzeit 50.000 Euro Fördermitteln pro Monat bei den Überbrückungshilfen hinterlasse größere mittelständische Reisebüros mit immensen Fehlbeträgen, sagt eine von LCC-Chef Markus Orth (Foto) angestoßene Brancheninitiative. Die Mittel deckten im Schnitt nicht mal 30 Prozent der Fixkosten. Die Branchengroßen haben einen Forderungskatalog an das Bundeswirtschaftsministerium formuliert.

Orth Markus_Lufthansa City Center_Geschäftsführer_Foto LCC

LCC-Chef Markus Orth

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„Während die Überbrückungshilfen des Bundes durchaus geeignet sind, kleineren und mittleren Reisebüros dabei zu helfen, die umsatzlose Zeit einigermaßen zu überstehen, sind sie für die Großen nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Orth. Bleibe es bei der aktuellen Praxis, könnten am Ende nur kleine Reisebüros und Konzerne überleben.

Die Zahlen, die die Brancheninitiative „Ü 50“ durch den kaufmännischen Dienstleister TAA (Travel Agency Accounting) auf Basis der Daten von 60 Einzelunternehmern und Reisebüros aus den großen Vertriebsorganisationen mit bis zu 240 Mitarbeitern und Umsätzen zwischen 12 und 150 Millionen Euro vorlegt, sind in der Tat alarmierend.

Im Durchschnitt hätten die Branchen-Schwergewichte trotz der Fördermittel eine monatliche Unterdeckung von 96.000 Euro. Weniger als 30 Prozent der Fixkosten seien durch die Hilfen abgedeckt. Bei den größten Unternehmen mit bis zu 240 Mitarbeitern liege dieser Wert sogar unter zehn Prozent beziehungsweise bei einer Unterdeckung von mehr als einer halben Million Euro pro Monat.

Beteiligte Unternehmen vor der Krise profitabel

Größter Kostenblock seien die Personalkosten. Trotz Kurzarbeitergeld fielen bei den großen Reisebüros laut TAA in den Monaten Januar bis September im Durchschnitt 600.000 Euro Personalkosten an. Förderfähig seien bisher aber nur 5.000 Euro pro Unternehmen und Monat, vom Beginn der Überbrückungshilfe II an seien es bis zu 10.000 Euro monatlich.

Alle teilnehmenden Unternehmen, die auch ihre Ergebnisse offenlegten, seien vor der Corona-Krise wirtschaftlich gesund gewesen, betont die Initiative. Im Durchschnitt hätten 2018 pro Unternehmen nach Abzug aller Kosten 179.000 Euro Gewinn auf der Habenseite gestanden und 2019 trotz der Einbußen durch die Thomas-Cook-Pleite immerhin noch 122.000 Euro.

Die Last der hohen Fixkosten drohe das personalintensive Beratungsgeschäft zu erdrücken, so Orth weiter. Daraus resultieren nun Forderungen an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, die Kappungsgrenze von derzeit 50.000 Euro Fördermitteln pro Monat künftig und möglichst auch rückblickend zu streichen. Außerdem müsse die Berechnungsgrundlage von Margen und Provisionen für die im nächsten Jahr geplante Überbrückungshilfe III auf Basis der Umsätze von 2019 erfolgen.

Milliarden-Topf für Hilfen ist vorhanden

Bei der Berechnung der Personalkosten müssten mindestens 50 Prozent der effektiven Personalkosten nach Erhalt des Kurzarbeitergeldes angerechnet werden, fordern die Großen im Reisevertrieb weiter. Zudem solle ein Steuerfreibetrag für 2019 gewährt werden, der die geschätzten Verluste der Jahre 2020 und 2021 abbilde und in den nächsten drei bis fünf Jahren von den Unternehmen nachgezahlt werde. Der Forderungskatalog der 100 größten Reisebüros entspreche „unterm Strich einem zusätzlichen Hilfspaket von rund 15 Mio. Euro pro Monat“, sagt Orth.

Das sei „keine zusätzliche Belastung für den Steuerzahler, sondern könnte problemlos aus dem 25 Milliarden Euro schweren Topf für kleine und mittlere Unternehmen bezahlt werden.“ Schließlich habe Altmaier zu Beginn der Corona-Pandemie versprochen, dass kein gesundes Unternehmen wegen Corona schließen müsse und kein Arbeitsplatz verlorengehe. 

Christian Schmicke

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