Tägliche News für die Travel Industry

2. Februar 2026 | 18:48 Uhr
Teilen
Mailen

Gründer von Geschäftsreisedienstleister CTM tritt zurück

Nach massiven Buchhaltungsfehlern und einer langen Handelssperre an der Börse zieht der Geschäftsreisedienstleister Corporate Travel Management (CTM) Konsequenzen. Gründer und CEO Jamie Pherous (Foto) tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Vorstands- und Managementfunktionen zurück. Die operative Führung übernimmt interimistisch Ana Pedersen.

Pherous Jamie

Jamie Pherous ist von allen operativen Ämtern zurückgetreten

Der Rücktritt von Jamie Pherous markiert einen tiefen Einschnitt für Corporate Travel Management (CTM). Der Gründer des Geschäftsreisedienstleisters legt seine exekutiven Aufgaben sowie sein Mandat im Board mit sofortiger Wirkung nieder. Hintergrund sind gravierende Buchhaltungsfehler, die das Unternehmen seit Monaten in eine Vertrauenskrise stürzen, wie mehrere Portale, darunter Latte, die Times (Abo), Australian Broadcasting Corporation, Business Travel News Europe und FVW (Abo) berichten.

Pherous bleibt CTM allerdings für weitere sechs Monate in einer beratenden Rolle erhalten. Er ist weiterhin größter Einzelaktionär und erklärte, er habe ein "starkes Interesse am langfristigen Erfolg" des Unternehmens. Der Schritt soll bei Investoren zum Teil auf Unverständnis gestoßen sein.

Überabrechnungen in Millionenhöhe

Auslöser der Krise waren zunächst als geringfügig bezeichnete Unstimmigkeiten in den europäischen Geschäftsbüchern. Später stellte sich heraus, dass die britische CTM-Sparte Kunden – darunter die britische Regierung – umgerechnet rund 90 Millionen Euro zu viel berechnet hatte. In anderen Darstellungen ist sogar von möglichen "Überzahlungen" in Höhe von bis zu 150 Millionen Euro die Rede.

Bereits zuvor war der Europa- und UK-Chef des Unternehmens entlassen worden. Inzwischen verlangen auch die Regierungen Australiens sowie des australischen Bundesstaates Victoria vollständige Prüfungen ihrer Geschäftsbeziehungen zu CTM. Die endgültige Höhe möglicher Rückzahlungsforderungen ist weiterhin offen.

Aktie weiter suspendiert

Die Affäre hatte im vergangenen August zur Aussetzung des Handels der CTM-Aktie an der australischen Börse ASX geführt. Seitdem wurden die Jahresabschlüsse mehrfach verschoben, zuletzt auf Februar. Chairman Ewen Crouch räumte ein, dass das Unternehmen seine Aktionäre "in den vergangenen Monaten enttäuscht" habe. Nun sei es an der Zeit, den Übergang zu einer erneuerten Unternehmensstruktur zu beschleunigen.

Zur Interimschefin wurde Ana Pedersen berufen, bislang Chief Commercial Officer. Sie ist seit Oktober 2024 im Unternehmen und soll die Aufarbeitung der Bilanzprobleme sowie die Fertigstellung der ausstehenden Finanzberichte vorantreiben. Parallel hat der Vorstand die Suche nach einem neuen Group CEO gestartet.

Unterstützt wird Pedersen von John Snyder, dem früheren Präsidenten und CEO von BCD Travel, der als externer Berater in das Unternehmen geholt wurde. Snyder bringt langjährige internationale Erfahrung im Geschäftsreisemarkt mit.

Operativ stabil, Risiken bleiben

Trotz der Krise meldete CTM zuletzt solide operative Zahlen. Für das Quartal bis September 2025 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzplus von sechs Prozent sowie ein Ebitda-Wachstum von 29 Prozent. Die Kundenbindung soll bei 98 Prozent gelegen haben, neue Aufträge summierten sich nach Unternehmensangaben auf rund 1,2 Milliarden Euro.

Branchenbeobachter warnen jedoch, dass diese Stärke trügerisch sein könnte. Neben möglichen Klagen bleibt offen, ob die vorhandene Liquidität ausreicht, um Rückzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe zu leisten.

Christian Schmicke

Kommentieren und folgen Sie Reise vor9 auf Linkedin

Newsletter kostenlos bestellen

Ja, ich möchte den Newsletter täglich lesen. Ich erhalte ihn kostenfrei und kann der Bestellung jederzeit formlos widersprechen. Meine E-Mail-Adresse wird ausschließlich zum Versand des Newsletters und zur Erfolgsmessung genutzt und nicht an Dritte weitergegeben. Damit bin ich einverstanden und akzeptiere die Datenschutzerklärung.

Anzeige