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28. Januar 2026 | 12:00 Uhr
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Kabinett verabschiedet nationale Tourismusstrategie

Das Bundeskabinett hat eine nationale Tourismusstrategie beschlossen, Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratieabbau und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt. Geplant sind unter anderem digitale und vereinfachte Visa-Verfahren, schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse, flexiblere Arbeitszeitregeln sowie Impulse für Luftverkehr, Kreuzfahrt und Infrastruktur.

Deutscher Bundestag Foto iStock RomanBabakin

Die nationale Tourismusstrategie soll nach mehr als sechsjähriger Diskussion auf den Weg gebracht werden

Die nationale Tourismusstrategie soll die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärken, bürokratische Hürden abbauen und Nachhaltigkeit im Tourismus voranbringen. Die Bundesregierung verankert darin ihre koordinierende Rolle und will die Umsetzung über neue Strukturen und konkrete Arbeitsformate beschleunigen.

Visa-Verfahren sollen digital und einfacher werden

Ein zentrales Vorhaben betrifft Einreiseprozesse. Die Visa-Verfahren sollen digitalisiert und vereinfacht werden. Tourismuskoordinator Christoph Ploß spricht von spürbaren Fortschritten bereits in diesem Jahr und verweist auf dafür bereitgestellte Haushaltsmittel in zweistelliger Millionenhöhe. Ziel sei, dass Geschäftsreisende und Touristen leichter nach Deutschland kämen und Wertschöpfung nicht an komplizierten Abläufen scheitere.

Auch für Fach- und Arbeitskräfte setzt die Strategie auf Vereinfachung. Geplant ist eine sogenannte Work-and-Stay-Agentur, die Verfahren bündeln soll. Zudem sollen Anerkennungsverfahren für Abschlüsse vereinheitlicht und innerhalb von acht Wochen abgeschlossen werden, damit Unternehmen schneller Planungssicherheit erhalten.

Bürokratieabbau über Praxischecks

Beim Bürokratieabbau setzt die Strategie auf Praxischecks. Dabei sollen gemeinsam mit Landesregierungen und Verbänden konkrete Regelungen im Vollzug überprüft und vereinfacht werden. Ploß kritisiert, dass Deutschland EU-Vorgaben in der Vergangenheit teils noch zusätzlich verschärft habe. Künftig sollen unnötige Dokumentationspflichten und Auflagen reduziert werden.

Ein weiterer Punkt ist die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Vorgesehen ist der Schritt von einer täglichen Höchstarbeitszeit zu einer wöchentlichen Grenze, um Betrieben mehr Spielraum bei Spitzenbelastungen zu geben.

Luftverkehr, Schiene und Häfen als Mobilitätsbausteine

Die Strategie will zudem die Anbindung des Reiselandes Deutschland verbessern. Dazu gehören effiziente Verkehrsverbindungen auf dem Luftweg, aber auch eine stärkere Vernetzung mit der Schiene. Ploß kündigt einen Kurswechsel an: Der Luftfahrtstandort solle wieder wettbewerbsfähiger werden. Genannt wird das Ziel, Standortkosten zu senken und mehr Flugverbindungen zu ermöglichen. Gleichzeitig verweist er auf hohe Investitionen ins Schienennetz bis 2029.

Für die Kreuzfahrt sieht die Strategie Investitionen in Hafeninfrastruktur vor, darunter Landstromanlagen. Zudem wird der Ausbau einer modernen, umweltfreundlichen Verkehrsinfrastruktur als Voraussetzung für Tourismusentwicklung betont.

Pauschalreisen, Digitalisierung und neues Forum

Bei der EU-Tourismuspolitik setzt die Bundesregierung laut Strategie auf eine „bürokratiearme Pauschalreiserichtlinie“ und will auf Goldplating verzichten. Digitalisierung soll über moderne Technologien wie die EUDi Wallet (EU Digital Identity Wallet) und Datennutzung Effizienzpotenziale erschließen.

Zur Umsetzung plant die Bundesregierung ein tourismuspolitisches Forum beim Koordinator der Bundesregierung. Es soll bisherige Gremien bündeln, themenspezifisch arbeiten und flexible runde Tische mit einem Expertenpool ermöglichen.

Verbände begrüßen den Beschluss

Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) begrüßt die Entscheidung. „Die Themen und Maßnahmen, die wir als BTW gefordert haben, um den Tourismusstandort einerseits und die Tourismusbranche als Arbeitgeber und wichtige Wirtschaftskraft anderseits zu stärken, finden sich in diesem Papier wieder“, kommentiert Präsident des Dachverbandes, Sören Hartmann. Nicht minder wichtig sei, dass die Bundesregierung „schwarz auf weiß ihre Wertschätzung gegenüber unserer Branche und deren gesellschaftlichen wie volkswirtschaftlichen Wert“ betont habe.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) bewertet die Strategie ebenfalls als positives Signal für die Reisewirtschaft, insbesondere für den Outgoing-Bereich. DRV-Präsident Albin Loidl hebt hervor, dass die Weiterentwicklung der Insolvenzabsicherung über den Deutschen Reisesicherungsfonds mit dem Ziel sinkender Kostenbeiträge ausdrücklich in der Strategie verankert sei.

Auch der Deutsche Tourismusverband (DTV) findet den schnellen Kabinettsbeschluss gut. DTV-Präsident Reinhard Meyer sieht in der Strategie Rückenwind für Investitionen in touristische Infrastruktur und betont, dass die Ziele nun im Tourismuspolitischen Forum in konkrete Maßnahmen überführt und finanziell abgesichert werden müssten.

Christoph Debus, CEO der Dertour Group, äußerte sich ebenfalls positiv. Die Tourismusstrategie unterstreiche "die zentrale Bedeutung von Touristikunternehmen für die deutsche Wirtschaft" und setze "wichtige Impulse zur Stärkung ihrer Zukunftsfähigkeit", sagt er. Besonders entscheidend seien die geplante Entlastung von Bürokratie, die Förderung technologischer Innovationen, der Ausbau von Mobilitäts- und Infrastrukturangeboten sowie die enge Verzahnung mit der EU-Politik.

Christian Schmicke

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