LCC will im Corporate-Geschäft zulegen
Geschäftsführer Markus Orth (Foto) sieht Lufthansa City Center trotz Krisen gut aufgestellt und setzt auf Wachstum, Beratung, Technologie und Geschäftsreisen. Der vermittelte Umsatz der deutschen LCC-Büros lag 2025 bei rund 1,53 Milliarden Euro.
Lufthansa City Center
Markus Orth sieht vor allem im Premiumsegment und bei Geschäftsreisen Wachstumspotenziale für LCC
Der deutsche LCC-Verbund umfasst derzeit 289 Reisebüros und Vertriebsstellen. Wachsen will LCC sowohl über neue Partner als auch über zusätzliche Kunden. Orth verweist dabei auf Konsolidierungstendenzen im Markt und auf anstehende Übergaben in unternehmergeführten Büros.
Corporate Travel bleibt Zugpferd
Ein großer Umsatzanteil kommt aus dem Geschäftsreisebereich. Dieses Segment habe sich trotz globaler Krisen als besonders widerstandsfähig erwiesen, so Orth. Im laufenden Jahr will LCC im Corporate-Travel-Geschäft die Milliarden-Euro-Marke übertreffen. Neben organischem Umsatzwachstum könnten dazu auch Neuzugänge beitragen, sagt der LCC-Chef.
Auch die aktuellen Zahlen stützen Orths Zuversicht. Die Touristik liege zwar im aktuellen Geschäftsjahr im Minus, nach seinen Angaben mit 5,7 Prozent weniger Umsatz aber nur "moderat", berichtet er. Die Geschäftsreisesparte verzeichne mit plus 0,5 Prozent leichte Zuwächse. Im Juni habe das Geschäft deutlich angezogen. Die Geschäftsreise liege mit fast 16 Prozent im Plus, auch wegen neuer Firmenkunden und neuer Partner. In der Touristik lägen die Juni-Umsätze um 14 Prozent über dem Vorjahreswert, so der LCC-Manager.
In der Touristik will der LCC-Chef weiter auf Spezialisierung, hochwertige Reisen und intensive Beratung. Besonders dynamisch entwickelten sich das Kreuzfahrtgeschäft und der Absatz von Reisen, die Lufthansa City Center selbst veranstalte. Mit Fyne Travel soll zudem das hochwertige Reisesegment sichtbarer werden.
KI soll Beratung stärken
Technologie war eines der Kernthemen der Tagung. LCC investiert in moderne CRM- (Kundenbeziehungsmanagement) und Vertriebssysteme, arbeitet an von künstlicher Intelligenz gestützten Prozessen und entwickelt mit dem IT-Partner Nexus eine Online Buchungsmaschine für kleine und mittelständische Geschäftsreisekunden.
Orth sieht KI nicht als Bedrohung. Sie solle Prozesse effizienter machen, Mitarbeitende entlasten und Kundenerlebnisse verbessern, sagt er. Buchungstools und CRM mit KI könnten Abläufe beschleunigen und die Kundenansprache individueller machen. Entscheidend bleibe aber die Beratung.
Nach seiner Einschätzung ist die wachsende Komplexität im Reisegeschäft Last und Chance zugleich. Streiks, Kerosinmangel, Inflation, Überbuchungen, Naturereignisse, Kriege und geschlossene Lufträume erhöhten den Beratungsbedarf. Genau dort könne LCC Vertrauen schaffen.
Neues Berufsbild für Reiseprofis
Neben KI und Technologie rückt LCC Personalthemen in den Mittelpunkt. Employer Branding, Nachwuchsförderung, Recruiting und Personalgewinnung sollen stärker zusammengeführt werden. Orth sagt, Personal sei der Dreh- und Angelpunkt des Geschäfts – in Zeiten von KI erst recht.
Der Verbund will das Berufsbild in der Reisebranche neu definieren und aktiver kommunizieren. Dabei geht es auch um Unternehmertum. LCC sieht sich als Netzwerk inhabergeführter Büros, das junge Perspektiven stärker einbindet und eine Next-Gen-Community aufbaut.
Zum 35-jährigen Bestehen engagiert sich LCC außerdem sozial. Gemeinsam mit Fly & Help und in Kooperation mit der Help Alliance soll über mehrere Jahre ein Schulprojekt in Tansania unterstützt werden. Dafür sollen 175.000 Euro gesammelt werden.
Christian Schmicke
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