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4. Dezember 2020 | 18:26 Uhr
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LH kündigt Abkommen mit Condor über Zubringerdienste

Der Airline-Konzern hat den langjährigen Deal mit dem Ferienflieger, der es Condor erlaubt, Zubringerflüge mit Lufthansa über die eigenen Vertriebskanäle zu vermarkten, zum Juni aufgekündigt. Condor stellt das vor Probleme. Das gerade aus dem Schutzschirmverfahren entlassene Unternehmen prüft juristische Schritte.

Condor Boeing 767 Langstrecke Foto Condor

Condor erhält auf der Langstrecke massiven Gegenwind von Lufthansa

Eine vergleichbare Situation gab es vor einiger Zeit schon einmal: Als klar wurde, dass das Mutterunternehmen der polnischen Fluggesellschaft LOT, PGL, Condor übernehmen wollte, drohte Lufthansa damit, die Zubringerflüge für Condor zu beenden. Dass sich der Deal schließlich zerschlug, entspannte die Sache wieder.

Doch offenbar nur auf Zeit: Nun kündigte Lufthansa die langjährige Übereinkunft, die es Condor ermöglicht, Zubringerflüge mit Lufthansa in das eigene Flugpaket zu integrieren und eigenständig mit einem Preis zu versehen. Diesmal weht der Wind aus einer anderen Richtung. Denn im Zuge der Corona-Pandemie ist der ohnehin geplante Ausbau des touristischen Geschäfts, Projektname "Ocean", für Lufthansa noch wichtiger geworden. Und in diesem Segment konkurrieren der Kranich und Condor unmittelbar miteinander.

"Eigene Flugzeuge auslasten"

Laut der Nachrichtenagentur „DPA“ begründete ein Lufthansa-Sprecher die Kündigung des Special „Pro Rate Agreements“ mit dem Argument, dass man die eigenen Flugzeuge auslasten müsse. Lufthansa verliert mit der Aufkündigung des Deals zwar im innerdeutschen Geschäft, hofft aber offenbar, damit Flüge  zu touristischen Zielen vor allem auf der Langstrecke besser vermarkten zu können.

Welche Optionen sich für die Zeit nach dem Auslaufen der Kooperation für Condor böten, prüfe man gerade, heißt es von Condor. Lufthansa verwies gegenüber „DPA“ darauf, dass das sogenannte Interlining, das die Verknüpfung von Flügen auf einem Ticket und Umsteigen ohne erneutes Einchecken von Gepäck ermöglicht, weiterlaufe. Doch dieses Minimalabkommen nimmt den Carrier, mit dem die Anschlussflüge gebucht sind, zum Beispiel dann nicht in die Pflicht, wenn sich diese verspäten.

Zubringer sind für Lufthansa profitabel

Dass Lufthansa freiwillig auf die Einnahmen aus dem Agreement für Anschlussflüge verzichtet, die dem Unternehmen laut Brancheninsidern pro Jahr 50 Millionen Euro Gewinn in die Kassen gespült haben sollen, zeigt, wie viel Druck Lufthansa beim Projekt „Ocean“ machen will. Dieses soll nach den eher mittelmäßigen Erfolgen von Eurowings die Position der größten deutschen Airline auf der touristischen Langstrecke massiv stärken und die Stückkosten deutlich senken. Unternehmensintern ist das Projekt umstritten, weil es den Beschäftigten deutlich schlechtere Konditionen bietet als es ihre bisherigen Tarifverträge vorsehen.

Condor sieht Wettbewerbsverzerrung

Condor halte das Vorgehen von Lufthansa für rechtswidrig und prüfe juristische Schritte, sagte eine Sprecherin Reise vor9. Staatshilfen würden dazu ausgenutzt, um Konkurrenten aus dem Markt zu verdrängen und eine marktbeherrschende Stellung zu zementieren. Ein Verdrängungswettbewerb zwischen zwei Unternehmen, die beide Staatshilfen für ihren Fortbestand erhalten hätten, sei kein guter Weg. Zudem forciere Lufthansa ein touristisches Wachstum, für das Mitarbeiter ohne tarifliche Bindung eingestellt würden, die zuvor gekündigt worden seien, kritisiert Condor.

All dies könnte dem Ferienflieger einigermaßen egal sein, wäre da nicht der massive Attraktivitätsverlust, den die eigenen Langstrecken für Kunden erleiden, die fernab der eigenen Fernstrecken-Startpunkte liegen. Auch das Veranstaltergeschäft des Ferienfliegers könnte deutlich darunter leiden.

Christian Schmicke

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