Luftfahrt-Lobby fordert Neubewertung des Streikrechts
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) warnt angesichts zahlreicher Arbeitskämpfe vor einer Eskalation im Luftverkehr. Nach Streiks bei Lufthansa, einem Komplettausfall am BER und neuen Streikvoten fordert der Verband eine Neubewertung des Streikrechts für kritische Infrastrukturen.
iStock/Astrid860
Der BDL wünscht sich angesichts der aktuellen Dynamik bei Airline-Streiks eine Neubewertung des Streikrechts
Der deutsche Luftverkehr stehe unter Druck, so der BDL. Innerhalb weniger Tage fanden mehrere Streiks und Streikankündigungen statt. Am Flughafen Berlin-Brandenburg fiel der Betrieb komplett aus. Zuvor hatten Piloten der Lufthansa-Gruppe an zwei Tagen die Arbeit niedergelegt. Mehr als 1.200 Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München wurden gestrichen. Bereits im Februar waren bei einem weiteren Streik rund 800 Flüge annulliert worden.
Weitere Konflikte zeichnen sich ab
Ein Ende der Auseinandersetzungen ist laut BDL nicht absehbar. Bei Eurowings stimmten gerade 94 Prozent der Piloten für einen möglichen Streik. Auch beim Kabinenpersonal von Lufthansa Cityline und beim Bodenpersonal laufen Abstimmungen.
Im Kern geht es um unterschiedliche Tarifkonflikte. Piloten fordern höhere Arbeitgeberbeiträge zur betrieblichen Altersversorgung. Die Gewerkschaft Verdi verlangt für Beschäftigte unter anderem sechs Prozent mehr Gehalt oder mindestens 250 Euro monatlich.
BDL fordert Lösungen und Debatte
Der Branchenverband sieht die Entwicklung mit Sorge. "Es braucht tragfähige Lösungen am Verhandlungstisch und nicht Sturheit auf der Straße", heißt es. Streiks im Luftverkehr hätten eine besondere Dimension und träfen nicht nur Airlines, sondern auch Passagiere, Wirtschaft und die internationale Anbindung.
Vor diesem Hintergrund stellt der BDL die grundsätzliche Frage, ob das Streikrecht für kritische Infrastrukturen neu austariert werden sollte. Die Debatte wird in der Branche seit längerem geführt.
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