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14. März 2026 | 10:32 Uhr
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Lufthansa und Gewerkschaft streiten über Streikauswirkungen

Nach dem zweitägigen Pilotenstreik bei Lufthansa ist ein Streit über das Ausmaß der Ausfälle entbrannt. Während die Airline ihren Sonderflugplan als weitgehend erfüllt sieht und von mehr als der Hälfte durchgeführter Flüge spricht, kommt die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit auf deutlich höhere Ausfallquoten.

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Wie "erfolgreich" der Pilotenstreik bei Lufthansa war, bleibt umstritten 

Der zweitägige Streik der Piloten bei Lufthansa ist beendet, doch über seine Wirkung herrscht Uneinigkeit. Die Airline erklärt, sie habe ihren Sonderflugplan eingehalten und damit mindestens die Hälfte der üblichen Flüge angeboten. Auf der Langstrecke sollten 60 Prozent der Verbindungen stattfinden.

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit kommt zu einem anderen Ergebnis. Nach ihrer Darstellung fielen am ersten Streiktag von 800 geplanten Flügen knapp 80 Prozent aus, also mehr als 600 Verbindungen. Am zweiten Tag seien von etwa 700 geplanten Flügen mehr als 550 gestrichen worden, ebenfalls knapp 80 Prozent. VC-Präsident Andreas Pinheiro spricht von einem "sehr erfolgreichen" Arbeitskampf und verweist auf eine hohe Beteiligung der Pilotinnen und Piloten.

Die Zahlen der Flughafenbetreiber zeigen indes erhebliche Einschränkungen. Nach Angaben von Fraport wurden am zweiten Streiktag in Frankfurt rund 450 von 1.225 geplanten Starts und Landungen gestrichen. Am ersten Tag waren es demnach rund 400 von 1.165 Flugbewegungen. In München fielen am zweiten Streiktag 180 von rund 800 Flugbewegungen aus. Die Zahlen beziehen sich auf alle Airlines, die Ausfälle werden aber im Wesentlichen Lufthansa zugeordnet.

Vorwurf der Schönfärberei

Die Gewerkschaft wirft Lufthansa vor, die Wirkung des Streiks kleinzureden. VC-Vizepräsidentin Katharina Diesseldorff sagt, der Konzern habe "natürlich ein Interesse daran, seine Zahlen möglichst positiv darzustellen". Ihre Zahlen zeigten dagegen sehr deutlich, "dass die Beteiligung sehr hoch ist". Auch Arne Karstens aus der Tarifkommission zweifelt die Angaben der Lufthansa an. Dass das Unternehmen seine Zahlen "gerne etwas geschönt darstellt, ist ein bekanntes Vorgehen", sagt er.

Lufthansa weist die Vorwürfe zurück, ohne sich auf einen offenen Schlagabtausch einzulassen. Ein Sprecher erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Wir halten nichts von gegenseitigen öffentlichen Bezichtigungen und werden uns insofern nicht daran beteiligen."

Sonderflugplan mit Ersatzmaßnahmen

Um die Auswirkungen des Streiks zu begrenzen, hatte Lufthansa für beide Tage einen Sonderflugplan aufgestellt. Geplant war, größere Flugzeuge einzusetzen, freiwillige Crews fliegen zu lassen und Verbindungen von nicht bestreikten Konzernairlines übernehmen zu lassen.

In Frankfurt flogen nach Angaben der Hessenschau teils auch Piloten, die ins Management gewechselt sind, aber ihre Lizenz behalten haben. Außerdem sollten Flüge zu europäischen und interkontinentalen Zielen trotz Streiks durchgeführt werden.

Ganz vom Arbeitskampf ausgenommen waren Verbindungen in den Nahen Osten, darunter Flüge nach Ägypten, Israel, Jordanien, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Keine Bewegung im Tarifkonflikt

In der Sache selbst gibt es weiter keine Annäherung. Bei Lufthansa und Lufthansa Cargo streiten beide Seiten über die Betriebsrenten von rund 4.800 Pilotinnen und Piloten. Bei Lufthansa Cityline ging es am ersten Streiktag zusätzlich um höhere Gehälter.

Christian Schmicke

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