Marktforscher erwarten Umbruch bei Suche und Buchung
Künstliche Intelligenz, digitale Identität und neue Buchungswege prägen 2026 die Reiseindustrie, prognostizieren die Marktforscher von Phocuswright. Sie erwarten, dass "agentische KI" zur zentralen Schnittstelle für Planung und Buchung wird, während die klassische Suche an Bedeutung verliert.
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Das Buchungsverhalten steht nach Einschätzung von Phocuswright vor einem Umbruch
Phocuswright rechnet für 2026 mit tiefgreifenden Veränderungen in der Reiseindustrie. Im Zentrum steht der Übergang von experimenteller zu produktiver Nutzung künstlicher Intelligenz. Agentische KI-Systeme sollen nicht nur informieren, sondern Reisen autonom planen und buchen. Damit geraten bestehende Geschäftsmodelle unter Druck.
Nach Einschätzung der Analysten wird KI zur wichtigsten Schnittstelle zwischen Kunden und Anbietern. Sprachbefehle oder Kalendereinträge könnten künftig komplette Buchungsprozesse auslösen. Klassische Suchmaschinen verlören an Relevanz. Bereits Ende 2025 nutzten 39 Prozent der US-Reisenden KI-Tools zur Reiseplanung, erklärt Phocuswright. Für 2026 erwarten die Analysten einen Anteil von über 50 Prozent.
Digitale Identität und Biometrie gewinnen an Bedeutung
Gleichzeitig warnen die Marktforscher vor strukturellen Problemen. Daten-Silos, unklare Governance und intransparente Entscheidungslogiken großer Sprachmodelle bremsten den Fortschritt. Anbieter, die ihre Inhalte und Schnittstellen nicht KI-tauglich aufbereiteten, riskierten Sichtbarkeit und Marge.
Ein weiterer Schwerpunkt ist digitale Identität. Biometrische Verfahren sollen Prozesse vom Grenzübertritt bis zum Hotel-Check-in beschleunigen. Analysten rechnen damit, dass kryptografisch verifizierbare Identitätsnachweise Standard werden. Sie sollen Betrug reduzieren, Zahlungen erleichtern und personalisierte Angebote ermöglichen. Unterschiedliche regulatorische Ansätze in China, den USA und Europa erhöhen jedoch die Komplexität.
Erlebnisse, Luxus und neue Quellmärkte
Inhaltlich rückt laut Phocuswright das Reiseerlebnis weiter in den Fokus. Statt Checklisten-Reisen suchten Gäste kuratierte Angebote mit persönlichem Bezug, heißt es. Besonders im Nahen Osten erwarten die Analysten weiteres Wachstum im Ultra-Luxus-Segment, getragen von hohen Investitionen in Resorts, Wellness und durch "maßgeschneiderte Angebote".
Auf der Nachfrageseite gewinnen nach Einschätzung der Marktforscher neue Quellmärkte an Gewicht. Indien und Südkorea entwickeln sich demnach zu wichtigen Treibern des Auslandsreiseverkehrs in Asien. In China nehme der internationale Incoming-Tourismus zu, vor allem jenseits der klassischen Metropolen.
Preise, Loyalität und Investitionen unter Druck
Auch beim Pricing erwarten die Analysten Veränderungen. Echtzeitbasierte, kontextabhängige Preise sollen klassische dynamische Modelle ergänzen. Gleichzeitig reagierten Verbraucher auf wirtschaftlichen Druck mit der kreativen Nutzung von Bonusprogrammen.
Unterm Strich rechnen die Phocuswright-Analysten 2026 mit einer Phase der Konsolidierung. Weniger Visionen, mehr belastbare Ergebnisse. Kooperationen zwischen etablierten Systemen und KI-Plattformen gelten nach Einschätzung der Marktforscher als entscheidend für den künftigen Erfolg.
Christian Schmicke