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19. Oktober 2018 | 12:18 Uhr
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Mit Tourismusmanagement Overtourism vermeiden

Dort wo sich Massen von Urlaubern drängen, hat die Verwaltung bei der Steuerung der Touristenströme versagt, sagt Professor Harald Zeiss. Für den Geschäftsführer des Instituts für nachhaltigen Tourismus liegt das klar auf der Hand: "Overtourism ist nichts anderes als Undermanagement." 

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Werden die schönen Plätze der Welt, die alle besuchen wollen, nicht gemanagt, sorgen die Besuchermassen für Müll, Lärm, Gedränge und Geschubse. Das mögen weder Besucher noch Bewohner. "Erwartung und Wirklichkeit stimmen nicht mehr überein", erklärt Zeiss. Der Hotspot wird zum Problemfall. Hier wird es für die Reiseindustrie kritisch, denn es gibt bereits Listen mit Top-Destinationen, die man meiden soll. Bei "Fodor’s No List 2018" werden unter anderem Venedig, der Taj Mahal im indischen Agra und Amsterdam aufgeführt.

Als Ursachen von Overtourism hat Tourismusexperte Zeiss unter anderem Billigfluggesellschaften, Kreuzfahrtschiffe und die boomende Sharing Economy mit ihrem Paradebeispiel Airbnb ausgemacht. Auch Internet und soziale Medien tragen dazu bei, indem gepostete Geheimtipps in kurzer Zeit zum Massenziel werden. Großen Einfluss habe auch der Megatrend Authentizität. Er sorge dafür, dass Reisende nicht im Hotel residieren wollen, sondern in privaten Unterkünften, um vermeintlich so wie die Bevölkerung zu leben. Ein Trend, der die Urlauberströme der Kontrolle entzieht.

Bündel von Maßnahmen sind nötig

Um die Lage zu entspannen, versuchen die Hotspots die Besucherzahlen zu verringern. So limitiert Barcelona Hotels und Unterkünfte, Venedig führt Zugangsbeschränkungen ein und Dubrovnik begrenzt den Zugang auf 5.000 Touristen. "Doch diese Beispiele zeigen die Hilflosigkeit der Verwaltung", so der Tourismusexperte. Denn nur auf eine Regulierungsmöglichkeit zu setzen, reiche nicht aus. Vielmehr sei ein Gesamtpaket erforderlich: Regulierung des Zugangs, höhere Steuern zu Lasten der Leistungsträger, Regulierung des Angebots an Unterkünften, Einsatz der Einnahmen aus Steuern und Gebühren zu Gunsten der Bevölkerung und proaktive Kommunikation, um Touristen besser zu verteilen. Dazu müssten Urlauber wissen, was es sonst noch alles in einer Region zu sehen gibt.

Als positives Beispiel führte Prof. Zeiss Amsterdam an, das jährlich von 18 Millionen Touristen besucht wird. Overtourism sei dort Wahlkampfthema gewesen. Hauptproblem seien die Partytouristen, die Lärm und Müll verursachen. Die Stadtverwaltung versucht durch Kommunikationsmaßnahmen, die Besucherströme zu verteilen. So werden der Strand von Zandvoort als Amsterdam Beach und das Schloss Muiderslot als Amsterdam Castle beworben. Reiseführer sollen ihre Gruppen in andere Stadtviertel leiten. Wohnungsvermietungen werden im kommenden Jahr eingeschränkt, Apartments dürfen nur noch 30 Tage im Jahr an Reisende vermietet werden. In der Innenstadt werden keine neuen Hotels genehmigt. Die Gästetaxe wird erhöht, Stadt-Ranger sollen für Ordnung sorgen und saftige Strafen für Verstöße kassieren. Einige Straßen im Rotlichtviertel werden künftig für bestimmte Zeit geschlossen. Das Kreuzfahrtterminal soll aus der Stadt verlegt werden.

Infratsruktur für attraktive Regionen

Auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Markus Tressel hält eine Steuerung und nachhaltige Entwicklung des Tourismus für notwendig, um langfristige Erfolge zu erzielen. Denn eine Destination sei nur dann attraktiv, wenn ihre Umwelt intakt sei und sie gute Lebensbedingungen biete. "Das Ziel ist, die Attraktivität der Destination zu erhöhen, ohne sie zu zerstören", sagte Tressel, der Mitglied des Tourismusausschusses des Bundestags ist. Wenn es Probleme durch Overtourism gebe, müsse man regulierend eingreifen, das schade jedoch auch der Destination. Besser sei es, frühzeitig Strategien für nachhaltigen Tourismus zu entwickeln und zum Beispiel mit aktivem Destinationsmanagement, die Leute aus der Stadt zu locken und die Tourismusströme zu entzerren. Gefordert seien Bund, Länder und Kommunen, aber auch Verbände und Leistungsträger des Tourismus und die Medien. "Es ist wichtig, dass Zukunftsfragen des Tourismus thematisiert und diskutiert werden", fordert der Grünen-Politiker. Derzeit boome der Tourismus in Berlin, München, Hamburg, an Nord- und Ostsee, aber in attraktiven Regionen wie etwa dem Harz laufe wenig. Dies könne zum Beispiel mit Infrastruktur-Maßnahmen gesteuert werden. Überlaufene Hotspots würden dadurch entlastet und andere Regionen gefördert. Wenn man weitere attraktive Destinationen in Deutschland aufbaue, würden die bestehenden Anziehungspunkte entlastet, glaubt Tressel. Um Investitionen für den Tourismus zu erleichtern, fordert er eine Tourismus-Förderbank nach österreichischem Vorbild vor. Sie könnte die touristischen Leistungsträger mit den nötigen Krediten versorgen.

Thomas Horsmann

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