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18. November 2020 | 16:45 Uhr
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Reisebüros sind wegen hoher Bürgschaften sauer auf IATA

Der Luftfahrtverband überprüft die Bürgschaften, mit denen Reisebüros belegen müssen, dass sie über eine ausreichende Liquidität verfügen, offenbar auch in diesem Jahr streng. Das bringt die IATA-Agenturen angesichts fehlender Umsätze in die Bredouille.

Euro Geldscheine gruen Foto iStock peterschreiber.media

Die IATA stellt an ihre Vertriebspartner weiter hoher Anforderungen

Wie das Fachportal "FVW" berichtet, hat der Airline-Verband die Bürgschaftsforderung ausgerechnet im Krisenjahr 2020 gegenüber dem Vorjahr in einigen Fällen sogar verdoppelt – besonders dann, wenn sie im Vorjahr gute Umsätze im Airline-Vertrieb verbuchten. Das stellt viele IATA-Agenturen vor große Probleme, denn nur wenn sie die Bürgschaft vorweisen können, können sie weiter bei den IATA-Gesellschaften Flugtickets ordern und sie über deren BSP-System abrechnen.

Neben hohen Bürgschaften berichten Reisebüros auch von Strafzahlungen, die fällig seien, wenn etwa Veränderungen in der Gesellschafterstruktur, Adressänderungen oder neue Handelsregisterauszüge nicht fristgerecht vorgelegt würden. Die IATA habe „nicht im Ansatz verstanden“, in welcher wirtschaftlichen Notlage viele Reisebüros seien, konstatiert DRV-Hauptgeschäftsführer Dirk Inger. Statt zu helfen, presse sie „mit bürokratischen Spitzfindigkeiten den Reisebüros Strafzahlungen ab", zitiert ihn die „FVW“. Dem Verband fehle „jegliche Vision von partnerschaftlichem Verhalten in der Covid-Krise“.

Die hohen Ansprüche der Airline-Lobby an ihre Vertriebspartner wirken um so abstruser, als die Fluggesellschaften selbst in der Klemme stecken und ihre Zukunft in vielen Fällen keineswegs gesichert ist. Dennoch beharren sie weiterhin auf Vorkasse bei Ticketbuchungen und lehnen eine Absicherung angezahlter Kundengelder ab. Ob sich im Reisebürovertrieb künftig noch eine nennenswerte Zahl klassischer IATA-Agenturen findet oder ob sich die Reisebüros notgedrungen auf andere Wege zum Ticketverkauf konzentrieren, steht angesichts dieser Entwicklungen in den Sternen.

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