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27. Januar 2021 | 18:03 Uhr
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Reiserechtler fordert Verbot von Reisen in Hochrisikogebiete

Innenminister Horst Seehofer und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig wollen den grenzübergreifenden Verkehr weiter einschränken. Reiserechtler Ernst Führich spricht sich gar für ein Verbot von Reisen in Hochrisikoländer aus. Gegenwind kommt vom Tourismusbeauftragten und touristischen Verbänden.

Coronavirus Flughafen Stoppschild Symbolfoto Foto iStock BrasilNut1.jpg

Kommt es zu weiteren Einschränkungen im Flugverkehr?

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Seehofer hatte am Dienstag der "Bild"-Zeitung gesagt, die Gefährdung, die von den zahlreichen Virus-Mutationen ausgehe, verlange es, auch drastische Maßnahmen zu prüfen. Dazu gehörten "deutlich schärfere Grenzkontrollen", besonders an den Grenzen zu Hochrisikogebieten, "aber auch die Reduzierung des Flugverkehrs nach Deutschland auf nahezu Null", zitierte das Boulevardblatt Seehofer.

Auch Ministerpräsidentin Schwesig hält eine weitere Beschränkung der grenzüberschreitenden Reisetätigkeit für notwendig, um der Ausbreitung besonders ansteckender Coronavirus-Mutationen entgegenzuwirken. Es gehe darum, "sich vor der Mutation abzuschotten, die durch Reisen von einem Land ins andere gebracht wird", so Schwesig.

Reiseverbote statt "lascher Quarantäne"

Der bekannte Reiserechtler Führich erklärt, es sei "nicht einzusehen, dass Beherbergungsverbote den Inlandstourismus praktisch lahmlegen, die Bevölkerung aber durch touristische Reisen aus Hochrisikogebieten nicht ausreichend geschützt“ werde. Im Gegensatz zum behördlichen inländischen Beherbergungsverbot würden Verstöße gegen amtliche Reisewarnungen bei Auslandsreisen vom Staat bisher geduldet und "nur mit einer schwer zu überwachenden, laschen Quarantäne nach der Rückreise belegt“.

Auf Anfrage von Reise vor9 begründete Führich seinen Appell damit, dass es, je stärker die Ausbreitung des Coronavirus innerhalb Deutschlands durch den Lockdown bis Mitte Februar gebremst werde, umso wichtiger sei, „das Einschleppen von Viren, gerade von Mutanten, von Außen durch Reisen zu verringern. "Durch ein drastisches Herunterfahren der Einreisen aus Hochisikogebieten in den nächsten Wochen hoffe ich, dass die Reisesaison 2021 gerettet wird und wir ab Ostern oder Pfingsten wieder Reisen können“, sagt Führich.

Tourismusbeauftragter fürchtet "weiteren Schlag" für Reiseindustrie

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, warnte dagegen vor weiteren drastischen Einschränkungen des Flugverkehrs. Diese wären für die Reisewirtschaft "ein weiterer harter Schlag“, er der "Deutschen Presse-Agentur". "Erst jüngst haben wir strenge Test- und Quarantänepflichten festgelegt, um dem erhöhten Risiko der Virusmutationen Rechnung zu tragen. Das Vertrauen in diese Verfahren sollten wir nicht gefährden."

Auch der Airline-Verband Iata kritisierte die Vorschläge zur weiteren Einschränkung des Reiseverkehrs. "Wir sind sehr besorgt, dass Regierungen den Flugverkehr einstellen lassen wollen", sagte Iata-Chef Alexandre de Juniac. "Das unterstützen wir nicht." Der Flugverkehr dürfe nicht "zum Sündenbock" gemacht werden, heißt es von dem Airline-Verband weiter.

Auch der DRV hatte vor einer „weiteren Stigmatisierung“ von Reisen gewarnt. Die Bundesregierung "sollte sich deshalb jetzt nicht darauf konzentrieren, unsere ohnehin stark eingeschränkte Reisefreiheit noch weiter einzuschränken", heißt es in einer Mitteilung. Schon jetzt seien touristische Reisen "durch staatliche Entscheidungen fast vollständig zum Erliegen gekommen, und auch der Geschäftsreisesektor liegt völlig am Boden". Es bedürfe vielmehr einer "sachlichen Debatte" und einer Korrektur der „im internationalen Vergleich dramatischen Defizite“ der deutschen Impfstrategie.

Christian Schmicke 

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