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18. Februar 2019 | 17:15 Uhr
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Reiseversicherungen ­– mehr Umsatz, aber

Die Einnahmen aus dem Abschluss von Policen für Reiseversicherungen sind im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Das berichten auf Anfrage von Reise vor9 übereinstimmend Allianz, ERV, Hanse Merkur und URV.

Torsten Haase, Marketing- und Vertriebsvorstand bei der ERV, berichtet, sein Unternehmen verzeichne für das Jahr 2018 eine „sehr positive Umsatzentwicklung“, die Schadensmeldungen seien im Vergleich zum Vorjahr allerdings „überproportional um rund 20 Prozent angestiegen“. Dies sei im Wesentlichen auf eine deutlich erhöhte Schadenfrequenz in den mittleren bis hohen Stornostaffeln zurückzuführen. Die Grippewelle im Februar und März 2018 habe zudem den höchsten Krankenstand in Deutschland seit zehn Jahren ergeben, was sich entsprechend im Schadenanstieg widergespiegelt habe. Im Oktober sei dann nochmals ein starker Anstieg der Stornierungen zu verzeichnen gewesen.

Trend zu steigenden Durchschnittsschäden

Die Hanse Merkur Reiseversicherung konnte Ihre Reiseversicherungsumsätze in 2018 um etwa fünf Prozent steigern, wie Thorsten Tschirner, Vertriebsdirektor für den deutschen Markt, berichtet. Auch bei der Hanse Merkur seien die Schadensquoten allerdings gestiegen. Insbesondere die Reise-Rücktrittsversicherung sei 2018 häufiger als in den Vorjahren in Anspruch genommen worden. Ein Trend zu steigenden Durchschnittsschäden habe sich ebenfalls bestätigt.

Die Union Reiseversicherung (URV) meldet für 2018 ebenfalls Wachstum. Auf der anderen Seite sei man von der Grippewelle im Frühjahr und Spätherbst nicht verschont geblieben. Dadurch hätten sich die Schadenszahlungen über den geplanten Kosten bewegt. Für 2019 erwarte man erneut ein Wachstum, dann allerdings mit einer „stabilen Entwicklung auf der Schadenseite“.

Reiselustige Senioren sorgen für Kostenanstieg

Olaf Nink, als Mitglied der Geschäftsführung der Allianz Partners Deutschland GmbH für die Vertriebsaktivitäten in den deutschsprachigen Märkten verantwortlich, hat bei leicht gestiegenen Umsätzen ebenfalls höhere Schadenssummen ausfindig gemacht. Ein erheblicher Teil des Kostenanstiegs komme durch Schadensfälle bei reisefreudigen Senioren zustande, erklärt er im Gespräch mit Reise vor9. Vor allem "Großschäden", also Schadenssummen im bisweilen sechsstelligen Bereich, gingen bei der Reisekrankenversicherung überproportional häufig auf das Konto hochbetagter Urlauber, die nicht selten auf Fernreisen unterwegs seien. Deren Zahl steige mit der demografischen Entwicklung zwangsläufig weiter an.

Auf dem Weg zu stärkerer Differenzierung

Bis auf die URV, die bei der Reiserücktrittskostenversicherung weiter bis auf weiteres daran festhält, diese altersunabhängig anzubieten und die auch auf eine Differenzierung nach Destinationen oder Verkehrsmitteln bislang verzichtet, setzen alle Versicherer auf differenzierte Preismodelle. Die Hanse Merkur, zum Beispiel, differenziert bisher die Jahresversicherungen und die Reise-Krankenversicherungen nach der Altersgruppe bis 65 und ab 65. Weitere Differenzierungen sind Reisearten, zum Beispiel rabattierte Prämien für landgebundene Reisen, und Buchungsverhalten, zum Beispiel mit rabattierten Prämien für Last-Minute-Produkte, sowie Zielgebiete. Für Aufenthalte in den USA und Kanada sind die Prämien höher.

ERV-Manager Haase erklärt, von risikogerechten Prämien für den einzelnen Versicherten würde „letzten Endes die gesamte Versicherungsgemeinschaft profitieren“. Es gehe dabei um eine Individualisierung von Reiseschutzprodukten, bei denen sich die Prämien an individuellen Kundenparametern orientieren. Die ERV befinde sich dazu in der Erarbeitung eines Pilotprojekts. „Digitalisierung schafft hier ganz neue Möglichkeiten“, sagt Haase.

Christian Schmicke

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