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4. Oktober 2019 | 07:00 Uhr
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Studiosus beendet schwieriges Jahr mit leichtem Minus

Ein Jahr mit „vielen schlechten Nachrichten für die Reisebranche“ neigt sich dem Ende entgegen, resümiert Studiosus-Chef Peter-Mario Kubsch (Foto). Und die Klimadebatte zeige Auswirkungen auf das Geschäft. Der Marktführer für Studienreisen registriert bei Teilnehmern wie beim Umsatz erste Einbußen. Kubsch: „Da ist etwas in Bewegung geraten.“

Kubsch Peter-Mario Studiosus Geschäftsführer

Studiosus werde das Jahr 2019 mit 103.800 Teilnehmern abschließen, sagt Geschäftsführer Peter-Mario Kubsch. Das bedeute ein Minus von 1,4 Prozent. Beim Umsatz der Studiosus-Gruppe, zu der auch Marco Polo gehört, fällt der Rückgang mit 1,7 Prozent ähnlich hoch aus. Hier würden 277 Millionen Euro Umsatz in den Büchern stehen, so Kubsch. Zwar sei das Jahr noch nicht vorbei und die Zahlen eine Hochrechnung, aber die beruhe auf mehr als 99 Prozent der Buchungen.

„Flugscham wird uns weiter beschäftigen“

Mit dem leichten Minus sei Studiosus noch „gut weggekommen“, glaubt Kubsch. „Flugscham wird ein großes Thema“, ist er überzeugt, da sei etwas in Bewegung geraten. „Ich glaube, die Klimadebatte wird uns weiter beschäftigen.“ Kubsch findet sie richtig und notwendig. Die Diskussion greife aber zu kurz. Nachhaltigkeit sei mehr als Klimaschutz. Reisen diene der Völkerverständigung und trage zur sozialen Entwicklung in den Zielgebieten bei. „Reisen macht Sinn“, ist Kubsch überzeugt, es müsse aber nachhaltiger gestaltet werden.

Für nächstes Jahr wagt Kubsch keine Prognose. „Das wird ein schwieriges Jahr“, sagt er. Die Thomas-Cook-Pleite habe viel Vertrauen in die Veranstalterreise zerstört. Die Folgen seien heute noch nicht absehbar.

Karawane zieht wieder von West nach Ost

Beim Blick auf die zahlenmäßige Entwicklung der Zielgebiete macht Kubsch zwei große Trends aus. Einmal die Verlagerung der Nachfrage vom westlichen Mittelmeer ins östliche. Italien, Spanien und Portugal sind bei Studiosus zweistellig eingebrochen, das größte Ziel Italien um 14 Prozent.

Schuld an dem Italien-Absturz seien vor allem die vielen negativen Nachrichten um den Ex-Innenminister Matteo Salvini und die Flüchtlingsdramen. „Das bewegt unsere Kunden“, weiß Kubsch. Außerdem stimme in Italien das Preis-/Leistungsverhältnis nicht. Auch Spanien und Portugal hätten es mit den Preisen übertrieben und bekämen dafür die Quittung. Gewinner dieser Urlauberwanderung seien Griechenland und die arabischen Länder.

Einstiges Boom-Ziel Iran bricht ein

In der Golfregion gibt es eine Ausnahme, der Iran. Kriegsangst habe die Teilnehmerzahlen des noch vor zwei Jahren boomenden Ziel einbrechen lassen, sagt Kubsch. Allein dieses Jahr buchten um die Hälfte weniger Gäste.

Der zweite Trend sei eine Verlagerung der Nachfrage aus den nordischen Ländern nach Osteuropa, sagt Kubsch. Während Island, Irland, Großbritannien, das Baltikum und Skandinavien Gäste verloren hätten, legten Russland und der Kaukasus zu. Dort konnten die Shooting-Stars Georgien und Armenien die Teilnehmerzahlen fast verdoppeln.

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