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5. Oktober 2020 | 16:26 Uhr
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Studiosus-Chef liest der Branche die Leviten

Durch die Verschleppung der Rückzahlung von Kundengeldern und die lange Gutscheindebatte hätten Airlines und Veranstalter viel Vertrauen verspielt, sagt Peter-Mario Kubsch. Für seine Veranstaltermarken Studiosus und Marco Polo hofft er auf 2021 und will unter anderem mit Deutschland-Reisen punkten.

Kubsch Peter-Mario

Peter-Mario Kubsch hofft, dass es in der zweiten Hälfte 2021 wieder bergauf geht

Eine Umfrage der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) habe ergeben, dass das größte Buchungshindernis derzeit die Angst der Kunden sei, ihr Geld nicht zurückzuerhalten, wenn ihr Urlaub nicht stattfinden könne, erläutert Kubsch. Erst an zweiter Stelle folge die Angst vor Infektionen. Das zeige, wie groß die Verunsicherung im Hinblick auf das Verhalten der Anbieter sei. "Die Branche hat viel Vertrauen verspielt", bilanziert der Studiosus-Chef.

Für sein Unternehmen nimmt Kubsch in Anspruch, stets fair geblieben zu sein, obwohl der Umsatz von Studiosus in diesem Jahr auf magere zehn Prozent des Vorjahres einbrach. Studiosus habe alle geleisteten Anzahlungen seiner Kunden in Folge der durch Reisewarnungen notwendig gewordenen Reiseabsagen gesetzeskonform zurückgezahlt und sich als verlässlicher Partner erwiesen. Auch der volle Kundenservice sei seit Beginn der Corona-Krise durchgängig aufrechterhalten worden.

Gut gerüstet dank "großer Rücklagen"

Für die Bewältigung der Corona-Krise sieht sich Studiosus "dank seiner großen Rücklagen“ gut gerüstet. Kubsch sagt dazu: "Wir haben für Zeiten wie diese vorgesorgt und sind gewillt, mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Herausforderung der Corona-Pandemie zu meistern. Dafür braucht es einen langen finanziellen Atem. Und den haben wir." Auch das Kurzarbeitergeld helfe dabei natürlich sehr, die Kosten im Griff zu behalten.

Für die neue Saison rechnet der Studiosus-Geschäftsführer erst ab dem zweiten Quartal 2021 mit einer schrittweisen Belebung der Nachfrage. Das Angebot habe Studiosus entsprechend angepasst und biete verstärkt Termine in der zweiten Jahreshälfte an. Dabei setze man insbesondere auf europäische Reiseziele, die gut mit Bus und Bahn zu erreichen sind, sagt Kubsch. Mit dabei sind auch Reisen in Deutschland, das nach 32 Jahren ein Comeback im Studienreisen-Angebot des Veranstalters feiert. Bislang waren Deutschland-Reisen nur im Eventreisen-Katalog "Kultimer" veröffentlicht worden.

Reisen in 120 Länder

Daneben bringt Studiosus nach dem Prinzip Hoffnung insgesamt neun Kataloge auf den Markt. Neben zwei Studienreisekatalogen sind auch Programme für Singles & Alleinreisende, Städtereisen und Reisen in kleinen Gruppen erschienen. Zudem hat die Studiosus-Tochter Marco Polo vier Kataloge mit Entdeckerreisen veröffentlicht. Rund 50 der mehr als 400 Touren in 120 Länder seien neu im Programm, berichtet Kubsch. Im Hinblick auf die unsicheren Perspektiven für das nächste Jahr erklärt er, Studiosus sei in der Lage, das Angebot schnell bedarfsgerecht auszuweiten oder zu verkleinern.

Wie bereits angekündigt, kompensiert der Studienreisespezialist künftig die Treibhausgase, die beim Flug, durch Transporte im Zielgebiet, Übernachtungen und Verpflegung entstehen, durch Investitionen in Klimaschutzprojekte. Damit seien Gäste von Studiosus und Marco Polo "umfassend klimaneutral unterwegs", wirbt Kubsch. Das Geld für die CO2-Kompensation der Reisen fließt in den Bau von Biogasanlagen in Nepal. Dabei arbeitet Studiosus mit der Klimaschutzorganisation Myclimate zusammen.

Christian Schmicke

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