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2. Juni 2021 | 15:06 Uhr
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Tansania-Lodge-Betreiber weist "Querdenker"-Nähe zurück

Nachdem der hierzulande bekannte Corona-Leugner Bodo Schiffmann die Hatari Lodge zum möglichen Startpunkt für von ihm organisierte "Querdenker“-Safaris erklärte, distanziert sich Betreiber Jörg Gabriel von seinem vermeintlichen Geschäftspartner. Er habe weder Reservierungen von Schiffmann entgegengenommen noch werde er welche annehmen, stellt er klar.

Kilimandscharo

In Tansania, hier der Kilimandscharo, ist ein deutscher "Querdenker" unterwegs

Der früher als HNO-Arzt in Sinsheim praktizierende Schiffmann hatte sich im Februar aus Deutschland nach Tansania abgesetzt, nachdem die Staatsanwaltschaft wegen falsch ausgestellter Atteste gegen ihn ermittelte und ihm seine Praxis in der GRN-Klinik gekündigt worden war. In Tansania will der Mediziner, der zu den prominentesten Köpfen der sogenannten "Querdenker"-Szene zählt und gerne ohne konkreten Beleg über schwere Erkrankungen wegen Masken-Tragens oder nach Corona-Impfungen schwadroniert, seiner Gefolgschaft nun Safari-Reisen verkaufen, angeblich inklusive Charterflug ab Deutschland. Um diesen zu starten, müssten allerdings "einige von Euch in Vorleistung gehen", so Schiffmann.

Video suggeriert Nähe zu Akteuren vor Ort

In einem Youtube-Video vor dem Hintergrund der Hatari Lodge sagt Schiffmann, der die Betreiber für ihre Deutschkenntnisse und ihre Erfahrung lobt: "Das wäre unser Ausgangspunkt". Nachdem der "Querdenker" das Motto seiner Reisen mit "Freunde bei Freunden zu Gast" etikettiert hatte, lag der Eindruck nahe, man habe sich auf eine Zusammenarbeit mit der Lodge geeinigt und sitze in einem Boot.

Ebendies bestreitet Lodge-Betreiber Gabriel gegenüber Reise vor9 energisch und weist zudem jede Nähe zu Corona-Leugnern von sich. Schiffmann sei lediglich zum Mittagessen in der Hatari Lodge gewesen, erklärt er und fügt hinzu: "Ebenso wie viele andere auch." Eine Vereinbarung über die Reservierung von Zimmerkontingenten habe es nie gegeben und es werde sie auch nicht geben. Die Pläne des "Querdenker"-Aktivisten drohten vielmehr, die dringend benötigte touristische Erholung Tansanias zu torpedieren.

Tansania leidet gesundheitlich und ökonomisch

Gabriel, der nach eigenen Angaben im Zuge der Pandemie selbst zweimal an einer Corona-Infektion erkrankte, bestätigt im Gespräch, dass nach seiner Einschätzung Menschen in Tansania an einer Corona-Infektion erkrankt und auch gestorben seien. Nur werde die Todesursache vielerorts ohnehin nicht ermittelt, und eine Verbindung zum Coronavirus herzustellen, sei unter dem mittlerweile verstorbenen Präsidenten John Magufuli ohnehin verboten gewesen. Hinzu komme die Lebensrealität in einem ostafrikanischen Land. Social Distancing und zu Hause zu bleiben, das sei unter den Bedingungen, denen die Menschen ausgesetzt seien, für viele nicht möglich.

In Tansania selbst scheint sich unterdessen unter der neuen Präsidentin Samia Suluhu Hassan eine Wende anzudeuten, wenn auch in zaghaften Schritten. Anfang Mai passte die Regierung die Einreisevorschriften an internationale Standards an. Einreisende müssen jetzt einen negativen PCR-Test vorlegen. Zudem empfahl laut "FAZ" ein von der Präsidentin einberufenes Gremium von Fachleuten kürzlich, die Regierung solle wieder eine Statistik über die Infektionslage vorlegen, nachdem Tansania zwei schwere Infektionswellen hinter sich habe und möglicherweise auf eine dritte zusteuere. Die Berater empfahlen zudem, von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Impfstoffe zu beschaffen.

Christian Schmicke

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