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1. April 2022 | 16:07 Uhr
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Thema Nachhaltigkeit ist bei Geschäftsreisen angekommen

Immer mehr Unternehmen wollen bei Geschäftsreisen Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt sehen. Jedes dritte Unternehmen frage bei Ausschreibungen nach Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes, sagt Eugen Triebelhorn, Deutschland-Chef des Geschäftsreisedienstleisters Travelperk.

CO2-Fußabdruck

Für Unternehmen wird der CO2-Fußabdruck ihrer Geschäftsreisesparte immer wichtiger

Der Druck, Geschäftsreiseaktivitäten auf ihren Klimaeffekt abzuklopfen, komme von zwei Seiten, sagte Triebelhorn bei einem von Travelperk organisierten Round-Table-Gespräch. Bei großen Unternehmen, vor allem bei börsennotierten, gehe die Initiative vom Vorstand aus. Es sei aber auch zu beobachten, dass vor allem jüngere Mitarbeiter immer öfter einen Blick auf die CO2-Bilanz einforderten.

Lutz Nauert, Senior Vice Präsident des Geschäftsreiseanbieters BCD Travel, hält Nachhaltigkeitsaspekte ebenfalls für relevant bei der Wahl der Dienstleister. Das Thema zähle mittlerweile zu den Top-Drei-Punkten auf der Agenda der Firmenkunden. Dabei gehe es längst nicht mehr nur um die Erfassung von Daten, sondern auch um Einsparungen durch Vermeidung und Kompensation. Die Unternehmen wollten Lösungen sehen.

Schlüsselfaktor E-Mobilität

Für Autovermieter Enterprise liegt die Lösung naheliegenderweise in der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte, wie Manager Chris Holler erläuterte. Das stoße vor allem aufgrund geringer Reichweiten und einer lückenhaften Ladelogistik auf Widerstände, räumte er ein. Aber auch so bewege sich viel. Schließlich sei die eigene Flotte im Schnitt nur neun Monate alt, während das Durchschnittsalter der Pkws in Deutschland bei fast zehn Jahren liege. Die Kundschaft greife daher immer auf die aktuellste Technik zu. Und die Elektroflotte werde nach und nach ausgebaut.

Um bei Geschäftsreisen wirksame Maßnahmen für mehr Umwelt- und Klimaschutz einleiten zu können, müsse zunächst der CO2-Fußabdruck der Geschäftsreisen quantifiziert werden, sagte Maximilian Behr von der Umweltagentur Climate Partner. Dafür kursierten derzeit noch sehr unterschiedliche Standards.

Wieviel ist Klimafreundlchkeit wert?

Neben unterschiedlichen Standards bei der Messung des Klimaeffekts ist auch die Bereitschaft der Unternehmen, in die Klimafreundlichkeit ihrer Geschäftsreisesparte zu investieren, unterschiedlich ausgeprägt. Manchen genügt es nach Auffassung der Round-Table-Teilnehmer, überhaupt etwas zu tun. Andere gingen das Thema ambitionierter an.

Das ist vor allem bei der Kompensation wichtig. Denn von der Sinnhaftigkeit einzelner Projekte abgesehen gilt der Grundsatz: je schneller die Emission, beispielsweise eines Fluges, ausgeglichen werden soll, desto teurer wird es. Zudem, so sagt Behr, ist das Volumen der vorhandenen Projekte begrenzt. Sollte die Bereitschaft zur Kompensation massiv steigen, müssten entweder vorhandene Projekte ausgeweitet oder neue entwickelt werden.

Vermeidung ist wirksamer

Schneller, auch das ist klar, lässt sich mit der Vermeidung von Emissionen ein nachvollziehbarer Effekt erzielen. Etwa mit dem Verzicht auf Ein-Tages-Flugreisen, längeren Bahnreisen samt Übernachtung sowie die Zusammenlegung mehrere Termine innerhalb einer Reise, wie BCD-Manager Nauert anmerkt. Viele Baustellen, aber auch viel Bewegung kennzeichnen die aktuelle Situation in der Geschäftsreisebranche mit Blick auf den Weg zu klimafreundlichem Reisen.

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