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7. Mai 2019 | 07:00 Uhr
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TUI Cruises wehrt sich gegen Abzocke-Vorwürfe

Die Reederei reagiert auf Vorwürfe, sie und andere Kreuzfahrtunternehmen würden überhöhte Gebühren für medizinische Behandlungen an Bord kassieren. Der Umfang der Behandlung von Gästen und Besatzung richte sich nach dem medizinisch Notwendigen und dem von den Patienten gewünschten Leistungsumfang, heißt es auf Anfrage von Reise vor9. Darauf, dass der Besuch des Hospitals als privatärztliche Leistung im Ausland nicht unter die deutsche Gebührenverordnung für Ärzte falle, würden Gäste hingewiesen.

Mein Schiff 2

TUI Cruises erhält ein eigenes Provisionsmodell

Für ärztliche Leistungen wird ein Honorar gemäß der geltenden Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) berechnet. Unsere Gäste werden auf diese Kosten im sog. Bord ABC – eine Schiffs-Informationsbroschüre, die jeder Gast mit seinen Reiseunterlagen zugesendet bekommt, hingewiesen. TUI Cruises informiere Kunden „vor Antritt der Reise an verschiedenen Stellen darüber, dass deutsche Krankenversicherungen an Bord keine Anwendung finden und empfehle, eine Auslandsreisekrankenversicherung abzuschließen, schreibt das Unternehmen. Darüber hinaus informiere man „auch an Bord im Bordhospital aktiv über zu erwartende Kosten“. Zum Vorwurf überhöhter Gebühren, den Ärzte in dem "Spiegel"-Beitrag geäußert hatten, nimmt TUI Cruises nicht im Detail Stellung. Auch äußert sich die Reederei nicht auf die Frage von Reise vor9 zur Berechnungsgrundlage der Arzt- und Behandlungsgebühren.

Etwas konkreter äußert  sich das Schwesterunternehmen Hapag-Lloyd Cruises. "Für ärztliche Leistungen wird ein Honorar gemäß der geltenden Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) berechnet. Unsere Gäste werden auf diese Kosten im sogenannten Bord ABC – einer Schiffs-Informationsbroschüre, die jeder Gast mit seinen Reiseunterlagen zugesendet bekommt, hingewiesen." 

TUI Cruises hebt indes die Qualität der medizinischen Versorgung hervor. Um die qualifizierte medizinische Versorgung von Gästen und Besatzung an Bord sicherzustellen, sei auf der "Mein-Schiff"-Flotte "ausschließlich deutschsprachiges Fachpersonal im Bereich der medizinischen Versorgung tätig, welches nach modernsten Diagnostik-, Behandlungs- und Sicherheitsstandards für unsere Gäste und Besatzungsmitglieder ausgebildet ist", so die Reederei. Es seien stets zwei Fachärzte mit der Zusatzqualifikation "Rettungsmedizin" sowie drei Gesundheits- und Krankenpfleger an Bord. Diese Betreuung garantiere TUI Cruises „weltweit und rund um die Uhr“. "Unsere Bordhospitäler sind mit modernstem Equipment, einem Labor, einer digitalen Röntgeneinheit, einem OP für kleinchirurgische Eingriffe und einer voll ausgestattete Intensivstation ausgestattet, welches einer Notfallambulanz eines deutschen Krankenhauses entspricht", erklärt eine Sprecherin. Neben der Notfallversorgung biete man "deutsche Qualitätsmedikamente" an und halte eine "bestausgestattete Bordapotheke für die größtmögliche Sicherheit unserer Patienten" vor.

Manche Fragen bleiben offen

Im Artikel werden außerdem die Arbeitsbedingungen an Bord kritisiert. Im Kern bezieht sich die Kritik darauf, dass das Kreuzfahrtunternehmen Bordmedizinern abverlange, mit Krankschreibungen äußerst restriktiv umzugehen. Auch trauten sich verletzte Mitarbeiter bisweilen nicht, vor Schichtende den Arzt zu konsultieren. Auf diesen konkreten Vorwurf geht TUI Cruises nicht ein. Für die "Mein-Schiff"-Flotte gelte, dass "die Arbeitsbedingungen für die Besatzung durch multinationale Abkommen geregelt" seien, die "mit einer verantwortlichen Gewerkschaft in individuellen Tarifverträgen weiter spezifiziert" seien. Diese regelten "ganz genau Gehalt, Arbeitszeiten und sonstige Leistungen".

Die Gehälter bei TUI Cruises lägen über Branchendurchschnitt, schreibt die Reederei. Wichtig für die Einordnung zur Höhe des Gehalts sei, dass im Arbeitsvertrag Zusatzleistungen wie An- und Abreise, Kost und Logis und die medizinische Versorgung übernommen würden. Die Vertragslängen variierten und reichen von drei bis neun Monaten. Damit gehe man auch auf die Wünsche der Besatzung ein. Diese sei "zu 92 Prozent" in Kabinen mit Zweier-Belegung und Einzelbelegung untergebracht. Lediglich auf einem von sechs Schiffen gebe es noch Unterbringungen in Vierer-Kabinen.

Neben TUI Cruises hatte Reise vor9 auch weitere Reedereien gebeten, sich zu den Vorwürfen in dem Bericht des Nachrichtenmagazins zu äußern. Denn das Joint Venture von TUI und Royal Caribbean Cruises wird darin zwar explizit benannt; im Kern richtete sich die Kritik jedoch gegen eine tatsächliche oder vermeintliche Branchenpraxis. Bislang äußerten sic lediglich die beiden TUI-Kreuzfahrtanbieter. Stellungnahmen der weiteren großen Reedereien stehen islang noch aus.

Christian Schmicke