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14. August 2020 | 07:00 Uhr
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TUI hat schon zwei Milliarden Euro verbrannt

Das geht aus dem Geschäftsbericht des Konzerns für die ersten drei Quartale des Geschäftsjahres hervor. Für den kommenden Winter plant TUI mit 40 Prozent weniger Kapazität als ursprünglich vorgesehen, für den nächsten Sommer schrumpft das Angebot um 20 Prozent.

TUI Boeing 787

Um weniger Geld zu verbrennen, will TUI auch die Flugzeugflotte drastisch verkleinern

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Am Tag, nachdem TUI weitere 1,2 Milliarden Euro an staatlichen Hilfen aufgetrieben hatte, folgte der zahlenmäßige Beleg für die finanzielle Misere. 81 Prozent weniger Buchungen für die Sommersaison und Verkaufspreise, die um zehn Prozent unter dem Vorjahr liegen, führen zu einem dramatischen Verlust von zwei Milliarden Euro. Im dritten Quartal von April bis Juni brach der Umsatz um 98,5 Prozent ein.

Vor diesem Hintergrund klingen auch Berichte über die allmähliche Wiederaufnahme des Geschäfts in Europa und anziehenden Nachfrage für den Sommer 2021 nicht verheißungsvoll. Denn ein guter Teil der Buchungen sind Umbuchungen in diesem Jahr geplanter Reisen auf Basis der Gutscheinlösung. Für diese Reisen, bei denen die Anzahlung bereits geleistet wurde, fließt erst kurz vor der Abreise weiteres Geld.

Weniger Kapazität

Mit einer schnellen Wiederbelebung der Nachfrage rechnet der TUI-Vorstand zudem offenbar selbst nicht. Daher reduzierte das Unternehmen die Kapazität für die Wintersaison gegenüber der ursprünglichen Planung um 40 Prozent. Die aktuellen Buchungen entwickelten sich "im Rahmen dieser Kapazitätsanpassungen“, heißt es. Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres erwarte man einen "weitgehend kostendeckenden Geschäftsbetrieb“.

30 Prozent weniger Gemeinkosten

An der Kostenschraube soll, wie bereits berichtet, weiter intensiv gedreht werden. So sieht der Plan eine Reduzierung der Gemeinkosten um 30 Prozent vor. Der größte Teil davon dürfte auf Personalkosten entfallen. Außerdem hatte Konzernchef Fritz Joussen bereits angekündigt, dass zum Schuldenabbau auch Tafelsilber verkauft werden soll. Ein erster Schritt war die Integration von Hapag-Lloyd Cruises in das Joint Venture mit Royal Caribbean, TUI Cruises. Sie spülte laut TUI 690 Millionen Euro in die Kassen des Konzerns. Auch in der Hotellerie wird sich der Konzern wohl zunehmend aus kapitalintensiven Engagements zurückziehen.

So oder so: Nach der Krise wird TUI einen riesigen Schuldenberg vor sich herschieben, der dem Konzern eine jährliche Zinslast im dreistelligen Millionenbereich aufbürdet. Die Ankündigung im Geschäftsbericht, in zwei Jahren solle die TUI Group "stärker, schlanker, digitaler und agiler in einem voraussichtlich erheblich konsolidierten Markt auftreten“, erscheint insofern ziemlich optimistisch.  

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