United-Chef erläutert seine American-Airlines-Pläne
United-Airlines-Chef Scott Kirby (Foto) hat erläutert, warum er American Airlines Gespräche über eine Fusion vorgeschlagen hat. Demnach ging es nicht um Kürzungen, sondern um Wachstum, Kundennutzen und eine stärkere globale Positionierung einer US-Airline. American habe Gespräche jedoch abgelehnt und die Tür öffentlich geschlossen. Damit sei das Vorhaben auf absehbare Zeit vom Tisch.
United Airlines
United-CEO Scott Kirby meint, ein Merger mit American Airlines würde beiden Partnern helfen
United-Airlines-Chef Scott Kirby hat seine Beweggründe für den Fusionsvorstoß an American Airlines offengelegt. In einem Statement erklärte er, er habe American angesprochen, weil beide Airlines gemeinsam aus seiner Sicht etwas Außergewöhnliches für Kunden hätten schaffen können. Voraussetzung wäre allerdings gewesen, dass ein solcher Zusammenschluss gut für Kunden ist und auf einen Partner trifft, der diese Vision teilt.
Genau daran scheiterte der Vorstoß. Laut Kirby lehnte American Gespräche ab und schloss die Tür öffentlich. Ohne einen willigen Partner lasse sich ein Vorhaben dieser Größenordnung nicht umsetzen.
Kirby grenzt sich von früheren Fusionen ab
Kirby betont, dass seine Idee sich grundlegend von früheren Airline-Fusionen unterscheiden sollte. Solche Zusammenschlüsse seien oft von zwei angeschlagenen Airlines verfolgt worden, um Kosten, Flüge und Personal zu kürzen. Seine Vorstellung sei das genaue Gegenteil gewesen.
Er habe auf Wachstum gesetzt, das eine neue Phase amerikanischer Führungsstärke in der Luftfahrt einleiten sollte. United und American hätten zusammen nach seiner Vorstellung eine Airline formen können, die Kunden wirklich schätzen und die weltweit Maßstäbe setzt.
Mehr Größe, mehr Kundennutzen, mehr Reichweite
Kirby beschreibt den möglichen Zusammenschluss als Erweiterung eines Kurses, den United seit Jahren verfolge. Die Strategie setze auf Markentreue, Investitionen ins Kundenerlebnis und darauf, Flugreisen aus der Austauschbarkeit herauszuführen.
Durch eine Kombination mit American hätte dieses Modell laut Kirby größer ausgerollt werden können. Er nennt mehr Auswahl und mehr Nutzen für Kunden beider Airlines, darunter bessere Produkte, Technologie, Erlebnisse sowie ein wertvolleres Loyalitäts- und Bonusprogramm. Zudem hätte ein größeres Netzwerk weiteres Wachstum ermöglicht, insbesondere international und in kleineren Märkten.
Ein wichtiger Punkt in Kirbys Argumentation ist das Preisniveau. Er betont, United habe keinen Zusammenschluss vorgeschlagen, der zu höheren Preisen für Kunden führt. Im Gegenteil: Die kombinierte Airline hätte die Zahl der Economy-Sitze im Markt deutlich erhöht und damit mehr bezahlbare Reisemöglichkeiten geschaffen.
Größere US-Airline gegen ausländische Konkurrenz
Kirby verbindet das Vorhaben auch mit industriepolitischen Argumenten. Er verweist auf ein Ungleichgewicht im Langstreckenverkehr in die USA. Ausländische Airlines böten etwa 65 Prozent der Langstreckensitze in die Vereinigten Staaten an, obwohl nur 40 Prozent der Kunden aus dem Ausland kämen.
Ein Zusammenschluss von United und American hätte nach seiner Darstellung eine global wettbewerbsfähigere US-Airline geschaffen. Das hätte amerikanische Arbeitsplätze und wirtschaftliche Chancen gestärkt und dem Land geholfen, im internationalen Luftverkehr wieder stärker den Takt vorzugeben.
Jobs, Industrie und Tourismus als Teil der Erzählung
Kirby beschreibt die Fusionsidee auch als Konjunkturprojekt. Ein gemeinsames Unternehmen hätte zehntausende neue, gut bezahlte und gewerkschaftlich organisierte Arbeitsplätze mit guten Sozialleistungen schaffen können. Für die bereits rund 250.000 Beschäftigten von United und American hätten sich zusätzliche Entwicklungschancen ergeben.
Hinzu komme ein möglicher Schub für die Flugzeugindustrie und Lieferketten in den USA. Der Bedarf an neuen Flugzeugen hätte nach seiner Darstellung die heimische Produktion gestützt. Mehr Sitze zu mehr Zielen hätten außerdem den Tourismus und Geschäftsreisen gestärkt und Milliarden an wirtschaftlicher Aktivität ausgelöst.
Kirby hielt Zustimmung der Behörden für möglich
Dass ein so großer Zusammenschluss auf Skepsis bei Politik, Behörden und in den Medien gestoßen wäre, räumt Kirby ein. Frühere Prüfungen hätten vor allem auf das geschaut, was bei Fusionen wegfällt. Sein Vorschlag sei aber auf Wachstum, Kundeninvestitionen und globale Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet gewesen und deshalb anders gelagert.
Zwar wären in einzelnen Inlandsmärkten Verkäufe von Rechten oder Kapazitäten nötig gewesen. Dennoch zeigt sich Kirby überzeugt, dass Regulierer einen solchen Deal am Ende hätten genehmigen können, weil die Vorteile für Kunden, Beschäftigte und Regionen anerkannt worden wären.
Das Ende der Gespräche mit American werde United nicht an weiterem Wachstum hindern, so Kirby. Die Mission, die größte Airline in der Geschichte der Luftfahrt aufzubauen, sei bereits in vollem Gange, schreibt er. Der Fusionsplan sei zwar gescheitert. Aber United wolle wachsen, nun ohne American Airlines.
Christian Schmicke
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