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19. November 2020 | 16:05 Uhr
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VDR schießt gegen Nachbarsitz-Regel des Bundes

Dass der Bund seinen Mitarbeitern bei Dienstreisen die Buchung eines freien Nachbarsitzes gewährt, schlägt beim Geschäftsreiseverband hohe Wellen. Der Verband macht sich seit längerem für eine Reservierungspflicht zur Wahrung von Abständen im Zuge der Corona-Pandemie stark.

Bahn ICE Waggon innen leer Foto iStock CAHKT.jpg

Leerer Waggon: Angestellte des Bundes dürfen sich bei Dienstreisen einen freien Nachbarsitz hinzubuchen

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Die Tatsache, dass der Bund seinen Mitarbeitern bei der Bahn künftig den Kauf eines freien Nachbarbarsitzes finanziert, mache "sprachlos", schreibt der VDR. Als Eigentümer der Bahn solle er besser bewirken, dass das Unternehmen sein Hygiene-Konzept für alle Reisenden verbessere. Wie berichtet, plant der Bund, Mitarbeitern von Behörden und Ministerien bei Dienstreisen mit der Bahn in den nächsten Monaten die Buchung eines leeren Nachbarsitzes zum Schutz vor einer möglichen Corona-Infektion zu erlauben. Das hatte die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf ein Schreiben des Bundesinnenministeriums an oberste Bundesbehörden gemeldet.

Dass die Geschäftsreiselobby angesichts dieser Neuigkeiten auf die Barrikaden geht, verwundert nicht. Bereits im Sommer hatte der VDR gefordert, für die Dauer der Pandemie eine allgemeine Reservierungspflicht bei Bahnreisen einzuführen. Eine verpflichtende Sitzplatzreservierung ermögliche eine konsequente Kontaktnachverfolgung, mache die maximale Belegung kontrollierbar und gewährleiste das Einhalten von Abständen, argumentierte der Verband. Die Bahn lehnt eine Reservierungspflicht bis dato ab. Diese schrecke Reisende, die spontan einen Zug nehmen wollten, ab, heißt es zur Begründung

Wie gefährlich sind Bahnfahrten?

Der Umstand, dass der Bund als Eigentümer der Bahn für seine eigenen Mitarbeiter eine Sonderregelung einführt, spricht in der Tat nicht dafür, dass er das Risiko, dass sich Menschen bei Bahnreisen mit dem Coronavirus infizieren können, so vernachlässigbar ist, wie es die Bahn darstellt. Es sei paradox, wenn der Bund als Eigentümer der Bahn gegenüber der deutschen Wirtschaft schärfere Hygiene-Maßnahmen als unnötig ablehne, sie aber seinen eigenen Mitarbeitern sogar finanziere, heißt es denn auch vom VDR.

Interessant könnten vor diesem Hintergrund auch die Dialoge werden, die sich abspielen, wenn ein Bundesbediensteter in einem vollbesetzten Zug einem anderen Passagier das Anliegen verweigert, Platz zu nehmen. Denn das widerspricht der bislang gängigen Praxis. Erleichternd könnte sich in dieser Hinsicht allenfalls die Tatsache auswirken, dass auch die Nachfrage nach Bahnreisen unter den jüngsten Entwicklungen im Infektionsgeschehen deutlich gelitten hat.

Christian Schmicke

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