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23. März 2020 | 16:35 Uhr
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Veranstalter buchen ausgezahlte Provisionen zurück

Auf einen dreistelligen Millionenbetrag dürften sich nach Einschätzung der VUSR-Vorsitzenden Marija Linnhoff (Foto) die Forderungen von Veranstaltern für bereits gezahlte Provisionen summieren, die nun im Zuge der Corona-Krise abgesagt wurden. Große Anbieter sollen Beträge bereits per Sepa-Lastschriftverfahren zurückbeordert haben.

Linnhoff Marija

Linnhoff fürchtet hohe Rückforderungen der Veranstalter

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Rechtlich befinden sich die Veranstalter, die nun ebenso wie der Vertrieb unter fehlenden Einnahmen und Rückforderungen der Kunden ächzen, wohl auf der sicheren Seite. Denn die Provision steht ihnen nur für tatsächlich vermittelte Umsätze zu.

Für viele Reisebüros sind die Abbuchungen gleichwohl ein Schock. "Nahezu jeder Agentur werden in diesen Tagen die bereits überwiesenen Provisionen von TUI, FTI, DER Touristik und einigen Spezialveranstaltern automatisch vom Konto gebucht", sagte Linnhoff im Gespräch mit Reise vor9. Reisebüros, die sich dagegen wehrten und die Lastschrift widerriefen, riskierten eine Kündigung ihres Vertrages.

Die Notlage der Touristik nach den Reiseabsagen wegen der Corona-Krise droht einen fatalen Ketteneffekt auszulösen. Die Reiseveranstalter, mit juristisch legitimen Rückforderungen der Kundschaft konfrontiert, greifen auf die Provisionszahlungen an den Vertrieb zurück, um sich ein wenig Liquidität zu sichern. Diese, ebenso wie ihre Handelsherren ohnehin nicht mit üppigen Gewinnmargen gesegnet, sehen dadurch ihre Existenz gefährdet. Bereits durch die Thomas-Cook-Pleite im vergangenen Jahr waren den Reisemittlern erhebliche Einkünfte entgangen. Nun droht manchen durch die Kombination aus Einnahmeausfällen und Rückforderungen der Kollaps.

Staat soll helfen, aber wie?

Verbände wie der DRV und auch der VUSR appellieren daher an den Staat. Dieser solle Veranstaltern die Ausstellung von Guthaben für abgesagte Reisen an die Kunden ermöglichen und dafür mit einer Bürgschaft geradestehen, fordert der DRV. Der Reisebüroverband VUSR steht einer Gutscheinlösung ohne die Alternative, dass sich Kunden geleistete Anzahlungen weiter ausbezahlen lassen können, dagegen eher skeptisch gegenüber. Chefin Linnhoff befürchtet für Reisebüros einen tiefgreifenden Vertrauensverlust der Kunden, wenn diese angezahlte Beträge nicht zurückerhalten können. Schließlich würden auch bei vielen Verbrauchern die finanziellen Nöte im Gefolge der Corona-Krise wachsen, sagt sie.

Einig sind sich die Verbände, dass ein staatlicher Notfallfonds die Provisionsausfälle der Reisebüros und die Verbindlichkeiten der Veranstalter absichern sollte. Dies könnte mit der längst fälligen Neuregelung der Kundengeldabsicherung einhergehen, meint Linnhoff. Um eine solche Lösung zu finanzieren, sollten Kunden für neu gebuchte Reisen einen überschaubaren Euro-Betrag einzahlen. Eine Entscheidung steht in dieser Angelegenheit bislang aus.

Christian Schmicke

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