Verbraucherschützer kritisieren Preispolitik der Bahn
Die Bahn werbe mit günstigen Sparpreisen, die allerdings zu üblichen Reisezeiten häufig nicht verfügbar seien, kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Laut einer Langzeituntersuchung lagen die günstigsten Tickets tagsüber an 76 Prozent der untersuchten Tage über dem beworbenen Preis. Der Verband fordert ein einfacheres Tarifsystem, die Bahn weist die Kritik zurück.
Deutsche Bahn
Günstige Bahntarife seien zu den üblichen Reisezeiten oft nicht zu bekommen, klagen Verbraucherschützer
Der VZBV hat nach eigenen Angaben zwischen Juni 2024 und April 2026 nach eigenen Angaben täglich die günstigsten Direktverbindungen zwischen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt untersucht. Insgesamt seien mehr als 289.000 Abfragen für Fahrten in der zweiten Klasse in die Auswertung eingeflossen.
Berücksichtigt wurden laut dem Verband kurzfristige Buchungen innerhalb von sieben Tagen, Fahrkarten für Reisen in drei Wochen sowie langfristige Buchungen zwölf Wochen im Voraus. Die Abfahrten lagen jeweils zwischen 7 und 19 Uhr.
Angebote meist teurer als beworben
An 76 Prozent der Erhebungstage kostete das günstigste verfügbare Super-Sparpreis-Ticket für eine Fahrt tagsüber mehr als das jeweils auf der Bahn-Website beworbene Angebot. Die Abweichung lag laut VZBV zwischen 15 und 157 Prozent. Nur an knapp jedem vierten Tag habe der beobachtete Preis der Werbung entsprochen oder sei niedriger ausgefallen.
"Wer sich mit dem Fahrpreissystem der Deutschen Bahn nicht auskennt, ist im Zweifel im Nachteil", kritisiert VZBV-Chefin Ramona Pop. Besonders günstige Preise müssten häufiger auch zu üblichen Reisezeiten erhältlich sein.
Die Chancen auf niedrige Tarife steigen laut der Untersuchung zu Wochenbeginn und samstags, am frühen Morgen oder Abend sowie bei langfristiger Buchung. Kurzfristig gebuchte Super-Sparpreise seien im Schnitt fast dreimal so teuer wie zwölf Wochen im Voraus gekaufte Tickets, so der Verband.
Sparpreise teilweise deutlich gestiegen
Beim Fahrplanwechsel 2025/2026 hatte die Bahn angekündigt, die Fahrpreise nicht zu erhöhen. Grundsätzlich bestätigt die Studie dies. Bei einzelnen Verbindungen und Buchungszeiträumen stellte der Verband allerdings deutliche Veränderungen fest.
Mittelfristig gebuchte Super-Sparpreise lagen im ersten Quartal 2026 im Median 36 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auf einzelnen Strecken beobachteten die Verbraucherschützer Anstiege von bis zu 111 Prozent.
Bahn verweist auf Auslastungssteuerung
Die Deutsche Bahn kritisiert Lücken in der Untersuchung. Da nur Abfahrten zwischen 7 und 19 Uhr betrachtet würden, fehlten günstige Verbindungen in den Tagesrandlagen, erklärte eine Sprecherin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Abo).
Die Preise und Kontingente würden nach der Auslastung gesteuert. Für stark nachgefragte Verbindungen zwischen Metropolen und zu Stoßzeiten gebe es weniger Aktionsangebote. Flexible Fahrgäste sollten mit günstigen Tickets auf schwächer ausgelastete Züge gelenkt werden. Nach Angaben der Bahn befinden sich derzeit so viele Billigtickets wie noch nie im Verkauf.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hält das System dennoch für zu kompliziert. Die Bahn müsse die Preisgestaltung transparenter machen, damit Kunden Kosten besser einschätzen und Reisen verlässlich planen könnten.